29.07.2011 · Barack Obama will Autos auf amerikanischen Straßen deutlich sparsamer machen. Bis spätestens 2025 sollen die Hersteller den durchschnittlichen Benzinverbrauch ihrer Flotte auf maximal 4,3 Liter pro 100 Kilometer senken. Volkswagen und Daimler fühlen sich benachteiligt.
Die amerikanische Regierung hat sich im Konflikt mit Automobilherstellern auf weitreichende neue Standards für den Kraftstoffverbrauch geeinigt. Danach wird der durchschnittliche Flottenverbrauch von Neuwagen und Kleinlastwagen bis 2025 halbiert. Der Plan stößt allerdings bei einigen deutschen Herstellern auf Ablehnung, weil sie sich gegenüber der amerikanischen Konkurrenz benachteiligt fühlen. Volkswagen und Daimler verweigern dem Vorhaben bislang ihre Unterstützung. BMW schlug sich dagegen als einziges deutsches Unternehmen auf die Seite der Mehrheit unter den Herstellern, die dem Plan zugestimmt haben.
Präsident Obama hat die neuen Standards am Freitag zusammen mit Managern aus der Autoindustrie in Washington bei einer Pressekonferenz präsentiert. Dem Plan zufolge müssen die Hersteller für Neuwagen bis zum Jahr den Kraftstoffverbrauch so weit reduzieren, dass eine Gallone Benzin für mindestens 54,5 Meilen reicht. Umgerechnet entspricht dies einem Verbrauch von 4,3 Litern je 100 Kilometer. Derzeit verbrauchen Autos im Schnitt 8,6 Liter je 100 Kilometer. Die Regierung verspricht, dass der Plan unter dem Strich eine Entlastung für amerikanische Verbraucher sei: Höhere Anschaffungspreise für verbrauchsärmere Fahrzeuge würden durch niedrigere Benzinkosten wieder ausgeglichen. Die neuen Standards sollen insgesamt für den Zeitraum 2017 bis 2025 gelten. Bis 2016 sind per Regulierung schon knapp 7 Liter je 100 Kilometer als Ziel vorgegeben.
Dem Plan haben nach Angaben von Obama 13 Autohersteller zugestimmt, die für mehr als 90 Prozent aller verkauften Fahrzeuge in Amerika stehen. Darunter sind alle drei großen heimischen Hersteller General Motors, Ford und Chrysler, die mit ihren Vorstandschefs Dan Akerson, Alan Mulally und Sergio Marchionne vertreten waren. Auch die meisten asiatischen Hersteller waren präsent. Von den deutschen Herstellern hat dagegen nur BMW dem Obama-Plan zugestimmt, das Unternehmen wurde in Washington von Josef Kerscher repräsentiert, dem Produktionschef für den nordamerikanischen Markt. Volkswagen und Daimler fehlten dagegen. Die Unternehmen kritisieren, dass sportliche Geländewagen (SUV) und Pick-Up-Transporter bei dem Plan bevorzugt werden. In diesen Segmenten sind die Vorgaben zur Verbesserung der Verbrauchseffizienz niedriger als bei Personenwagen. Dies hilft vor allem einheimischen Herstellern.
Fachleute schätzen die Pläne als ambitioniert ein, erwarten für deutsche Hersteller aber überwiegend Vorteile. "Die Deutschen könnten ihren Marktanteil voraussichtlich ausweiten. Denn die meisten Techniken zur Verbrauchsverringerung wie Leichtbau und Hybridisierung des Antriebs sind in Europa schon weiter fortgeschritten", sagt Analyst Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst&Young. Beim deutschen Autoindustrieverband VDA hieß es dazu, der Durchschnittsverbrauch der in Deutschland neu zugelassenen Autos betrage für Benziner 6,1 Liter auf 100 Kilometer, bei Diesel seien es 5,5 Liter. "Wir liegen also deutlich niedriger als der amerikanische Durchschnittsverbrauch", sagte ein VDA-Sprecher.
Die großen amerikanischen Autobauer hatten die Vorschläge der Regierung ursprünglich vehement abgelehnt. Das Weiße Haus erlangte die Zustimmung mit Zugeständnissen. Die Zielvorgabe bis 2025 liegt ein wenig niedriger als ursprünglich angestrebt. Vor allem aber sollen die Vorgaben 2021 noch einmal überprüft werden. Die Zustimmung der Autohersteller öffnet den Weg für die Regierung, bis September die Standards festzuschreiben.
daimler und vw fühlen sich benachteiligt
Ottmar Heinrich (HeadCup)
- 31.07.2011, 14:38 Uhr
Norm-Verbrauchswerte erreichbar
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Frank Geiser (geiser123)
- 30.07.2011, 01:05 Uhr