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Neue Finanzierungsmodelle Billige Autos

21.01.2012 ·  Junge Leute sind nicht mehr scharf aufs Auto. „All inclusive“ heißt deshalb die Werbebotschaft der Hersteller. Einen Kleinwagen gibt es zum Beispiel schon für 129 Euro.

Von Maximilian Weingartner
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© dapd Ladenhüter Neuwagen: Junge Männer und Frauen haben die Lust am Auto verloren

„Egal, welche Marke: Nahezu niemand unter 35 Jahren kauft einen Neuwagen“, so hat Daimler-Chef Dieter Zetsche vor kurzem das Verhältnis von jungen Leuten zu Autos beschrieben. Auch wenn der Schwabe vielleicht ein bisschen übertrieben hat, Fakt ist: Junge Männer und Frauen haben die Lust am Auto verloren. Statistiken zeigen, dass sich viele zwar nach wie vor für Autos interessieren. Ein Statussymbol, für das es sich lohnt, viel Geld auszugeben, ist es aber nicht mehr. Die deutschen Autohersteller locken deswegen mit Einsteiger- und „All Inclusive“-Angeboten. Der Kunde profitiert: Autofahren wird günstiger, attraktiver und flexibler.

Zunächst müssen Volkswagen & Co. junge Menschen wieder zum Autofahren verführen. Die Hersteller setzen vermehrt auf Marketing in sozialen Netzwerken und neuer Technik wie Internet in Autos, die der iPhone-Generation gefallen soll. Eine wichtige Komponente bei der Entscheidung, einen neuen Wagen zu kaufen oder nicht, ist und bleibt das Geld, wie eine Umfrage des Verbands der Automobilindustrie zeigt: Vielen jungen Leuten ist ein neues Auto schlicht zu teuer. „Ein eigenes Auto bindet sehr viel an Kapital“, sagt Ottmar Lell, Verkehrsexperte vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Für „Wenig-Fahrer“ gab es bislang wenig Gründe, sich ein neues Auto anzuschaffen. Die neuen Angebote haben zwar weiterhin die Hürde einer hohen Anzahlung (mindestens 20 Prozent des Listenpreises), weil diese eine Mindestbonität des Kunden beweisen. Ansonsten lassen die Autobauer aber nichts unversucht, die Zusatzkosten, die sich bei einem eigenen Auto summieren, klein zu halten.

Attraktiv für die Wochenendnutzung

Die Angebote der Autohersteller ändern das Kalkül der Käufer, für die es sich wieder lohnt, über die Frage „Auto oder kein Auto“ neu nachzudenken. Die wichtigste Frage dabei ist: Wie oft fahre ich mit dem Wagen? Szenario 1: Der Kunde braucht das Auto täglich, etwa um zur Arbeit zu fahren. Die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs sind unpraktisch. Auf den ersten Blick ist klar, dass weder ein Mietwagen, der tageweise vermietet wird, noch Car-Sharing, bei dem Autos für Stunden verliehen werden, in Frage kommen - da diese Art der Nutzung den Kunden teuer zu stehen kommen würde. Bei diesem Szenario ändert sich auch durch die All-Inclusive-Angebote nichts, denn der Kunde wäre auch vorher „gezwungen“ gewesen, ein Auto zu kaufen.

Spannend wird es nun bei Szenario 2. Eine junge Frau wohnt in einer Großstadt, fährt mit der U-Bahn zur Arbeit und zum Sportverein mit dem Rad. An Wochenenden fährt sie manchmal mit dem Auto zu ihren Eltern und zu Freunden, die weiter weg wohnen. „Hat ein Kunde ein Auto nur ein paar ganze Tage gebraucht, war bisher meist ein Mietauto günstiger“, sagt Ottmar Lell vom Verbraucherschutzverband. „Mit den All-inclusive-Angeboten wird der Autokauf wesentlich attraktiver.“

Ein Rechenbeispiel: Bei den gängigen Autovermietern kostet etwa ein Wagen in der Kategorie VW Polo 85 Euro für ein ganzes Wochenende mit 900 Kilometer inklusive und Vollkasko mit 850 Euro Selbstbeteiligung. Mietet man 24 Mal im Jahr solch ein Auto, liegt man bei 2040 Euro.

Selbst im Schadensfall steigt der Beitrag nicht

Zum Vergleich: Kauft oder least man ein Auto, muss man beispielsweise monatlich eine Rate von etwa 200 Euro im Monat zahlen, im Jahr also 2400 Euro. Dazu kamen bisher noch Versicherung und Kundendienst und Reparaturen. Bei Audi bekommt man nun einen A1 für 198,98 Euro im Monat inklusive Finanzierungs- oder Leasingrate, Versicherung und Wartungskosten. Eine Anzahlung von 2500 Euro muss allerdings auch geleistet werden. Bei Volkswagen wird die monatliche Rate noch niedriger, wenn man für Kauf oder Leasing eines „Up“ den Kredit „Autocredit 2“ in Anspruch nimmt. Das Allroundpaket von VW kostet anfangs nämlich nur 129 Euro im Monat. Die darin enthaltene, niedrige Finanzierungsrate von 57,20 Euro wird durch einen zweistufigen Kredit ermöglicht, der sich der Lebenssituation von jungen Fahrern anpasst. Wenn man anfangs weniger Geld hat, zahlt man weniger, wenn man später mehr hat, etwa wenn man seinen ersten Job hat, mehr. So kann der Kunde erst die kleine Rate und später eine größere von 114 Euro zahlen.

Ein großer Posten bei den Unterhaltskosten ist auch die Versicherung, egal ob man der klassische Fahranfänger ist oder schon ein paar Jahre älter, aber dennoch zum ersten Mal einen eigenen Wagen braucht. Unabhängig von Schadenfreiheitsklasse zahlen Fahrer unter 23 Jahren bei Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes-Benz in der Versicherung stets denselben Preis von 59,90 Euro im Monat, das heißt rund 719 Euro im Jahr. Beim günstigsten Anbieter für eine vergleichbare Versicherung zahlt man mindestens 1220 Euro im Jahr. Selbst im Schadensfall steigt der Beitrag nicht. Fahrer, die schon 23 Jahre oder älter sind und mindestens die Schadenfreiheitsklasse 1 haben, zahlen bei dieser Versicherung sogar nur 348 Euro im Jahr. Das günstigste Angebot im Internet liegt bei 905 Euro. Ein Auto zu kaufen, anstatt jedes Mal einen Mietwagen zu nehmen, ist nun attraktiver, da man sehr viel Geld bei der Versicherung spart. Es kostet eine zwar immer noch mehr im Monat, aber man gewinnt mit vertretbaren Mehrkosten die Freiheit, das Auto zu nutzen, wann immer man will. Legt man weniger Wert auf Prestige, bietet sich ein Opel Corsa für rund 148 Euro im Monat an, für den noch nicht einmal eine Anzahlung fällig wird.

Andere Firmen springen in die Bresche

Das dritte und letzte Szenario ist wie folgt: Ein junger Mann braucht nur einmal in der Woche für wenige Stunden ein Auto, um zum Klettern in der Vorstadt zu fahren. Ansonsten ist er mit dem öffentlichen Nahverkehr gut unterwegs. Ein Mietauto wäre zu teuer, da diese in der Regel nur tageweise vermietet werden. Ein eigenes Auto mit monatlichen Kosten von 200 Euro auch, Kosten und Nutzen stünden in keinem Verhältnis. Die Lösung heißt Carsharing. Die deutschen Autohersteller sind erst spät auf diesen Zug aufgesprungen. VW testet das Konzept seit ein paar Monaten, Daimlers Testlauf ist gerade zu Ende gegangen. Bis es eine flächendeckende Versorgung mit deutschen Premiumautos gibt, dauert es aber noch, heißt es in den Konzernzentralen.

In die Bresche springen andere: In Deutschland bieten heute etwa 110 Firmen in mehr als 285 Städten an, Autos stundenweise zu vermieten. Die Kunden müssen ein paar Euro pro Stunde zahlen und pro gefahrenen Kilometer zwischen 20 und 30 Cent. So ist man flexibel und zahlt nur, wenn man den Wagen tatsächlich nutzt.

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