http://www.faz.net/-i72-7zql0

Unsere Favoriten: Happy Birthday, Youtube!

FAZ Storytelling
intro
© Youtube

Happy Birthday, Youtube!

Zehn Jahre gibt es jetzt unsere Lieblings-Videoplattform im Internet, der wir Partybeschallung und Prokrastination, haltloses Kichern in unpassenden Situationen und manchmal auch das beste Fernsehen der Welt verdanken. Fast jeder hat seine Lieblinge, die er nicht müde wird, sich wieder und wieder anzuschauen. Hier kommen unsere Empfehlungen:

Der Gute-Laune-Tanzbär Matt Harding

Franz Nestler

Immer wenn die Welt aus den Fugen gerät, sollte sich jeder dieses Video anschauen. Matt Harding tanzt sich um die Welt: Syrien, Nordkorea, Afghanistan, aber auch in Afrika, Europa und Amerika wagt er an mehr und weniger bekannten Plätzchen ein Tänzchen mit den Einheimischen. Dieses Video zeigt am Ende doch: Egal wo Menschen sind, egal welche Hautfarbe sie haben: Sie wollen doch einfach nur glücklich sein und haben auf den ganzen Mist, den ganzen Krieg, einfach keine Lust. Hach.

© Youtube



Feuchte Küsse vom Karpfen

Joachim Müller-Jung

Wenn ein Karpfen und ein ausgewachsener Labrador Gefühle füreinander entwickeln, ist das was? Seelenverwandtschaft? Spieltrieb? Instinkt doch wohl nicht. Ich habe das ungleiche Pärchen schon beim ersten Ansehen in mein Biologenherz geschlossen. Ihr zärtliches Spiel hat so viele Höhepunkte, dass man gar nicht anders kann, als fest daran zu glauben, dass der selige Darwin sicher recht hatte: Die ganze Welt ist ein Tierstall.

© Youtube



In der Kantine des Todessterns

Michael Hanfeld

Auch Darth Vader schiebt mal Kohldampf. Wo geht er dann hin? In die Cafeteria des Todessterns, die „Death Star Canteen“. Das Dumme ist nur, dass man ihn dort nicht erkennt und für den „Head of Catering“ hält: „Sind Sie Mr. Stevens?“ Oder ist sein Vorname Jeff? Und warum sind die Tabletts alle nass? Der britische Komiker Eddie Izzard hat sich Darth Vaders Kalamitäten ausgemalt. Die in Lego nachgestellte Version überzeugt auch durch ihre perfekte Kantinen-Optik.

© Youtube



„WAS?! KEIN STEHSATZ?!!!“

Andrea Diener

Ja, auch wir könnten manchmal etwas vertragen, was uns ruhig und ausgeglichen macht in unserem stresserfüllten Dasein. Ja, auch die Herren. Leider können wir im Drogeriemarkt unseres Vertrauens kein „Frauengold“ mehr finden. Aber was macht das Tonikum nur so wirkmächtig? „Hauptwirkstoff“, so weiß die allwissende Wikipedia, „war mit mindestens 16,5 Volumenprozent Alkohol.“ Kritiker, so heißt es weiter, sahen „Frauengold“ als Fortführung des sogenannten „Kölnisch-Wasser-Alkoholismus“. Aber wenn es ohnehin nur um den Alkohol geht, dann können wir ja auch zum Kiosk an der Galluswarte gehen und Schnäpschen kaufen, das ist billiger und gesünder. 1981 nämlich wurde „Frauengold“ vom Bundesgesundheitsministerium verboten, weil es Wirkstoffe enthielt, die als krebsfördernd und nierenschädigend gelten. Was sich über ein ehrliches Gläschen Slivovitz nicht sagen lässt. Später. Nach dem Dienst. Wenn alle Chefs besänftigt sind. Prost!

© Youtube



Fenster zu, ich bin aus Kanada

Philipp Jaklin

Auftritte vor Publikum waren dem kanadischen Pianisten Glenn Gould zuwider, schon früh mied er die Bühne. Umso mehr genoss er es, sich vor der Kamera in Szene zu setzen. Und dort seine Exzentrizität zur Schau zu stellen: seine Abneigung gegen das Händeschütteln, sein Mitsummen und Mitsingen beim Spielen, den Wintermantel und die Handschuhe, auf die er auch im Hochsommer nicht verzichten mochte. Diese Dokumentation des kanadischen Fernsehens von 1959 zeigt, wie wohl sich schon der 27-Jährige in der Rolle als Filmstar fühlt - mit Taxifahrern, Tontechnikern, Kaffeetassen, Bach und einem legendären Klappstuhl in Nebenrollen. Nebenbei ein nostalgischer Ausflug ins New York der 1950er Jahre.

© Youtube



Mensch, sei ein User!

Julia Bähr

Manchmal, ganz selten, öffnet sich in der Welt ein Fenster, durch das man in die Vergangenheit blicken kann. Das sind kostbare Momente, denn sie ändern die Perspektive auf die Gegenwart. Ein solches Fenster bietet die historische Aufnahme des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest 1996: Vier Damen in paillettenschimmernden Flaggenröcken singen ein Lied namens „Surfen Multimedia“, das Begriffe aus der bunten Welt des Internets erfrischend sinnentstellend durcheinanderwürfelt. „Mensch, sei ein User, geh online, im E-Mail triffst du mich!“, appelliert die Sängerin eindringlich zu blutleerem Popgedudel. Ja, so war das damals, als E-Mail noch etwas war, von dem man bisher nur mal gehört hatte. Plötzlich wird uns klar, in was für einer Science-Fiction-Welt wir heute leben, da wir die Anhänge dieser E-Mails kabellos vom Smartphone an den W-Lan-Drucker schicken können. Zauberei! „Surfen Multimedia“ belegte damals übrigens Rang sechs von zehn, was kein gutes Licht auf die dahinter plazierten Beiträge wirft.

© Youtube



Radtour extrem

Cai Tore Philippsen

Danny MacAskill mit seinen spektakulären Fahrradtricks im Jahr 2009. Das Video machte ihn zum Star – über 35 Millionen Mal wurde es abgespielt. Die Musik von Band of Horses ist auch genial. Besser als der ganze glattgebügelte Red Bull-Mist, der später kam.

© Youtube



No comment

Florian Siebeck

Ich erinnere mich noch blendend an die Party, auf der wir das Video die ganze Nacht in Dauerschleife an der Wand laufen ließen: ein Mitschnitt der „Crystal Light" Aerobic-Meisterschaft 1988, ausgerichtet vom gleichnamigen und dem Namen nach wohl äußerst ungesunden Softdrink. Ein Feuerwerk der Bewegungsfreiheit. Ein Zeugnis dessen, zu was Koks Menschen fähig macht. Und eine wundervolle Reminiszenz an die Achtziger, noch besser als Pilates mit Babs Becker. Hilft gegen trübes Wetter, träge Gäste und kalte Progression. Und passt zu jedem Lied. Los, aufstehen!

© Youtube



Klapprad-Kollektiv Rakete

Fridtjof Küchemann

Unzählige Aktivisten, Ambitionierte und Aufklärer nutzen Youtube, um im Bewegtbild für die gute Sache einzutreten. Oder für sich selbst. Oder gleich für beides auf einmal. Vom Werbefilm über das einseitige Erklärvideo bis zum Propagandaclip reicht das Spektrum des Dargebotenen. Eine Perle dieser Kunst ist die Dokumentation „Fortschritt durch Forschung“, mit dem sich das Frankfurter Klapprad-Kollektiv Rakete um die Teilnahme beim Klassiker ihres speziellen Sports bewerben wollte, den „24 Heures Le Schopp“. Von der Wahrheitskommission indes, der die Vergabe der Startplätze obliegt, wurde das Video unlängst als verkratztes, „schnell zusammengeschusterte[s] Machwerk der Frankfurter Handkäsfresser“ verunglimpft. Wir finden: So verkratzt ist es gar nicht. Und fordern: So viel Forschung sollte gewürdigt werden.

© Youtube



„1, 2, 3, 4 – let me in!“

Martin Gropp

Popkultur lebt von Ritualen. Und so verwundert es nicht, dass auch die Berliner Rockband Beatsteaks eine gute Gewohnheit entwickelt hat. Sie ist gleich mehrfach auf Youtube verewigt, am schönsten aber in diesem Video aus dem Jahre 2007. Auf Konzerten machen die Beatsteaks ihren Hit „Let Me In“ zu einer Turnübung: In der Mitte des Liedes, sollen sich alle Konzertbesucher hinhocken, um auf das „1, 2, 3, 4“ des Sängers kollektiv aufzuspringen, loszutanzen und loszuschreien. „Lass‘ mal für einen Moment legendär werden“, ruft Sänger Arnim Teutoburg-Weiß kurz vorher von der Bühne, und alle machen mit. Und auch wenn es nur ein Youtube-Video ist, und das Ganze schon fast acht Jahre zurück liegt, stellt sich ungefähr bei Minute 2:47 genau diese Gefühl ein - mit einem Hauch von Gänsehaut: legendär!

© Youtube



Meister im Driften

Carsten Feig

Der Auto-Artist und YouTube-Star Ken Block hat mittlerweile durch seine Videos eine riesige Fangemeinde. Er ist nicht nur ein Meister im Driften, sondern auch der Selbstvermarktung. Seine Sponsoren versprechen sich ein gutes Geschäft durch seine „Gymkhana“-Videos. Die Klick-Zahlen sprechen für sich. Alleine dieses Video aus dem Jahr 2012 wurde fast 72 Millionen Mal angesehen.

© Youtube



Darth Vader als Werbeinschdrumend

Johannes Thielen

In der Werbebranche weckte Youtube schon recht früh Phantasien als elegante Möglichkeit, den User bei der Verbreitung von Markenbotschaften mit einzuspannen. Das Zauberwort hieß „Virales Marketing“. Einer der erfolgreichsten (und gänzlich unkommerziellen) viralen Clips nahm im Jahr 2007 dann genau diese Werbestrategie aufs Korn, in Form einer schwäbisch synchronisierten Star Wars-Parodie. „Ein absolut machtvolles Werbeinschdrumend“ – wie über 4,7 Millionen Aufrufe bis heute beweisen.

© Youtube



Ein bisschen große Freiheit

Lorenz Hemicker

Irgendwo zwischen „Thunderbirds“, „Die Feuerzangenbowle“ und Weihnachten mit Peter Alexander rangieren Nachkriegsfilme mit Hans Albers. Mit Bildern von Hamburg so bunt wie auf einem LSD-Trip. Und mit Albers selbst: Väterlich, sangeslustig und voll wie eine Haubitze; unerreicht in diesem Ausschnitt als Käpt‘n Jonny Jensen im Film „Das Herz von Sankt Pauli“ (1957). Sicher, Männer wie Albers gibt es nicht mehr. Aber seine Lieder mit seemännischen Machismo, hanseatischer Wehmut und kleinen Prisen Lebensweisheiten gewürzt sind Kult. Es gibt manchen heißen Nachrichtentag, an dessen Ende das Liedgut in der FAZ.NET-Redaktion angespielt wird. Kurz.

© Youtube



Om!

Susanne Preuß

Mein Youtube-Hit sind Yoga-Videos. Die wirken perfekt gegen den Schweinehund. Man muss sich nicht groß anziehen, um irgendwo hinzugehen, und man muss sich nicht selbst irgendwelche Gedanken machen, was man tun könnte/sollte. So ein Sonnengruß ist ja ohnehin schon die beste Grundlage für ein Workout, weil so ziemlich alle Muskeln und alle Körperteile angesprochen werden. Für morgens zum Beispiel kann ich empfehlen „Energie am Morgen“. Die Videos von Yoga Video sind alles andere als professionell. Man hört Hintergrundgeräusche, der Sprecher verhaspelt sich auch mal oder muss hörbar darüber nachdenken, ob er jetzt „rechts“ oder „links“ sagen soll und diejenigen, die die Übungen vormachen, werden durchaus auch mal vom Sprecher korrigiert, weil sie eben auch nicht perfekt sind. Aber das macht mir die Sache ehrlich gesagt ganz sympathisch.

© Youtube



10 Jahre Aufmerksamkeitsdefizit

Bernd Helfert

Nein, es waren auch zehn Jahre Nahrung für hungrige Geister. Ob Nachhilfe in Geschichte oder Wirtschaft, ob Einblicke in Street Art oder Musikgeschichte. Kutiman fügt Youtubes Clip-Zerstreuung wieder poetisch zusammen.

© Youtube



Last Lecture

Monika Ganster

September 2007. Es war das erste Mal, dass ich mir inmitten der flirrenden Schnipselwelt von Youtube einen mehr als einstündigen Vortrag bis zu Ende ansah. Und absolut gebannt war von einem humorvollen, lebendigen Mann, der von seinem bevorstehenden Tod erzählte. Randy Pausch sprach in seiner letzten Vorlesung an der Carnegie Mellon Universität über Kindheitsträume, die uns Kompass für unser ganzes Leben sein können. Er zeigte Scans seines Bauchspeicheldrüsenkrebs und Bilder des Hauses, in dem seine Frau und seine Kinder nach seinem Tod leben werden. Er gab mit seiner Sammlung riesiger Stofftiere an. Das Auditorium lacht, schweigt betroffen und lacht dann umso lauter, weil wir alle nicht gewohnt sind, dass jemand Witze über seinen eigenen Tod reißt, wenn er unmittelbar bevorsteht. Aber hier wird im Lachen fühlbar: Der Tod ist immer unter uns, auch wenn wir das jeden Tag verdrängen wollen.

© Youtube








Inhalte werden geladen.

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 12.02.2015 14:24 Uhr