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Hotspots im Norden : „Ein katastrophales Verhalten“

Das Iduna-Zentrum im Zentrum Göttingens Bild: dpa

Die Göttinger Behörden bemühen sich um eine Eindämmung des Infektionsgeschehens und drohen mit „geschlossenen Einrichtungen“. Von den „Evangeliums-Christen“ in Bremerhaven scheinen Spuren derweil nach Frankfurt zu führen.

          2 Min.

          Im Nordwesten Deutschlands häufen sich gegenwärtig die Corona-Ausbrüche. Im Raum Göttingen versuchen die Gesundheitsbehörden einen großen Corona-Infektionsherd in Großfamilien mit Migrationshintergrund einzudämmen. Die Zahl der positiv getesteten Personen wurde am Dienstagabend auf 80 beziffert, es stehen jedoch noch Testergebnisse aus. In Quarantäne befinden sich nach Angaben des Krisenstabs in diesem Zusammenhang 370 Personen. Die Mehrzahl von ihnen lebt in Göttingen und Umgebung, manche auch in Nordrhein-Westfalen oder Thüringen. Unter den bisher identifizierten Kontaktpersonen befinden sich, Stand Montag, 57 Kinder und Jugendliche. Als Konsequenz bleiben alle Schulen im Göttingern Stadtgebiet bis zum 7. Juni präventiv geschlossen, ebenso wie 11 Schulen im Landkreis. Außerdem schließen fünf Kitas in Göttingen für diesen Zeitraum.

          Fehlende Kooperationsbreitschaft

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Ausgangspunkt des Corona-Ausbruchs waren nach Angaben der Stadt Göttingen „mehrere private Familienfeiern“ am vergangenen Wochenende. Die Göttinger Sozialdezernentin Petra Broistedt äußerte zudem, dass eine Gruppe junger Männer nach den Feiern in einer Shisha-Bar gemeinsam aus einer Pfeife geraucht habe. Die Shisha-Bar war illegal geöffnet und wurde mittlerweile von den Behörden geschlossen. Das Verhalten der jungen Männer nannte Broistedt eine „Katastrophe“.

          Schwierigkeiten bereiten den Behörden auch fehlende Kooperationsbereitschaft sowie „Sprach- und Verständnisbarrieren“. Inzwischen sind jedoch nahezu alle Personen auf Covid-19 getestet worden, die im Zusammenhang mit den Familienfeiern zum Test angemeldet wurden. Das niedersächsische Gesundheitsministerium hatte nach Weigerungen zuvor angekündigt, dass man entschlossen sei, die Testungen notfalls auch mit Hilfe von Gerichten und Polizei durchzusetzen. Wer gegen Quarantäneauflagen verstoße, begehe eine Straftat und könne in eine geschlossene Einrichtung verbracht werden, hieß es am Dienstag. Bei einem Mann aus Göttingen, der mehrfach gegen Quarantäneauflagen verstoßen haben soll, hat sich inzwischen allerdings erwiesen, dass er nicht mit dem Coronavirus infiziert ist.

          Die Gesundheitsbehörden arbeiten „aufsuchend“

          In der Region Bremerhaven sind die bremischen und niedersächsischen Behörden gleich mit zwei Corona-Ausbrüchen beschäftigt. Im Zusammenhang mit einer freikirchlichen Gemeinde russlanddeutscher „Evangeliums-Christen“ stieg die Zahl der Infizierten inzwischen auf 57. Die Behörden halten es mittlerweile für wahrscheinlich, dass die Infektionen im privaten Rahmen unter den teils großen Familien weitergegeben wurden. An den Gottesdiensten der „Evangeliums-Christen“ sollen jeweils nur bis zu siebzig der rund 800 Gemeindemitglieder teilgenommen haben. Um das Verständnis für die Eindämmungsmaßnahmen unter den Angehörigen der Religionsgemeinschaft zu erhöhen, arbeiten die Gesundheitsbehörden mittlerweile „aufsuchend“, wie ein Sprecher der Stadt Bremerhaven darlegte. Er teilte zudem mit, dass es nach Auffassung der Gesundheitsbehörde mittlerweile „ausgesprochen wahrscheinlich“ sei, dass der Corona-Ausbruch unter „Evangeliums-Christen“ in Bremerhaven direkt mit dem kürzlich bekanntgewordenen Corona-Ausbruch unter „Evangeliums-Christen“ in Frankfurt zusammenhängt. Dort sind bisher rund 200 Personen an Corona erkrankt.

          Die Stadt Bremerhaven teilte am Dienstag ferner mit, dass man einen weiteren Infektionsherd unter türkischstämmigen Muslimen mit bisher elf erkrankten Personen festgestellt habe. Ausgangspunkt dieses Corona-Ausbruchs war offenbar eine private Feier zum islamischen Zuckerfest. Dabei sei vermutlich gegen Hygieneregeln verstoßen worden, teilte ein Sprecher der Stadt dieser Zeitung mit. Die Behörden kamen dem Ausbruch auf die Spur, weil zwei Schüler der zweiten Klasse positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

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