08.09.2009 · Der GM-Verwaltungsrat trifft sich ab diesem Dienstag, um über einen möglichen Opel-Verkauf zu beraten. Wird eine Entscheidung fallen? Zuletzt verdichteten sich die Anzeichen, dass GM Opel doch behalten will. Dazu passt die Meldung, dass ein Beschluss womöglich weiter verzögert werden könnte - bis nach der Bundestagswahl.
Von Christoph RuhkampDer Verwaltungsrat von General Motors (GM) trifft sich an diesem Dienstag und Mittwoch in Detroit, um über einen möglichen Verkauf von Opel zu beraten. In Deutschland wird erhofft, dass der amerikanische Konzern eine Entscheidung trifft. Ob dies tatsächlich geschieht, blieb vor Beginn des Treffens offen. Denn sowohl im Management als auch im Verwaltungsrat von GM gibt es Meinungsverschiedenheiten über die beste Lösung. Inzwischen gibt es sogar Gerüchte, GM werde die Entscheidung über einen möglichen Verkauf von Opel bis nach der Bundestagswahl aufschieben und erst im Oktober zu einem endgültigen Ergebnis kommen. Dahinter könnte die Hoffnung stehen, dass eine neue Bundesregierung weniger stark auf der bislang favorisierten Magna-Lösung beharren könnte.
Der 13 Personen umfassende Verwaltungsrat wurde nach dem Insolvenzverfahren von GM im Juni mit Vertretern der neuen Anteilseigner umbesetzt, insbesondere weil der amerikanische Staat nun 60 Prozent der Anteile hält. Neben GM-Chef Fritz Henderson und einem Gewerkschafter sind zehn Vertreter von Washington entsandt sowie eine Vertreterin von Kanada. Ein Teil der Mitglieder scheint von einem Verkauf von Opel an das von der Bundesregierung, der Belegschaft und der Gewerkschaft IG Metall bevorzugte Magna-Konsortium wenig zu halten.
Insolvenz äußerst unwahrscheinlich
Der Konzern hat vier Optionen zur Wahl: Er kann Opel selbst behalten oder in die Insolvenz schicken. Oder er kann Opel an einen der beiden Interessenten verkaufen - entweder an den Zulieferer Magna oder an den vom GM-Management präferierten Finanzinvestor RHJI.
Zuletzt haben sich die Anzeichen verdichtet, dass GM am liebsten Opel selbst behalten würde. Nach Informationen der F.A.Z. hat der einflussreiche GM-Produktentwicklungschef Bob Lutz diese Position in einem Gespräch mit einem SPD-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Bundesminister deutlich gemacht. Das Problem an dieser Variante ist jedoch, dass GM dann die Sanierung von Opel selbst finanzieren müsste. Denn die Bundesregierung hat ihre Finanzierungszusage über einen Kredit von 4,5 Milliarden Euro nur für den Kaufinteressenten Magna gegeben. Außerdem müsste GM, um wieder in den vollen Besitz von Opel zu gelangen, zunächst den Staatskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen, den Bund und Länder Opel gegeben haben. Dieser Kredit wird schon Ende November fällig. Außerdem bräuchte GM für die Sanierung weitere rund 2 Milliarden Euro. Davon will der Konzern die Hälfte selbst stemmen, die andere Hälfte soll von den Regierungen in Spanien, Großbritannien und Polen kommen, wo Opel über Standorte verfügt. Dass GM sich für eine Insolvenz von Opel entscheidet, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Denn dann würde der Konzern die Kontrolle verlieren. Opel ist für GM wichtig, weil das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim für den gesamten GM-Konzern kleine und mittelgroße Autos entwirft.
Gegen Magna, gegen die Bundesregierung
Bleibt noch der Verkauf an einen der beiden Investoren: Gegen Magna spricht aus Sicht von GM vor allem, dass der Zulieferer Opel gemeinsam mit der staatlichen russischen Sberbank übernehmen will. Befürchtet wird, dass GM sich angesichts der geplanten Kooperation von Magna mit dem russischen Autohersteller GAZ einen starken Konkurrenten in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte schaffen würde. In Russland will GM aber lieber den Absatz der eigenen Konzernmarke Chevrolet stärken. Aus Sicht von GM spricht dagegen sehr viel für den Finanzinvestor RHJI als Käufer von Opel. Denn RHJI hat sich dazu bekannt, Opel künftig als Gemeinschaftsunternehmen mit GM zu führen. Unter anderem soll das Management einvernehmlich benannt werden, und GM würde stärker in das Produktentwicklungsgeschäft von Opel hineinregieren.
In Deutschland rechnet der Wirtschaftsflügel der Union mit einer Entscheidung von GM gegen Magna und damit auch gegen das Konzept der Bundesregierung. „Es gibt bei GM anscheinend eine neue Festlegung“, sagte der Chef des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion, Michael Fuchs, am Montag in Berlin. Priorität habe für GM ganz offensichtlich, Opel in den Mutterkonzern zurückzuholen.
Dagegen geht der Opel-Betriebsrat von einem Zuschlag für Magna aus. „Wenn nach rationellen und logischen Argumenten gewichtet wird, muss Magna den Zuschlag bekommen“, sagte Betriebsratschef Klaus Franz. Gerüchte, wonach der GM-Board gegen einen Verkauf von Opel stimmen werde, wies Franz als gezielt gestreute Falschmeldungen zurück. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hofft in dieser Woche auf eine Entscheidung. Er hoffe, dass man jetzt „eine klare Ansage“ vom GM-Verwaltungsrat bekomme, sagte Guttenberg.
Endlich ein Ende mit dem törichten Wunschdenken!
Gerhard Rinker (GerdR)
- 08.09.2009, 13:27 Uhr
Skepsis nimmt zu ....
Dieter Liepold (abraze)
- 08.09.2009, 14:43 Uhr
Warum eigentlich ...
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 08.09.2009, 20:11 Uhr