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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Opel geht an Magna „Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus“

11.09.2009 ·  Die IG Metall stellt an Magna Bedingungen, erwartet aber schwierige Verhandlungen mit einem „harten, kantigen Arbeitgeber angelsächsischer Prägung“. Hessens Ministerpräsident Koch hat die Opel-Beschäftigten auf harte Zeiten vorbereitet. Und die Insolvenz ist nicht endgültig vom Tisch.

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Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat die Beschäftigten des deutschen Autobauers Opel nach der Entscheidung über einen Verkauf an Magna auf harte Zeiten vorbereitet. Zwar sei die Übernahme durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer der wahrscheinlich einzige Weg für die Mitarbeiter in eine Zukunft, sagte der Regierungschef am Freitag im rbb-Inforadio. „Dennoch wird es eine schwierige Operation für die Mitarbeiter, wird es auch eine schwierige Aktion für die Lieferanten, denn die Kosten müssen gesenkt werden“, hob er hervor.

Magna-Eigentümer Frank Stronach dämpfte in einem Interview mit der Boulevardzeitung „Österreich“ allzugroße Euphorie: „Opel hat schon lange keinen Profit mehr gemacht und die Wirtschaft ist zurzeit auch nicht so blühend. Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden. Wir sind sicher erst am Anfang.“ Russland werde in dem Geschäft eine ganz große Rolle spielen.

Der Autoexperte Wolfgang Meinig von der Bamberger Forschungsstelle für Automobilwirtschaft (FAW) hält eine sogar eine Insolvenz von Opel in den nächsten Jahren für möglich. Meinig sagte im Bayerischen Rundfunk: „Das Thema Insolvenz wird uns in den nächsten Jahren jeden Tag, jede Woche begleiten.“ Ob Opel weiter bestehen wird, hänge davon ab, ob der Autobauer Fahrzeuge entwickele, die angenommen werden. Außerdem sei Opel nach wie vor von General Motors abhängig, bislang habe GM selbst keine guten Ideen gehabt.

Die IG Metall stellt an Magna Bedingungen. Dazu zählten zum einen Standortsicherung und zum anderen der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. An Restrukturierungen führe aber kein Weg vorbeiführe. Um Opel zukunftsfähig zu machen, sei man auch zu weiteren Stundungen bei Sonderleistungen wie beim Weihnachtsgeld bereit.

Vertrag bis Ende November?

Die IG Metall erwartet harte Verhandlungen mit Magna. Dabei geht es um die angestrebten Sanierungsbeiträge der Beschäftigten. „Magna ist ein harter, kantiger Arbeitgeber angelsächsischer Prägung“, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksvorsitzende und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus.“ Die Verhandlungen sollten voraussichtlich in der kommenden Woche aufgenommen werden.

„Wir arbeiten mit Magna und Sberbank zusammen, um bis Ende November zu einem Abschluss zu kommen, sagte GM-Verhandlungsführer John Smith. Magna will nach früheren Informationen rund 3000 der mehr als 25.000 Opel-Arbeitsplätze in Deutschland streichen, aber alle vier deutschen Standorte erhalten. Die Bundesregierung hatte in dem zehn Monate langen Poker zuletzt Unterstützung von 4,5 Milliarden Euro von einer Entscheidung für Magna abhängig gemacht. Magna will europaweit rund 10.500 Stellen bei Opel und der britischen Schwester Vauxhall streichen - das wäre jeder fünfte Arbeitsplatz.

Koch: Das ist alles kein Spaziergang

Koch betonte, nicht ausgelastete Produktionskapazitäten in beträchtlichem Umfang müssten stillgelegt werden. „Es werden Arbeitsplätze reduziert werden, in Deutschland und in Europa. Das ist alles kein Spaziergang, es handelt sich zur Zeit um ein krankes Unternehmen.“ Opel könne aber mit den vorhandenen Konzepten saniert werden, sagte Koch. Der Regierungschef verteidigte deshalb auch die in Aussicht gestellten staatlichen Milliardenbürgschaften für das Geschäft. Er könne den Steuerzahlern guten Gewissens sagen, dass sich die Inkaufnahme des Risikos eindeutig lohne im Verhältnis zu den Schäden, die sonst entstehen würden, sagte Koch.

Die IG Metall will die eingeforderten Milliardenbeiträge nicht ohne Gegenleistung bringen. „Unsere Untergrenze ist der Flächentarifvertrag. Wir machen uns schließlich nicht selber Konkurrenz“, sagte Schild. Man könne möglicherweise zeitweise vom Flächentarif abweichen. Von Beginn an klar sei gewesen, dass es bei „New Opel“ keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Werks- und Standortschließungen geben dürfe. Die Belegschaft erwarte für ihre Beiträge eine Verbesserung der Mitbestimmung bei Opel und fordere eine zukunftsorientierte Unternehmensstrategie, sagte der Gewerkschafter. „Arbeitnehmer haben das stärkste Interesse am nachhaltigen Erfolg ihres Unternehmens.“

Die künftigen Anteile der Belegschaft an „New Opel“ sollten über eine Beteiligungsgesellschaft gehalten werden, erläuterte Schild. Die Arbeiter könnten so nicht individuell über ihre Anteile entscheiden. Zusätzliche Aufsichtsratssitze solle es für die Arbeitnehmer nicht geben. „Wir sind bereit, darauf zu verzichten, wenn bestimmte Regeln geändert werden“, sagte der Metaller. Denkbar sei beispielsweise eine Regelung, die Standortschließungen an eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat binde. Werksschließungen könnten dann nicht gegen den Willen der Arbeitnehmer durchgesetzt werden.

Magna beruhigt seine Kunden

Er setze große Hoffnungen auf die Managementqualitäten von Magna, sagte Schild. Als Zulieferer sei Magna einen viel rabiateren Kostendruck gewohnt als die Autohersteller, könnten Technologien schnell zwischen den Standorten transferieren und Produkte besser entwickeln als General Motors. Wichtig sei zudem die Öffnung neuer Märkte in Russland oder den nordafrikanischen Staaten.

Magna ist unterdessen bemüht, nach dem angekündigten Kauf von Opel Interessenkonflikte mit seinen Kunden zu vermeiden. „Sobald die Übernahme erfolgreich abgeschlossen ist, wird Magna angemessene 'Firewalls' errichten, um eine vollständige Trennung zwischen dem laufenden Autozuliefergeschäft und Opel zu garantieren, so dass vertrauliche Kundeninformationen umfassend geschützt bleiben“, teilte Magna-Chef Frank Stronach am Freitag mit.

Der Magna-Kunde Volkswagen hatte vor kurzem angekündigt, bei der Vergabe von neuen Aufträgen genau zu prüfen, ob mit dem Zusammenschluss des Rüsselsheimer Autobauers und Magna Wettbewerbsnachteile für VW entstünden.

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