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Ersatz für Tornados : Bundeswehr setzt auf Teillösung

  • Aktualisiert am

Ein Bundeswehr-Tornado im Dezember 2015 in Büchel Bild: dpa

Deutschland will bis zu 90 Eurofighter und 45 F-18-Kampfflugzeuge beschaffen. Das amerikanische Modell sei wichtig für die nukleare Teilhabe. Der Plan soll Interessen der europäischen Rüstungsindustrie wahren.

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          Die überalterte Tornado-Flotte der Bundeswehr soll vom Jahr 2025 an durch bis zu 90 weitere Eurofighter sowie 45 F-18-Kampflugzeuge des amerikanischen Herstellers Boeing abgelöst werden. Das Modell soll dabei für den elektronischen Luftkampf sowie die „Nukleare Teilhabe“ Deutschlands an amerikanischen Waffen beschafft werden. Das sehen interne Planungen des Verteidigungsministeriums vor, die nach dpa-Informationen schon auf politischer Ebene sowie mit Industrievertretern besprochen wurden. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) müsse dem Plan erst noch zustimmen, hieß es im parlamentarischen Raum.

          Der Unionsfraktionsvize Johann Wadephul (CDU) hat als Reaktion auf den Plan eine zügige Entscheidung über die Ablösung des Tornado gefordert. Es müsse verhindert werden, dass die Bundeswehr Fähigkeiten verliere „und sei es nur auf Zeit“, warnte der CDU-Verteidigungspolitiker am Donnerstag. „Der militärische Bedarf der Luftwaffe muss bei der Entscheidung im Vordergrund stehen“, forderte Wadephul. Er sprach von einem „klaren Bekenntnis zur europäischen Luftfahrtindustrie“. „Gleichzeitig hätte man für die besonderen Aufgaben der Luftwaffe ein erprobtes und verlässliches Modell, das kurzfristig beschafft werden könnte. Diese Lösung würde die Zeit bis zur Einführung des Kampfflugzeugs der Zukunft (FCAS) überbrücken.“

          Die Bundeswehr verfügt aktuell über insgesamt 234 Kampfflugzeuge, darunter 141 Eurofighter vom europäischen Hersteller Airbus und 93 Tornados. Der vor bald 40 Jahren eingeführte Tornado ist für die Aufgaben Luftangriff, taktische Luftaufklärung und elektronische Kampfführung zum Einsatz vorgesehen – und eben für die nukleare Abschreckung. Im Flugbetrieb sind 83 Maschinen, zehn weitere Flugzeuge werden für die Ausbildung am Boden sowie für wehrtechnische Tests genutzt. Deutschland gehört aber zu den letzten Nutzern dieses Flugzeugtyps. Der Betrieb droht deswegen bald zusätzliche Milliarden zu kosten, schon weil Ersatzteile zur Manufakturarbeit werden.

          Um die Nachfolge-Entscheidung, bei der es über die Jahre verteilt um einen zweistelligen Milliardenbetrag geht, hat es ein längeres Ringen gegeben. Der nun ausgehandelte Plan soll sicherheitspolitische Erfordernisse mit der Industriepolitik versöhnen, bei der es unter anderem um starke bayerische Interessen geht. Die Airbus-Rüstungssparte hat ihre Zentrale in Bayern, in Manching werden Eurofighter endmontiert. So oder so – auf der Zeitschiene wird erst eine künftige Bundesregierung die letzte Entscheidung treffen.

          Politisch schwierig ist das Vorhaben aber auch wegen der „Sonderrolle“ des Tornados: Das nukleare Abschreckungskonzept der Nato sieht vor, dass Verbündete im Kriegsfall Zugriff auf Atomwaffen der Vereinigten Staaten haben, also die Bomben ins Ziel tragen können müssen. Offiziell nie bestätigt, aber doch eine Art offenes Geheimnis: In Büchel in der Eifel sollen 20 thermonukleare B61-Gravitationsbomben der amerikanischen Streitkräfte lagern, die unter deutsche Tornados geklinkt werden können.

          Ein Zwei-Flotten-Konzept

          Das Thema ist für die Beistandsverpflichtungen im transatlantischen Bündnis zentral, aber: Man kann damit in Deutschland keine Punkte machen, zumal nicht als SPD-Politiker. Gerüttelt hat die SPD daran seit dem Jahr 1958 aber nicht. „Nukleare Abschreckung bleibt auf absehbare Zeit ein wesentlicher Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur. Die nukleare Teilhabe sichert Deutschland einen größeren Einfluss auf die Nuklearstrategie der Nato“, erklärte SPD-Verteidigungspolitiker Fritz Felgentreu noch im Oktober der dpa. Und: „Den sollten wir nicht leichtfertig aufgeben – gerade dann nicht, wenn wir Rüstungskontrolle und Abrüstung durchsetzen wollen.“

          Eine amerikanische F-18G Growler im Juni 2008 in Washington

          Bei einem Ersatz für den Tornado verwiesen Militärplaner zuletzt auf eine Notwendigkeit, die Einsatzsicherheit mit zwei unterschiedlichen Flugzeugen garantieren zu können. Strategien sprechen von einem Zwei-Flotten-Konzept.

          Auch Ersatz für alte Eurofighter

          Eine Lösung soll nun so aussehen: Für die Nukleare Teilhabe sollen rund 30 F-18 der Version „Super Hornet“ beschafft werden. Für das Modell spricht, dass eine Zertifizierung durch die Vereinigten Staaten problemloser möglich erscheint als beim Eurofighter, schließlich kann Washington selbst hier das Tempo bestimmen. Für den elektronischen Luftkampf – das Stören, Niederhalten und Bekämpfen gegnerischer Luftabwehrstellungen – werden zudem 15 F-18 in der Version „Growler“ beschafft.

          Ein Bundeswehr-Eurofighter im September 2019 in Nörvenich

          Die neuen Eurofighter übernehmen die anderen Aufgaben der Tornado-Flotte: Luftaufklärung, den Einsatz konventioneller Bomben und als Jagdflugzeug. Die relativ große Stückzahl von mindestens 78 Eurofightern – womöglich aber auch mehr als 90 – kommt zustande, weil auch Flugzeuge als Ersatz für ältere Eurofighter der Tranche 1 gekauft werden sollen.

          Brief der IG-Metall

          Der Plan soll die Interessen der europäischen Rüstungsindustrie wahren. Das gelte auch für das gemeinsam mit Frankreich betriebene Projekt eines neuen Luftkampfsystems („FCAS“), das von 2040 an verfügbar sein soll, heißt es. Dass die deutsche Industrie perspektivisch ausgelastet und Arbeitsplätze gesichert bleiben, hatten Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder angemahnt. Airbus hatte allerdings auch gewarnt, bei einem Kauf von F-18 in Deutschland könnte Pläne für den Verkauf von Eurofightern in die Schweiz, nach Finnland und nach Spanien wackeln.

          Noch vor dem Bekanntwerden der Pläne haben die IG Metall und Betriebsräte in einem Brandbrief vor dem Kauf amerikanischer F-18 an Stelle des Eurofighters gewarnt. 100.000 Arbeitsplätze in Europa seien vom Eurofighter abhängig, darunter 25.000 in Deutschland. „Der Kauf der F-18 würde nicht nur deutsches Steuergeld in Milliardenhöhe in die Vereinigten Staaten fließen lassen, sondern gleichzeitig die Zukunft der militärischen Luft- und Raumfahrt in Deutschland gefährden“, hieß es in dem Brief, der an Kramp-Karrenbauer, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Kanzleramtsminister Helge Braun (alle CDU) gerichtet war.

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