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Nick Reilly Der neue Mann für Opel

10.11.2009 ·  Nick Reilly wird der neue Mann an der Opel-Spitze. Sanierungsaufgaben sind ihm nicht fremd. Er ist daran gewöhnt, Mitarbeitern auch unangenehme Nachrichten zu überbringen. Im GM-Konzern zählt Reilly zu den stärksten Figuren neben Fritz Henderson.

Von Roland Lindner
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Nick Reilly ist der richtige Mann, um auf „die frühestmögliche Normalisierung des Geschäfts“ hinzuarbeiten. So jedenfalls beschreibt Fritz Henderson, der Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns General Motors (GM), den neuen Übergangschef für die Tochtergesellschaft Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall. GM kürte Reilly am Dienstag offiziell zum Nachfolger von Carl-Peter Forster, der Ende vergangener Woche seinen Rücktritt angekündigt hatte.

Wenige Tage zuvor hatte GM angekündigt, Opel doch behalten zu wollen und nicht wie zuvor geplant an ein Konsortium um den Zulieferer Magna zu verkaufen. Eine permanente Neubesetzung für den von Forster geräumten Posten muss noch gefunden werden.

GM selbst teilte mit, außerhalb des Unternehmens nach einem Ersatz zu suchen. Angeblich will der Konzern am liebsten einen deutschen Manager rekrutieren, in der Hoffnung, damit die Mitarbeiter von Opel auf seine Seite zu ziehen.

Von der Normalisierung, die Henderson anspricht, ist Opel im Moment freilich noch weit entfernt. Die abrupte Kehrtwende von GM in der vergangenen Woche war nur der jüngste Schock in einem langen Tauziehen um die Zukunft des deutschen Autoherstellers. Die Opel-Belegschaft ist in Aufruhr und fürchtet, dass nun noch härtere Einschnitte auf sie zukommen als dies bei Magna der Fall gewesen wäre.

In England übel beschimpft

Sanierungsaufgaben sind Nick Reilly nicht fremd. Er ist daran gewöhnt, Mitarbeitern auch unangenehme Nachrichten zu überbringen. Ende des Jahres 2000, als der gebürtige Brite Chef von Vauxhall war, kündigte er der Belegschaft im Werk Luton an, dass der Standort geschlossen wird. Mehrere hundert Beschäftigte stürmten die Vauxhall-Zentrale, sie beschimpften Reilly als „Judas“ und forderten seinen Rücktritt. Reilly versteckte sich nicht, sondern stellte sich vor die Mitarbeiter. Er versuchte, die aufgebrachte Menge zu beruhigen, wurde aber immer wieder unterbrochen. Einige Monate nach dieser Eskalation konnte die Schließung von Luton doch abgewendet werden. Freilich hat das Werk seither einen dramatischen Personalabbau erlebt.

Nick Reilly hat seit dem Insolvenzverfahren, das GM in diesem Jahr durchgemacht hat, einen gewaltigen Karrieresprung gemacht und gehört heute zu den stärksten Figuren neben Henderson. Am Ende der Insolvenz bekam er einen Schlüsselposten: Er wurde Chef der neu gebildeten GM International Operations (GMIO), in der alle Auslandsaktivitäten des Unternehmens gebündelt sind. Die Sparte hat ihren Sitz in Shanghai. Mit der Wahl dieses Standorts unterstrich GM die Bedeutung des chinesischen Marktes, wo das Unternehmen mittlerweile mehr Autos verkauft als in der Heimat. Außerdem war das Unternehmen zum Zeitpunkt dieser Entscheidung auch noch auf dem Weg dazu, sich vom Europa-Geschäft zu trennen.

Die Mitteilung vom Dienstag legt den Schluss nahe, dass die Auslandszentrale in Shanghai zumindest vorübergehend an Gewicht verlieren wird. So werde Reilly auch nach seiner Berufung nach Europa zwar weiter „die allgemeine Richtung“ der Auslandszentrale in Shanghai vorgeben. Das Tagesgeschäft in den einzelnen Regionen werde nun aber in die Hände des Managements vor Ort gelegt.

Im GM-Konzern zählt Nick Reilly zu den Veteranen. Er begann seine Karriere im Jahr 1975 bei einer britischen Tochtergesellschaft. Danach übernahm er Aufgaben in einigen anderen Ländern wie Belgien, Mexiko und den Vereinigten Staaten, war zwischenzeitlich in der Züricher Zentrale von GM Europa, kehrte aber auch mehrmals in seine britische Heimat zurück. Im Jahr 2000, als er Chef von Vauxhall war, bekam er den britischen Verdienstorden Commander of the British Empire in Anerkennung seiner Leistungen für die einheimische Autoindustrie. Im Jahr 2002 wechselte er nach Asien und übernahm die Verantwortung beim koreanischen Hersteller Daewoo. Im Jahr 2006 wurde er zum Chef des Asien-Geschäfts von GM berufen und wechselte schon damals nach Shanghai. Vorstandschef Henderson wies bei der Berufung von Reilly auf dessen „tiefe Erfahrung“ mit den Marken Opel und Vauxhall hin.

Opel-Geschäftsführer Hans Demant soll indessen auch nach dem Antritt von Reilly seinen Posten behalten. Demant „wird in der Übergangsphase mit Reilly zusammenarbeiten“, hieß es in der Mitteilung am Dienstag.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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