16.11.2009 · Die Gewinnschwelle ist für den amerikanischen Autokonzern noch weit entfernt. Trotzdem beginnt er mit der Rückzahlung von Staatskrediten. Das Geld dafür kommt aber aus einem anderen Regierungstopf.
Von Roland LindnerDer amerikanische Autokonzern General Motors (GM) ist auch nach der Sanierung in einem Insolvenzverfahren noch ein gutes Stück von der Gewinnschwelle entfernt. Das Unternehmen meldete am Montag für den Zeitraum zwischen dem Insolvenzende am 10. Juli und Ende September einen Nettoverlust von 1,2 Milliarden Dollar. Auch das Europa-Geschäft mit der Tochtergesellschaft Opel blieb mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern von umgerechnet mehr als 400 Millionen Dollar klar defizitär. Trotzdem will GM nun mit der Rückzahlung der Staatskredite in Amerika beginnen. Das Unternehmen hält auch an seinem Plan fest, bis Ende November die verbleibenden 400 Millionen Euro des Brückenkredits aus Deutschland zurückzuzahlen.
In Deutschland streiten unterdessen Bund und Länder weiter um neue Staatshilfen für Opel (Beck und Rüttgers pochen auf Unterstützung durch den Bund). GM sei zwar grundsätzlich in der Lage, das Europa-Geschäft allein zu finanzieren. „Wir würden aber bevorzugen, um Unterstützung für das Europa-Geschäft zu bitten“, sagte GM-Chef Fritz Henderson.
GM hat mit dem Zwischenbericht am Montag zum ersten Mal Einblick in seine Finanzlage nach dem Insolvenzverfahren gewährt. Der Autokonzern hat sich in der rund sechs Wochen dauernden Insolvenz radikal verschlankt und Verbindlichkeiten abgeworfen. Der aus der Insolvenz hervorgegangene Konzern gehört zu mehr als 60 Prozent der amerikanischen Regierung, die das Unternehmen mit Krediten von rund 50 Milliarden Dollar unterstützte. Von diesen Krediten stehen 6,7 Milliarden Dollar als Schulden in den Büchern - der Rest wurde in die Mehrheitsbeteiligung umgewandelt. Mehr als 13 Milliarden Dollar aus den Staatskrediten befinden sich derzeit noch auf einem Treuhandkonto.
Staatskredite werden aus Regierungstopf beglichen
Aus diesem Treuhandkonto will sich GM nun bedienen, um mit der Rückzahlung der 6,7 Milliarden Dollar Schulden bei der amerikanischen Regierung sowie weiteren 1,4 Milliarden Dollar beim kanadischen Staat zu beginnen. Eine erste Rate von 1,2 Milliarden Dollar soll im Dezember fließen, danach seien weitere vierteljährliche Zahlungen geplant. GM verwendet also Staatskredite, um Staatskredite zurückzuzahlen. Der Vorstandsvorsitzende Henderson stellte die Zahlung dennoch als einen Schritt dar, in dem die Selbstverpflichtung des Unternehmens zu einer schnellen Rückerstattung von Steuergeldern zum Ausdruck kommt. Der Abbau der Schulden wird außerdem die Zinslast für GM reduzieren.
Die Zahlen für das erste Quartal nach der Insolvenz wertete Henderson als Zeichen für eine Stabilisierung. Allerdings sei der Verlust von 1,2 Milliarden Dollar noch immer unbefriedigend. Tatsächlich bedeutet die Zahl eine Verbesserung: Im dritten Quartal des vergangenen Jahres wies GM - freilich noch in einer völlig anderen Struktur - einen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar aus. Beim letzten Quartalsbericht vor der Insolvenz für die ersten drei Monate 2009 gab es einen Verlust von 6 Milliarden Dollar.
GM steht auch nach der Sanierung in dem mit Staatskrediten begleiteten Insolvenzverfahren deutlich schlechter da als der Wettbewerber Ford, der als einziger der amerikanischen Autohersteller bislang ohne Regierungshilfe ausgekommen ist und eine Insolvenz vermeiden konnte. Ford hat für das dritte Quartal einen überraschend hohen Nettogewinn von 997 Millionen Dollar ausgewiesen.
Verlust trotz Abwrackprämie
Vor Zinsen, Steuern und Sonderposten wies GM für den abgelaufenen Berichtszeitraum einen Verlust von 261 Millionen Dollar aus. Dabei gab es allein auf dem amerikanischen Heimatmarkt einen Verlust von 651 Millionen Dollar, obwohl das Geschäft hier von der staatlichen Abwrackprämie profitiert hat. Das Auslandsgeschäft schaffte insgesamt einen Gewinn von 238 Millionen Dollar. Dieser Gewinn war aber allein den Regionen Asien und Lateinamerika zu verdanken. In Europa gab es nach den Worten von Henderson einen Verlust von mehr als 400 Millionen Dollar.
Liquiditätssorgen muss sich GM derzeit nicht machen. Ende September verfügte das Unternehmen über Barvorräte von 42,6 Milliarden Dollar, die sich zum Teil mit der Regierungshilfe erklären. GM rechnet aber damit, dass das Polster im vierten Quartal deutlich schrumpfen wird, unter anderem wegen der Rückzahlung von Staatskrediten. Ob sich GM im vierten Quartal näher an die Gewinnschwelle bewegen kann, ist eine offene Frage - eine konkrete Ergebnisprognose gab es nicht. Das Unternehmen rechnet aber nach dem Ablaufen der Abwrackprämie mit einer leichten Abschwächung auf dem amerikanischen Automarkt.
Wir haben mit Opel mehr als nur ein
Karl Westrich (Dailywrite)
- 16.11.2009, 15:29 Uhr
Staatshilfen find ich super!
F Schmidt (Bronson)
- 16.11.2009, 15:41 Uhr
Ohne Hilfe hat GM eine einfachere Entscheidung
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 16.11.2009, 20:08 Uhr
GM Chef Henderson entschuldigt sich!
Helmut Hopf (Buchenort)
- 17.11.2009, 02:09 Uhr