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Hersteller in der Krise Treuhandmodell der Regierung für Opel wackelt

15.05.2009 ·  Die Bundesregierung plant, den Autohersteller über ein Treuhandmodell zu retten. Voraussetzung sei „eine Perspektive für die Standorte und die Mitarbeiter“. Amerika lehnt das ab. Unterdessen steht die Helaba für einen Kredit bereit. Für Opel wird die Zeit knapp.

Von Andreas Mihm, Christoph Ruhkamp und Hanno Mußler
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Die für die kommenden Tage erwartete Insolvenz von GM, der amerikanischen Muttergesellschaft des deutschen Autoherstellers Opel, wird die Bundesregierung aller Voraussicht nach in ein Dilemma stürzen. Sie hat am Donnerstag zwar beschlossen, das von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vorgeschlagene Treuhandmodell zu verfolgen, nach dem staatliche Hilfszusagen daran geknüpft werden, dass GM Aktien von Opel an einen Treuhänder übereignet. Allerdings habe die amerikanische Regierung bereits signalisiert, dass man diese Treuhänderlösung nicht unterstütze, hieß es in Kreisen der Regierung.

Damit wären die Voraussetzungen für eine staatliche deutsche Überbrückungshilfe nicht mehr gegeben. Offen ist, wie sich die Bundesregierung unter diesen Umständen verhalten wird. Alternative bliebe die Insolvenz oder die von der Union zwar abgelehnte, von der SPD aber verlangte staatliche Beteiligung an dem maroden Autobauer.

Förmliches Votum für mehr Spielraum

Am Donnerstag hatte eine Runde aus Ministern von Union und SPD unter Führung der Bundeskanzlerin sich förmlich für Guttenbergs Treuhandmodell ausgesprochen. Damit solle GM und Opel-Interessenten wie Fiat oder Magna nötigenfalls „weiterer Spielraum“ für Verhandlungen gegeben werden, sagte Guttenberg nach dem Treffen. In der Koalition bestehe „völlige Einigkeit“ über das Modell.

Voraussetzung für eine mögliche Unterstützung Opels über das Treuhand-Modell sei „eine Perspektive für die Standorte und die Mitarbeiter“ des Autobauers in Deutschland, sagte Guttenberg. Dazu müssten Fiat und Magna bis kommenden Mittwoch ein tragfähiges Konzept für ihren Einstieg bei Opel vorlegen. Man erwarte konkretere Pläne, als bisher vorgelegt worden seien.

Wer die zwischenzeitliche Übernahme von Opel durch einen unabhängigen Treuhänder finanzieren soll, stehe derzeit noch nicht fest, hieß es. Allerdings ist die Hessisch-Thüringische Landesbank offenbar bereit, die Führung eines Bankenkonsortiums zu übernehmen, das den Überbrückungskredit von mehr als einer Milliarde Euro stemmen soll. In Regierungskreisen war auch die KfW-Bank ins Spiel gebracht worden.

Kritik aus der CDU

Aus der CDU gab es bereits Kritik an dem Treuhand-Modell. „Ich befürchte, dass wir dann Opel nicht mehr loswerden“, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs.Die Landesbanken stehen im Zweifel im Rahmen der Treuhand-Lösung als Financier zur Verfügung. Ein Sprecher der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sagte: „In Hessen und Thüringen sind Opelstandorte. Die Helaba ist die Landesbank für Hessen und Thüringen. Selbstverständlich würden wir uns an einer Brückenfinanzierung für Opel beteiligen.“ Wie hoch das Volumen sein könnte, ließ der Sprecher offen. Am Mittwoch hatte GM-Europachef Carl-Peter Forster der F.A.Z. gesagt, Opel benötige schon bald eine Kreditlinie von mehr als 1 Milliarde Euro (Opel braucht mehr als 1 Milliarde Euro vom Staat).

Für das Unternehmen wird die Zeit knapp. Der Mutterkonzern General Motors (GM) rechnet mit einem baldigen Gang in die Insolvenz. „Das ist wahrscheinlich“, sagte GM-Chef Frederick Henderson in einem Interview. Das Unternehmen sei zuversichtlich, das Verfahren schnell durchziehen zu können. Unterdessen gibt es für Opel – neben Fiat und Magna – noch einen weiteren Kaufinteressenten für Opel. „Wir sprechen mit einem europäischen Finanzinvestor“, sagte Opel-Betriebsratschef Franz der F.A.Z.. Nach Informationen aus Branchenkreisen handelt es sich um die Brüsseler Beteiligungsgesellschaft RHJ International. Diese könnte sich als Finanzierungspartner dem Magna-Konsortium anschließen. Damit wäre Magna weniger stark auf den russischen Autohersteller GAZ und die russische Sberbank angewiesen, die eine Beteiligung erwägen.

Opel-Betriebsrat begrüßt die Pläne

Der Opel-Betriebsrat begrüßt die Pläne der Bundesregierung. Franz geht davon aus, dass der Zulieferkonzern Magna am nächsten Mittwoch ein wesentlich detaillierteres Konzept vorlegen werde als der Bieterkonkurrent Fiat. Der Magna-Plan beruhe auf ausführlichen eigenen Recherchen bei Opel. Fiat greife dagegen auf die Ausarbeitungen einer Unternehmensberatung zurück. Franz befürchtet im Falle einer Fusion den Abbau von etwa 18 000 Stellen. Auch in Italien verstärkt sich der Widerstand gegen ein Zusammengehen von Fiat und Opel. Aus Sorge um ihren Arbeitsplatz haben die Beschäftigten im sizilianischen Fiat-Werk Termini Imerese, das Fiat schließen will, zum zweiten Mal binnen einer Woche die Arbeit niedergelegt. Am Samstag ist eine Großdemonstration nahe der Fiat-Konzernzentrale in Turin geplant.

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