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Übernahmepläne Opel-Betriebsrat wehrt sich gegen Investor RHJ

 ·  Vertreter von GM präsentieren heute im Kanzleramt die drei Übernahmeangebote für den Autobauer Opel. Entscheidungen werden nicht erwartet, doch GM will offiziell seinen Favoriten küren. Unterdessen kritisiert der Opel-Betriebsrat in einem Brief, der der F.A.Z. vorliegt, den Einfluss von GM innerhalb des RHJ-Konzepts.

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Im Kampf um Opel setzen die Arbeitnehmervertreter voll auf den Autozulieferkonzern Magna - und wollen eine Übernahme durch den Finanzinvestor RHJ unbedingt verhindern. „Der Plan von RHJ ist sehr viel teurer für die Beschäftigten als der Plan von Magna“, schreibt Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz in einem Brief an seine europäischen Betriebsratskollegen, der der F.A.Z. vorliegt.

Das RHJ-Konzept baue auf neuen Sanierungsplänen des einstigen Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) auf, die den Betriebsräten vorenthalten worden seien. Der Hintergrund: RHJ gilt als Favorit von GM, während Bund und Länder in Deutschland erklärtermaßen Magna präferieren. Vertreter von GM präsentieren an diesem Mittwoch im Berliner Kanzleramt der Bundesregierung und den betroffenen Landesregierungen die drei eingegangenen Übernahmeangebote für Opel - inklusive des Plans vom chinesischen Autohersteller BAIC (siehe auch: General Motors erhält drei Kaufangebote für Opel). Zur sogenannten Opel-Task-Force gehören die Staatssekretäre des Wirtschafts- und Finanzministeriums, ein Vertreter der Bundesländer mit Opel-Standorten sowie Jens Weidmann als Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Empörung über Lohnverzicht und Stellenabbau

„Es ist interessant zu sehen, dass wir bei RHJ jährlich auf Lohn in Höhe von 250 bis 300 Millionen Euro verzichten sollen - was sich über fünf Jahre immerhin auf 1,25 bis 1,5 Milliarden Euro addiert - und dafür nur einen Anteil von 10 Prozent an Opel erhalten würden“, schreibt Opel-Betreibsratschef Franz in dem Brief. RHJ wolle im Vergleich dazu nur insgesamt 275 Millionen Euro investieren und dafür 50,1 Prozent der Anteile an Opel erhalten.

Empörung lösen bei Franz auch die Stellenabbaupläne des Finanzinvestors aus. So seien bei RHJ langfristig nur insgesamt 32 000 Stellen eingeplant. Das entspreche einer Reduzierung um 22 000 Arbeitsplätze gegenüber dem Stand von Ende 2008 mit 54 000 Stellen. Bei Magna seien zumindest 33 000 Stellen geplant.

Betriebsrat kritisiert Taktik von RHJ

RHJ versuche zudem zu verschleiern, welchen Einfluss GM künftig auf die Entwicklung neuer Autos und das Management des gesamten Unternehmens haben solle. Es sei keine nachhaltige Lösung, in der Entwicklung weiter eng mit GM zu kooperieren. Zudem sei eine Reduzierung der Ingenieurs-Arbeitsplätze bei Opel um 500 Stellen geplant. Das bedeute, dass eines der Opel-Projekte in Europa offenbar zu GM in Amerika verlagert werden solle. Auch sei die Kapazität und Verantwortlichkeit von Opel in der Getriebeproduktion bedroht. Dies gelte insbesondere für kleine Motoren. Im Gegensatz dazu plane Magna zusätzliche Modelle und einen neuen Kleinstwagen.

Bemerkenswert sei zudem, dass der Plan von RHJ auf der Reduzierung von Investitionen basiere. Als Trick, um dies zu verschleiern, werde eine Absenkung der von Opel an GM zu zahlenden Lizenzgebühren als „GM-Investment“ angeführt. Das entspreche aber nicht der Wahrheit.

Deutliche Verschiebungen bei Auslastung der Werke

RHJ habe zwar einige Zugeständnisse zum Erhalt der vier deutschen Opel-Standorte gemacht. „Aber in Wirklichkeit weiß jeder, dass eine Schließung des Werks in Eisenach nur eine verschleierte Komplett-Schließung ist - und nebenbei die allerteuerste Lösung“, schreibt Franz. Ebenso wie Magna wolle RHJ das Werk in Bochum erhalten. Aber Rüsselsheim werde deutlich zurückgefahren und der Standort im polnischen Gleiwitz ausgebaut. Das englische Werk in Luton werde nicht geschlossen, und das spanische Werk in Saragossa profitiere von der geplanten Kurzarbeit in Eisenach. Zudem enthalte der RHJ-Plan keine Angaben zur Getriebeproduktion in Deutschland.

RHJ beantrage mit 3,8 Milliarden Euro zwar weniger Staatshilfe als Magna mit 4,5 Milliarden Euro. Aber die Differenz erkläre sich durch reduzierte Investitionen für neue Produkte, eine höhere Absatzprognose von RHJ für das Jahr 2011 sowie eine unrealistische Prognose der Einnahmen im Jahr 2010 - dem Jahr, in dem der Löwenanteil der Restrukturierung gestemmt werden muss. Im Unterschied zu Magna hätten die RHJ-Manager auch niemals die Opel-Werke besichtigt.

Chinesische BAIC bringt mehr Eigenkapital

Derweil legte auch der chinesische Hersteller BAIC als dritter Bieter sein endgültiges Konzept bei GM vor. Nach Informationen der F.A.Z. wollen die Chinesen 660 Millionen Euro Eigenkapital bei Opel einbringen. Das ist deutlich mehr als bei den beiden Bieterkonkurrenten Magna und RHJ. Zudem verlangt BAIC nur Staatskredite über 2,6 Milliarden Euro. Das ist deutlich weniger als bei den Konkurrenten (siehe auch: China konkretisiert Opel-Angebot).

Darüber hinaus planen die Chinesen Investitionen von 2 Milliarden Dollar in eine neue Opel-Fabrik in China und wollen ein neues Opel-Modell für den dortigen Markt entwickeln. Auch wird keine Rückkaufoption mit GM vereinbart.

Magna und Sberbank wollen 500 Millionen Euro investieren

Unterdessen hat Magna hat am Mittwoch seine Absicht bestätigt, zu gleichen Teilen mit dem russischen Partner Sberbank 55 Prozent der Adam Opel GmbH zu erwerben und „im Laufe der Zeit“ insgesamt 500 Millionen Euro in das Unternehmen investieren zu wollen. 35 Prozent an Opel sollen beim jetzigen Mutterkonzern General Motors bleiben, zehn Prozent sollen in einem Arbeitsrahmenkonzept“ an die Opel-Mitarbeiter gehen.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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