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Übernahmeangebote Regierung berät abermals über Opel

22.05.2009 ·  Die Bundesregierung prüft die drei eingereichten Offerten für Opel. Alle drei Bieter verlangen milliardenschwere Bürgschaften. Der Muttergesellschaft General Motors ist vorbehalten, einen Käufer auszuwählen. Als ihr Favorit gilt der Zulieferkonzern Magna.

Von Christoph Ruhkamp und Manfred Schäfers
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Die Bundesregierung plant an diesem Freitag ein Treffen, um die drei konkurrierenden Angebote zur Übernahme von Opel von Fiat, Magna und RHJ zu prüfen. Mit einer schnellen Entscheidung wird allerdings nicht gerechnet. So ist es der kurz vor dem Konkurs stehenden Opel-Muttergesellschaft General Motors vorbehalten, einen Käufer auszuwählen. Bund und Länder können jedoch Einfluss nehmen, indem sie ihre geplante Bürgschaft an Bedingungen knüpfen. Wie aus dem Auswärtigen Amt kolportiert wird, hat Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) eine Präferenz für den Autozulieferer Magna.

Demgegenüber soll Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) dem Konzept von Fiat genauso offen gegenüberstehen. Hinsichtlich der Zahl der geretteten Arbeitsplätze sollen sich die beiden Angebote kaum unterscheiden. Zu dem Gespräch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden neben Steinmeier und Guttenberg Kanzleramtschef Thomas de Maizière sowie die Minister für Arbeit und Finanzen, Olaf Scholz und Peer Steinbrück (beide SPD), erwartet.

Auch die vier Opel-Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen sollen eingebunden sein. Im Gespräch ist eine Bürgschaft über 1,5 Milliarden Euro, die sich Bund und Länder zu teilen hätten. Sollte eine weitere Reise in die Vereinigten Staaten notwendig werden, stehe eine Verhandlungsdelegation bereit.

Alle drei Bieter verlangen milliardenschwere Kreditbürgschaften und wollen jeweils rund 10.000 der gut 50.000 Stellen bei General Motors (GM) Europa abbauen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch, in dessen Bundesland das Rüsselsheimer Stammwerk von Opel steht, begrüßte die drei Angebote und kündigte eine rasche Prüfung an. Die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze und der sorgsame Umgang mit Steuergeldern sollten ausschlaggebend sein, sagte Koch.

General Motors äußerte offiziell keine Präferenz für einen der Bieter. Gegen Fiat spricht jedoch, dass der italienische Konzern widersprüchliche Aussagen zum Erhalt des Standorts Kaiserslautern machte. Zudem wird aus Unternehmenskreisen von GM Europa berichtet, Fiat-Chef Sergio Marchionne habe die amerikanische Regierung unter Druck gesetzt mit der Drohung, den Einstieg beim insolventen Hersteller Chrysler platzen zu lassen. Dies habe für Irritationen gesorgt.

Auch die vier Bundesländer mit Opel-Standorten und die Arbeitnehmer hatten sich zuletzt eher zugunsten von Magna geäußert. Mit einer Vorentscheidung für einen der Bieter sei in den nächsten Tagen zu rechnen, hieß es aus GM-Kreisen. Laut Branchenkreisen sieht GM-Europachef Carl-Peter Forster in Magna den bevorzugten Bieter.

Die vier Konzepte

Fiat klotzt

Fiat-Chef Sergio Marchionne will mit der Übernahme von Opel und Chrysler den zweitgrößten Autohersteller der Welt bilden, der mit 6,4 Millionen verkauften Autos im Jahr Volkswagen-Porsche überrunden würde. Gegen Fiat spricht, dass die Italiener die Motorenproduktion von Opel in Deutschland kräftig zusammenstreichen wollen. Außerdem plant Marchionne, für Opel nicht mit Bargeld zu bezahlen, sondern nur mit der Einbringung von Unternehmenswerten in den fusionierten Konzern. Er kalkuliert mit staatlichen Kreditbürgschaften über bis zu 7 Milliarden Euro. Der Opel-Betriebsrat befürchtet, dass bei Fiat und Opel im Zuge der Schließung von bis zu zehn Werken zusammen 18.000 von 108.000 Stellen gefährdet wären.

Magna taktiert

Der international drittgrößte Autozulieferkonzern Magna will sich mit einem Mehrheitsanteil am Autobauer Opel beteiligen und kalkuliert mit 5 Milliarden Euro staatlicher Kredithilfe. Geplant sind Investitionen von 700 Millionen Euro und eine künftige Jahresproduktion von bis zu 5 Millionen Autos. Partner sind der russische Autohersteller GAZ und die Sberbank. Sie verschaffen Zugang zum russischen Markt. Magna-Chef Siegfried Wolf strebt einen Produktionsverbund an, dem sich die Konkurrenten Ford und Peugeot bei einzelnen Automodellen anschließen könnten. Ebenso wie Fiat müsste auch Magna Stellen abbauen, aber voraussichtlich europaweit nur 10.000 Stellen. Für den Erfolg von Magna spricht, dass der Betriebsrat den Konzern favorisiert.

RHJ bescheidet sich

Der dritte Bieter für Opel ist die in Brüssel börsennotierte Beteiligungsgesellschaft RHJ International. Als einziger der drei Bieter kommt der Finanzinvestor nicht aus der Autoindustrie. RHJ-Chef Leonhard Fischer, der früher im Vorstand der Schweizer Bank Credit Suisse arbeitete, will Opel im Konzernverbund von General Motors belassen und zur Finanzierung beitragen. Ein Minderheitsanteil der Opel-Anteile soll bei General Motors bleiben. Rund 10 000 Stellen könnten wegfallen. Gegen RHJ spricht die ablehnende Haltung der deutschen Öffentlichkeit gegenüber Finanzinvestoren. Zudem gehört der Gesellschaft in Deutschland schon der Autozulieferer Honsel. Das Unternehmen aus dem Sauerland steckt in Finanzierungsschwierigkeiten und baut Stellen ab.

Betriebsrat sorgt vor

Für den Notfall arbeiten die Opel-Arbeitnehmervertreter an einem eigenen Rettungskonzept. "Wenn alle Stricke reißen, würden die Arbeitnehmer und Händler eine gemeinsame Offerte vorlegen", sagte Betriebsratschef Klaus Franz. Die Offerte für einen Minderheitsanteil könnte ein Volumen von insgesamt 1,5 Milliarden Euro umfassen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten und 500 Millionen Euro auf den Rettungsfonds, den die Opel-Händler in Europa am 15. Mai beschlossen hatten. Dieser Fonds speist sich aus den von den 4000 Händlern von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall beschlossenen Zahlungen von 150 Euro je verkauftem Fahrzeug in einem Zeitraum von drei Jahren.

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