Home
http://www.faz.net/-gqk-12jum
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unternehmenschef bestätigt Magna will weniger als 20 Prozent an Opel

05.05.2009 ·  Der Autozulieferer Magna will sich an Opel mit weniger als 20 Prozent beteiligen, bestätigte Magna-Chef Stronach. Für eine Mehrheitsbeteiligung müsste also ein zweiter Investor her. Doch der immer wieder genannte russische Autobauer Gas ist laut Moskauer Experten kein aussichtsreicher Kandidat.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (7)

Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna will sich an Opel definitiv mit weniger als 20 Prozent beteiligen. Das bestätigte Magna-Chef Frank Stronach der kanadischen Zeitung „Globe and Mail“. Magna wolle an dem deutschen Hersteller keinen Kontrollanteil, bekräftigte der Manager laut dem Bericht. Die Zahl von 20 Prozent hatte zwar schon mehrfach in Form von Gerüchten im Raum gestanden, der Magna-Manager selbst hatte sie allerdings zuvor noch nie bestätigt.

Zu möglichen Partnern für das Magna-Angebot etwa aus Russland äußerte sich Stronach nicht. Spekuliert wird, dass dadurch eine deutlich höhere Beteiligung neuer Investoren an Opel zustande kommen könnte. Mit Blick auf seine Gespräche mit Vertretern der Bundesregierung in der vergangenen Woche sagte der Konzernchef: „Sie haben Interesse, sie wissen, dass wir einer der großen Zulieferer sind und Autos bauen, und sie hätten gern die beste Lösung für Deutschland.“

Bei einem Opel-Einstieg würde Magna die bisher stets betonte Strategie aufgeben, als Zulieferer der Branche kein Wettbewerber zu anderen Autobauern sein zu wollen. „Ich habe immer gesagt, unsere Präferenz wäre, nicht zu konkurrieren“, räumte Stronach ein. „Aber angenommen, einige unserer Kunden brechen zusammen? Dann bliebe uns womöglich keine andere Wahl.“

Moskauer Experten: Gas ist kein wahrscheinlicher Kandidat

Derweil schätzen Moskauer Experten den maroden russischen Autobauer Gas des Oligarchen Oleg Deripaska als einen wenig wahrscheinlichen Kandidaten für eine Opel-Beteiligung ein. „Wir glauben nicht, dass Gas selbst einen kleinen Opel-Anteil übernehmen kann. Der Konzern kämpft ums Überleben und muss 1,5 Milliarden Dollar (1,12 Milliarden Euro) umschulden“, sagte Gennadi Suchanow von der Moskauer Investmentbank Troika Dialog am Dienstag. Er sehe keine bedeutenden Synergie-Effekte zwischen Opel und Gas als traditionellem Hersteller von Nutzfahrzeugen.

Russlands größte Geschäftsbank, die staatliche Sberbank, verweigerte jeden Kommentar zu Berichten, wonach sie gemeinsam mit Gas und Magna die Mehrheit an Opel übernehmen wolle. Auch Gas dementierte wiederholt, Opel-Pläne zu haben. Sollte dennoch ein konkretes Angebot der russischen Seite vorliegen, dürfte Analysten zufolge die Politik dahinter stehen. Es gehe Russland darum, „Nutzen aus der gegenwärtigen Krise zu ziehen und den Zugriff auf moderne Fahrzeugtechnologie zu bekommen“, vermuten die Experten von VTB Capital in Moskau.

Verwirrung um Fiat und den Opel-Standort Kaiserslautern

Neben Magna und möglicherweise den Russen will auch der italienische Autobauer Fiat bei Opel einsteigen und dadurch zusammen mit dem Anbieter Chrysler zu einem der größten Hersteller weltweit werden. Fiat hatte seine Pläne dafür gestern unter anderem dem Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) und dem Opel-Betriebsratschef Klaus Franz vorgestellt.

Franz äußerte am Dienstag Argumente gegen einen Fiat-Einstieg. Er befürchtet schon länger, dass es bei einer Übernahme des Rüsselsheimer Autobauers durch Fiat zu massiven Einschnitten für die Belegschaft kommen könnte. Nach seinem Blick in die Pläne von Fiat sieht er sich bestätigt. Er schätze, dass bei einer Fusion in beiden Unternehmen in Europa 9000 bis 10.000 Stellen abgebaut würden, sagte Franz der Nachrichtenagentur Reuters. Gefährdet durch Werkschließungen und Kapazitätskürzungen seien neben dem Motorenwerk in Kaiserslautern auch Standorte in Italien und England. Marchionne habe ihn nicht überzeugen können, sagte Franz. „Das ist kein geschlossenes Konzept, insbesondere was die Frage von Überkapazitäten, Werken und Beschäftigung betrifft.“

Unklarheit gab es in der Tat hinsichtlich der Aussagen über den Opel-Standort Kaiserslautern. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg (CSU) hatte gestern nach dem Gespräch mit Marchionne deutlich gemacht, Karlsruhe stehe zur Disposition. Doch anschließend gab Marchionne der „Bild“-Zeitung ein Interview und sagte, er wolle alle vier deutschen Opel-Werke erhalten. „Ich brauche die Werke in Zukunft, um genügend Autos zu bauen“, ließ er sich zitieren (siehe dazu auch: Fiat stiftet Verwirrung um Standort Kaiserslautern). Franz sagte allerdings im Anschluß, er sei nach den Gesprächen mit Marchionne nicht ausreichend überzeugt und er befürchte weiterhin ein Aus für Kaiserslautern.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7