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Fiat und Opel Kaiserslautern kann nur ein Anfang sein

05.05.2009 ·  Sergio Marchionne wäre nicht ein erfolgreicher Fiat-Sanierer, wüsste er nicht um die Begleitumstände. Kaiserslautern kann man opfern, ohne dass die gesamte Opel-Produktion in Gefahr geriete. Das aber wird allen womöglich erst nach der Bundestagswahl klar werden.

Von Holger Appel
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Fiat hat sich langsam herangepirscht, jetzt machen die Italiener Tempo. Obwohl die Zweifel an einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit Opel fortbestehen, nimmt nach einem Besuch in Berlin der Übernahmeplan Konturen an. Fiat will drei deutsche Opel-Standorte bewahren: Bochum, Eisenach und Rüsselsheim, Kaiserslautern nicht.

Die Sensation dabei ist nicht, dass Kaiserslautern zur Disposition steht, sondern dass die anderen drei gerettet werden sollen. Denn Opel hat größere Probleme als sein kleines Werk in der Pfalz, in dem 1130 Mitarbeiter Motoren und weitere 2360 Komponenten bauen. Seit Jahren versucht Opel das Werk zu verkaufen; zuletzt hat der Zulieferer Kirchhoff nach monatelanger Rentabilitätsprüfung verzichtet. Es muss also womöglich geschlossen werden.

Sergio Marchionne aber wäre nicht ein erfolgreicher Fiat-Sanierer, wüsste er nicht um die Begleitumstände. Kaiserslautern kann man opfern, ohne dass die gesamte Opel-Produktion in Gefahr geriete. Kaiserslautern kann man auch opfern, weil die Politik das kleinere Übel als größeren Sieg verkaufen kann, obwohl Opel für die Menge verkaufter Autos auch weiterhin zu große Kapazitäten vorhält. Keine Frage: Kaiserslautern kann nur ein Anfang der Einschnitte sein. Das aber wird allen womöglich erst nach der Bundestagswahl klar werden.

In der Zentrale von Opel und beim Betriebsrat wird man das natürlich ganz anders sehen – wieder einmal. Man hätte lieber mit dem Auftragsfertiger Magna als neuem Eigner zu tun, sofern der es tatsächlich ernst meint. Nach der schon einmal gescheiterten Ehe mit Fiat hat niemand Lust auf einen zweiten Versuch. Doch nun müssen sich die Verantwortlichen von Opel mit den neuerlichen Avancen von Fiat ernsthaft auseinandersetzen.

Das Geschrei, verstärkt von Teilen der Steuergelder verteilenden, vor allem sozialdemokratischen Politik, ein Investor müsse mehr mitbringen und mehr garantieren, sollte leiser werden. Dass die Bundesregierung dem Geschäft durch umfassende Garantien den Weg bereiten will, ist schon schlimm genug. Da gehört es sich nicht – trotz begründeter Bedenken –, einen Investor vom Hof zu jagen. Man muss nicht gleich vor Dankbarkeit auf Knien über die Alpen rutschen, aber zu vollmundigen Forderungen und großspurigen Abwehrtiraden hat bei Opel niemand mehr das Recht.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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