09.11.2009 · GM-Chef Henderson hat Verhandlungen über einen neuen Sanierungsplan für Opel aufgenommen. Ein Treffen mit Betriebsratschef Franz ist für diesen Dienstag geplant. Das könnte turbulent werden: Franz hat einen Brief an EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gesendet, um die GM-Pläne zu torpedieren.
General-Motors-Chef Fritz Henderson hat am Montag in der Opel-Zentrale die Verhandlungen über einen neuen Sanierungsplan für den deutschen Autohersteller aufgenommen. Dazu führte er zunächst Gespräche mit dem scheidenden GM-Europachef Carl-Peter Forster und weiteren deutschen Managern. Ein Treffen mit dem Betriebsrat ist für diesen Dienstag geplant. Dann prallen die weit auseinander liegenden Positionen von Henderson und Betriebsratschef Klaus Franz direkt aufeinander. Franz fordert die Umwandlung von Opel in eine AG und mehr Mitbestimmung. Henderson will gut 10.000 von 46.000 Stellen streichen und erwägt die Schließung von drei Werken, darunter die beiden Fabriken in Bochum und Eisenach. Ende November soll der deutsche Staatskredit von 800 Millionen Euro zwar zurückgezahlt werden. Danach hofft GM aber auf neue Kredite von rund 3 Milliarden Euro aus verschiedenen europäischen Ländern.
Franz hat deshalb am vergangenen Freitag bereits einen Brief an EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gesendet, um die GM-Pläne zu torpedieren. In dem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt, fordert Franz die EU auf, sicherzustellen, dass etwaige Staatshilfe der europäischen Regierungen für GM nicht an den Erhalt bestimmter Standorte als Bedingung geknüpft werden dürfe. „Nach unseren Informationen beabsichtigt General Motors, die Regierungen von Großbritannien, Spanien und Polen, um staatliche Hilfe für die Sanierung von Opel/Vauxhall zu bitten“, schreibt Franz.
Böge soll Posten im Treuhandbeirat bekommen
GM hoffe vor allem auf die Unterstützung dieser Länder, weil der Löwenanteil des Stellenabbaus bei Opel in Deutschland anfallen solle. Laut Franz sollen nach dem GM-Sanierungsplan vom Mai in Deutschland mehr als 8000 von 25.000 Stellen wegfallen, davon 6600 in der Produktion. In Spanien, England und Polen seinen dagegen keinerlei Arbeitsplatzeinbußen geplant.
Unterdessen kommt die Neuordnung der Führungspositionen bei Opel voran. So wird der scheidende Opel-Aufsichtsratschef Forster dem Vernehmen nach bis Jahresende als Vorstandschef zum indischen Autohersteller Tata Motors wechseln. Gleichzeitig wurde ein Ersatz für den Posten im Opel Treuhandbeirat benannt, der frei geworden war, nachdem der ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer aus Protest zurückgetreten war. Als neuer Vertreter der Bundesregierung soll nun der ehemalige Kartellamtspräsident Ulf Böge in das fünfköpfige Gremium einziehen.
Offen ist jedoch, welcher deutsche Manager nach einer Übergangsphase die Nachfolge von Forster als GM-Europachef antritt. Im Gespräch sind ein halbes Dutzend Namen. Dazu zählen der ehemalige Seat-Manager Utz Claassen, der Magna-Autoproduktionschef Herbert Demel und der ehemalige Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder. Ebenfalls genannt werden der Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle, der frühere Continental-Chef Manfred Wennemer und der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Zumindest Claassen und Wennemer sollen aber nicht unmittelbar interessiert sein.
Wiedeking hat angeblich keine Ambitionen
Wiedeking stand als Kandidat für Opel schon auf der Liste von Headhuntern, die für Magna arbeiteten. Indes habe der frühere Porsche-Chef keine Ambitionen, heißt es. Zwar hat er auch seine Karriere bei Porsche damit begonnen, Mitarbeiter zu entlassen, doch danach konnte er beinahe wie ein Unternehmer walten. Da sein Selbstbewusstsein während der Jahre nicht gelitten habe, würde er nun kaum interessiert sein, eine Position anzunehmen, bei der Eigentümer aus Amerika ihm die Spielregeln diktierten, lautet die Einschätzung aus seinem Umfeld.
Rainer Schmückle gilt als „harter Hund“ bei Mercedes. Als Produktionsvorstand sorgt er für laufende Effizienzsteigerung. Bei der Produktion der neuen E-Klasse führte das sogar zu Protesten – denn während die Mitarbeiter in der E-Klasse-Produktion die neue Maßgaben erfüllen mussten, hatten die Kollegen der S-Klasse-Produktion nichts zu tun. Im Betriebsrat ist Schmückle entsprechend unbeliebt. Da er auch vor Streit mit Konzernchef Dieter Zetsche nicht zurückscheut, ist die Stimmung nicht die beste. Eine neue Herausforderung könnte Schmückle gefallen.
Alte Bekannte
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 09.11.2009, 20:42 Uhr
Und schon beginnt das neue Spiel
Hugo Bühler (Jennyli)
- 10.11.2009, 00:33 Uhr
Opel Herr Franz und das liebe Geld
Wilfried Albers (Walbe)
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Wilfried Albers (Walbe)
- 10.11.2009, 09:47 Uhr