Home
http://www.faz.net/-gqk-15l4g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Opel-Sanierung Betriebsrat fürchtet Abbau von 2000 zusätzlichen Stellen

01.02.2010 ·  Die Sanierung von Opel wird immer schwieriger. Kurz bevor der Autohersteller einen neuen staatlichen Milliardenkredit beantragen will, hat sich der Konflikt zwischen Betriebsrat und Management abermals verschärft. Grund sind die Pläne für den Stellenabbau.

Von Christoph Ruhkamp
Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (0)

Die Sanierung von Opel wird immer schwieriger. Kurz bevor der Autohersteller einen neuen staatlichen Milliardenkredit beantragen will, hat sich der Konflikt zwischen Betriebsrat und Management abermals verschärft. Grund sind die Pläne für den Stellenabbau. Nach Angaben des Betriebsrats will der erst seit Jahresbeginn amtierende neue Opel-Chef Nick Reilly nun doch 2000 Stellen mehr abbauen als bisher bekannt. Das wären dann knapp 10.000 von insgesamt 48.000 Stellen, davon 4800 in Deutschland. „Das ist ein klarer Wortbruch. Seit November wurden uns keine neuen zahlen gezeigt, und jetzt werden auch noch Nebelkerzen geworfen“, sagte Betriebsratschef Klaus Franz dieser Zeitung nach einem Treffen mit Reilly am Montag. Im Sanierungsplan von Ende November hatte Reilly als damaliger Europachef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) den Abbau noch auf lediglich 8300 Stellen beziffert.

Ein Sprecher der Unternehmensführung wies die Vorwürfe der Arbeitnehmerseite zurück. Bei den genannten 2000 Arbeitsplätzen handele es sich um Mitarbeiter, die schon vor einiger Zeit ihren Rückzug im Rahmen einer Altersteilzeitregelung unterschrieben hätten. Diese würden nun wirksam. Der Sprecher erklärte, Ziel sei es weiter, die Kapazitäten um ein Fünftel zu reduzieren.

Laut Franz handelt es sich bei dem Dementi der Unternehmensführung jedoch nur um eine Schutzbehauptung. Die Abbaupläne seien durchaus verschärft worden. Deshalb werde man den von den Beschäftigten für die Sanierung verlangten Verzicht auf jährlich 265 Millionen Euro Lohn auch weiterhin nicht zusagen können. Zumal es sich auch bei der geplanten Schließung des Werks in Antwerpen um einen Vertragsbruch durch das Management handele.

Antwerpen: Protest gegen Schließung des Opel-Werks

Konflikt zur Unzeit

Für Opel-Chef Reilly kommt der neue Konflikt zur Unzeit. Schon in dieser Woche will er sich vom Wirtschaftsprüfer Warth & Klein bestätigen lassen, dass sein Sanierungsplan tragfähig sei. Diese Bestätigung ist notwendig, um anschließend einen staatlichen Kredit bei Bund und Ländern beantragen zu können. Reilly hofft auf 2,7 Milliarden Euro Kredite von europäischen Regierungen.

Auch die IG Metall warf Reilly am Montag offenen Vertragsbruch vor. Die Gewerkschaft sei unter diesen Umständen nicht bereit, den Sanierungsplan zu unterstützen. „Die Absicht von Opel/Vauxhall, ein neu entwickeltes Opel-Modell nicht mehr in Antwerpen zu produzieren, sondern die Fertigung nach Korea zu verlagern, verstößt offen gegen vertragliche Zusagen“, sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, in Frankfurt. Es sei nicht hinnehmbar, dass die von den Arbeitnehmern geforderten Beiträge dazu missbraucht würden, Schließungskosten von Standorten und Produktionsverlagerungen zu finanzieren. Reilly hatte zuletzt bestritten, dass die Zusage, in Belgien einen kleinen Sportgeländewagen (SUV) zu fertigen, verbindlich gewesen sei. Nach seiner Darstellung handelte es sich lediglich um einen Plan.

Umstritten sind auch die Produktionskapazitäten

Nach Angaben der Betriebsräte gibt es darüber hinaus aber auch noch weitere Probleme mit dem Stellenabbauplan. So seien in der Fahrzeugentwicklung keine Ersatzeinstellungen geplant, obwohl zahlreiche Beschäftigte in Altersteilzeit gingen und viele neue Projekte zusätzlich bewältigt werden sollten. Entgegen früheren Aussagen solle der Abbau überflüssiger Management-Posten um ein Drittel entfallen.

Umstritten sind außerdem die Produktionskapazitäten. Reilly hatte die nach der Schließung von Antwerpen verbleibende Kapazität auf jährlich 1,5 Millionen Autos beziffert und angekündigt, er erwarte nicht, dass dieses Niveau in den nächsten vier Jahren wieder erreicht werden könnte. Nach Angaben der Betriebsräte ist jedoch im Unternehmensplan eine Kapazitätsplanung von 1,4 Millionen Autos schon „konkret hinterlegt“. Die Möglichkeit eines zusätzlichen Absatzes von etwa 350.000 Autos mit Nischenfahrzeugen wie einem Kleinstwagen und dem Verkauf außerhalb Europas seien überhaupt nicht berücksichtigt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7