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Opel Magna will Motorenproduktion aus Deutschland abziehen

10.06.2009 ·  Nach der geplanten Übernahme von Opel will der Autozulieferer Magna 9500 der insgesamt 55.000 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen in ganz Europa abbauen. In Deutschland ist die Motoren- und Getriebeproduktion betroffen. Es geht um 3600 Jobs.

Von Christoph Ruihkamp
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Der Autozulieferer Magna will nach der geplanten Übernahme von Opel 9500 der insgesamt 55.000 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen in ganz Europa abbauen. In Deutschland ist allerdings nur die Motoren- und Getriebeproduktion mit insgesamt 3600 Beschäftigten von Plänen zur Verlagerung nach Österreich betroffen. Durch die Reduzierung von Überkapazitäten soll die durchschnittliche Auslastung der 14 Fabriken von Opel in Europa von 56 auf 96 Prozent steigen. Das geht aus einem Schreiben des Bundeswirtschaftsministeriums an dem Haushaltsauschuss des Bundestages hervor, das die Planungen von Magna enthält und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

Die künftige Rolle des Marktes Russland für Opel wird in dem Schreiben zurückhaltend dargestellt. In dem Papier heißt es: „Wenngleich der russische Markt in der Planungsperiode bis 2014 nur einen Umsatzanteil von circa 5 Prozent hat, sehen wir langfristig substanzielles Potential für NewOpel“, schreibt Magna. Punkten will der Autozulieferkonzern mit der Entwicklung eines neuen Kleinstwagen unterhalb des Corsa. Die operativen Kosten von Opel würden im Planungszeitraum bis 2014 um 1,4 Milliarden Dollar gesenkt werden.

Auch Bochum muss einen Einschnitt verschmerzen

Das Papier enthält jedoch neben unsicheren Absatz- und Gewinnprognosen auch detaillierte Planungen von Magna zu den einzelnen Standorten in Deutschland. So soll die Autoproduktion in Bochum, wo derzeit 5000 Mitarbeiter beschäftigt sind, im Zweischichtbetrieb künftig von 132.000 auf 190.000 Einheiten gesteigert werden. Alle Autos vom Modell Zafira werden dem Plan zufolge in Bochum hergestellt. Allerdings muss der Standort in Nordrhein-Westfalen auch einen Einschnitt verschmerzen: Die Getriebeproduktion wird in das Werk im österreichischen Aspern bei Wien verlagert.

Im Stammwerk im hessischen Rüsselsheim, wo 16.000 Beschäftigte arbeiten, wird ein Dreischichtbetrieb und eine Steigerung von 160.000 auf 250.000 Einheiten geplant. Hier geht es um die Mittelklasse-Limousine Insignia und die neue Variante des Modells Astra. Doch auch in Rüsselsheim wird die Getriebeproduktion aufgegeben. Magna plant die Verlagerung in die westungarische Grenzstadt Szentgotthard.

In Kaiserslautern, wo rund 3300 Beschäftigte für Opel arbeiten, soll sowohl die Komponenten- als auch die Motorfertigung - mit Ausnahme des Motors L850 - fortgeführt werden. Noch nicht entschieden ist, ob die Vorfertigung von Komponenten für das Modell Corsa aus dem spanischen Zaragoza nach Kaiserslautern geholt wird. Im thüringischen Eisenach, wo Opel 1700 Mitarbeiter beschäftigt, ist ein Dreischichtbetrieb mit einer Kapazität von jährlich 183.000 Einheiten geplant. Hergestellt werden dort der dreitürige Corsa und der fünftürige Corsa.

Opel gehört derzeit zu 65 Prozent einer staatlich kontrollierten Treuhandgesellschaft und zu 35 Prozent dem einstigen Mutterkonzern General Motors (GM), der insolvent ist. In Vier Wochen soll die Treuhand mit Magna und dem Konsortialpartner Sberbank aus Russland einen verbindlichen Vertrag über den Verkauf von 55 Prozent an Opel abschließen. Das neue Unternehmen erhält von Bund und Ländern einen Kredit von zunächst 1,5 Milliarden Euro, der später aus etwaigen gewinnen von Opel zurückgezahlt werden soll. Im ersten Quartal hat das Unternehmen jedoch einen Verlust von 2 Milliarden Dollar erzielt.

Magna-Chef reist nach Russland

Aus Konzernkreisen wurde zudem bestätigt, dass der Vorstandschef des Autozulieferkonzerns Magna, der Opel übernehmen will, reist in einer Gruppe um den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier nach Russland. Bei den geplanten Treffen mit russischen Politikern dürfte es unter anderem auch um offene Fragen zu Opel gehen. Denn Magna will gemeinsam mit der staatlichen russischen Sberbank 55 Prozent an Opel von der staatlich kontrollierten Opel-Treuhandgesellschaft erwerben.

Magna plant mit dem russischen Hersteller GAZ als industriellem Partner sowie dem einstigen Opel-Mutterkonzern GM und Opel einen Verbund aus fünf Werken in Russland mit einer Kapazität von 700.000 Fahrzeugen im Jahr, darunter ein neuer Kleinwagen. Das wird aus Kreisen des Opel-Aufsichtsrats bestätigt. Magna strebt zudem nach den Rechten für die GM-Marke Chevrolet in Russland. Unter anderem durch Wachstum in Russland soll Opel von 2011 an wieder Gewinn erzielen.

Unterdessen bestätigte Hessens Ministerpräsident Roland Koch, dass sich die russische Sberbank als Co-Investor von Magna eine spätere Übertragung ihrer 35 Prozent der Opel-Anteile an GAZ offenhält. Zwar hätten sich Magna und Sberbank darauf geeinigt, dass kein Aktionär ohne das Einverständnis des anderen seine Aktien verkaufen dürfe. Die Sberbank habe darauf bestanden, ihren Anteil an GAZ verkaufen zu können.

Zudem gestand Betriebsratschef Klaus Franz ein, dass Opel nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen nicht die gesamte Technologie des einstigen Mutterkonzerns General Motors (GM) nutzen dürfe. Opel werde keinen Zugriff auf die Patente für den kombinierten Einsatz von Verbrennungs- und Elektromotor haben. Über den Zugang von Opel nach China und Nordamerika wird noch mit GM verhandelt.

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