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Inszenierung auf Youtube Winterkorns Ausflug in die Welt des Internet

29.09.2011 ·  Auf der IAA hat sich VW-Chef Winterkorn in das Modell eines Konkurrenten gesetzt und missmutig festgestellt: „Da scheppert nix“. Ein VW-Mitarbeiter hat das Ganze aufgenommen und hernach als wackliges Video ins Netz gestellt - im Einvernehmen oder auf Geheiß der Konzernkommunikation, versteht sich.

Von Johannes Ritter
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Martin Winterkorn ist kein Freund großer öffentlicher Auftritte. Viel lieber taucht der VW-Chef in die Tiefen der Automobiltechnik ein. So auch auf der Automesse IAA in Frankfurt vor wenigen Tagen. Dort inspizierte der promovierte Metallphysiker mit Stablampe und Maßband ein Modell des gefürchteten koreanischen Konkurrenten Hyundai. In einem verwackelten Handy-Video auf Youtube ist zu sehen und zu hören, wie sehr ihn der i30, das Gegenstück zum Golf, beeindruckt. Mehrfach betätigt Winterkorn den Hebel für die Lenkradverstellung und stellt dann missmutig grummelnd fest: „Da scheppert nix. BMW kann's nicht, wir können's nicht. Warum kann's der?“

Diese gut vierminütige Dokumentation der Winterkornschen Qualitätsmanie ist zu einem Erfolg im Netz avanciert. Mehr als eine Million Mal ist der Film schon aufgerufen worden. Darüber ist die Kommunikationsabteilung von Volkswagen sehr erfreut: „Der Film zeigt, dass es viele Möglichkeiten gibt, unter Beweis zu stellen, dass Qualität bei uns an erster Stelle steht“, sagte ein Sprecher des Konzerns. Was er nicht sagte (aber auch nicht dementierte), ist, dass dieses Video nicht etwa von einem nassforschen Messezaungast gedreht wurde, der sich unbemerkt mit gezücktem Handy auf den Rücksitz des automobilen Prüfobjekts schleichen konnte. Nein, ein VW-Mitarbeiter hat das Ganze aufgenommen und hernach ins Netz gestellt - im Einvernehmen oder auf Geheiß der Konzernkommunikation, versteht sich. Diese Form der viralen Kommunikation wird immer beliebter, weil sie nicht einfach als Werbung zu erkennen und - wie auch in diesem Fall - ungemein preiswert zu produzieren ist, zumal die Internet-Nutzer selbst für eine flächendeckende Verbreitung sorgen.

Das muss allerdings nicht heißen, dass es sich bei Winterkorns Autoinspektion insgesamt nur um eine einzige Inszenierung handelt. Der technikverliebte Vorstandschef wirkt jedenfalls sehr authentisch. Und dass ihm die starken Koreaner ein Dorn im Auge sind, ist auch bekannt.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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