Home
http://www.faz.net/-gqk-12xu9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unverbindliche Angebote Bieterwettlauf um Opel vor Finale

27.06.2009 ·  Der Bieterwettbewerb um Opel nähert sich langsam dem Finale. „Wir erwarten die nachgebesserten Kaufofferten Anfang der Woche“, berichtete eine Person aus Kreisen der Opel-Treuhandgesellschaft der F.A.Z.

Von Christoph Ruhkamp
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Der Bieterwettbewerb um Opel nähert sich langsam dem Finale. „Wir erwarten die nachgebesserten Kaufofferten Anfang der Woche“, berichtete eine Person aus Kreisen der Opel-Treuhandgesellschaft der F.A.Z. Dabei handele es sich zunächst um unverbindliche Angebote, die bei der mit der Transaktion betrauten Bank Dresdner Kleinwort abgeliefert werden. Die Unterzeichnung eines verbindlichen Vorvertrags ist für den 15. Juli geplant.

Neben dem bislang favorisierten Bieterkonsortium um den Autozulieferer Magna gibt es drei weitere Interessenten, die vermutlich Offerten vorlegen werden. Darunter ist der staatliche chinesische Autohersteller BAIC aus Peking, der sich in der abgelaufenen Woche bis Freitag mit einer Delegation inklusive des BAIC-Vorstandschefs in Rüsselsheim umschaute. Hinzu kommt die Brüsseler Beteiligungsgesellschaft RHJ International, die mit dem einstigen Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) am liebsten eine Rückkaufoption vereinbaren würde. Auch der Vorstandsvorsitzende von Fiat, Sergio Marchionne, bekräftigte am Freitag sein Interesse an Opel, schloss aber eine Nachbesserung der schon früher vorgelegten Offerte aus. Opel gehört seit kurzem zu 65 Prozent einer staatlich kontrollierten Treuhand und zu 35 Prozent GM.

„Das größte Problem wird die Verhandlung des Finanzierungsvertrages“, heißt es in Branchenkreisen. Opel hat bereits 1,5 Milliarden Euro staatliche Kredite als Brückenfinanzierung bis zum Verkauf erhalten und weitere 3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt bekommen. Offen sind jedoch noch die Modalitäten der Verzinsung und Rückzahlung.

Opel weist Berichte über Verlust zurück

Ein Sprecher von Opel wies unterdessen die Gerüchte über tägliche Verluste von 3 bis 6 Millionen Euro zurück, die mit Steuergeldern ausgeglichen würden. „In der Regelung für die Brückenfinanzierung ist festgehalten, dass die zur Verfügung gestellten Mittel nur für den laufenden Betrieb und Investitionen verwendet werden dürfen“, sagte der Unternehmenssprecher. Die Adam Opel GmbH sei hier gegenüber den finanzierenden Banken rechenschaftspflichtig. So seien beispielsweise am 2. Juni große Investitionen getätigt worden. Die Zahlen, über die in den Medien spekuliert werde, seien Opel nicht bekannt.

Zum vollständigen Abschluss des Opel-Verkaufs kommt es erst in einigen Monaten. Die russische Sberbank rechnet mit einer Übernahme von Opel gemeinsam mit dem Zulieferer Magna nicht vor September dieses Jahres. „Wir stecken in den Verhandlungen. Als optimistischste Variante könnte eine Übereinkunft frühestens im September getroffen werden“, sagte der Vorstandschef der größten russischen Bank, German Gref, am Freitag laut Agentur Interfax in Moskau. Magna will mit der vom Staat kontrollierten Sberbank sowie dem Autohersteller GAZ als industriellem Partner 55 Prozent der Anteile an Opel erwerben. Weitere 10 Prozent sollen an die Beschäftigten gehen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7