20.05.2009 · Es wird ernst für Opel: An diesem Mittwoch läuft die Bieterfrist für potentielle Investoren ab. Besonders an den vier deutschen Standorten wächst die Angst, und die Politik versucht alles, um den Arbeitgeber Opel nicht zu verlieren. F.A.Z.-Korrespondenten haben sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht.
Von Reiner Burger, Thomas Holl und Claus-Peter MüllerNach monatelangem Ringen schlägt für Opel die Stunde der Wahrheit: Am heutigen Mittwoch um 18 Uhr läuft die von der Bundesregierung gesetzte Frist ab, in der Investoren ein detailliertes Konzept für einen Einstieg bei dem Rüsselsheimer Autobauer einreichen müssen. Damit wird die Schlussrunde eingeläutet, in der sich entscheiden soll, ob die deutsche General-Motors-Tochter eine Zukunft hat. Wenige Tage später soll dann nach dem Willen der amerikanischen Regierung klar sein, wie es bei GM selbst weitergeht.
Als Favoriten für einen Einstieg bei Opel gelten der italienische Autobauer Fiat sowie der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna. Jedoch könnten auch der Finanzinvestor RHJ International oder ein Staatsfonds vom Golf Konzepte vorlegen. Die Bundesregierung will eine möglichst sichere Zukunftsperspektive für Opel mit dem Erhalt aller Werke und der meisten Arbeitsplätze. Um dies zu erreichen, würde die Regierung die Herauslösung des europäischen GM-Teils aus der amerikanischen Konzernmutter gegebenenfalls mit einem Treuhandmodell unterstützen.
Eine Krisensitzung nach der nächsten
Auch die Bundesregierung selbst berät heute über die Lage des angeschlagenen Autobauers. An dem Treffen nach der regulären Kabinettssitzung wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die Minister für Wirtschaft, Finanzen und Arbeit, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Peer Steinbrück und Olaf Scholz (beide SPD) teilnehmen. Eine Regierungsdelegation mit Vertretern von Wirtschafts-, Finanzministerium und Kanzleramt hält sich zudem bereit, am Wochenende nach Washington zu reisen.
Um zu verhindern, dass staatlich verbürgte Finanzmittel an die angeschlagene Opel-Mutter General Motors abfließen, will die Regierung den deutschen Autobauer einem Treuhänder übergeben. Vertreter von Bund, Banken und Ländern hatten sich am Dienstag in Grundzügen auf eine Zwischenfinanzierung für Opel geeinigt. Opel braucht in den kommenden Monaten frisches Kapital im Umfang von mehr als 1 Milliarde Euro. Mit Hilfe des Treuhandmodells wäre eine Brückenfinanzierung mit Hilfe staatlicher Banken möglich.
Unterdessen wächst an den vier deutschen Opel-Standorten Rüsselsheim, Eisenach, Kaiserslautern und Bochum die Angst - und die jeweiligen Landesregierungen kämpfen teils verzweifelt um den Erhalt „ihres“ Werks. F.A.Z.-Korrespondenten haben sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.
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Erich Kupfer (ErichKupfer)
- 20.05.2009, 13:02 Uhr
Thomas Holl Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
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