Opel muss sich schon in den nächsten vier Wochen zwischen Fiat und Magna oder einem etwaigen Finanzinvestor entscheiden. Denn bis zum 1. Juni läuft das Ultimatum ab, das die amerikanische Regierung der Opel-Muttergesellschaft für einen neuen Sanierungsplan stellte. Den Datenraum für eine Buchprüfung durch Investoren hat Opel bereits eröffnet.
Sowohl Fiat-Chef Sergio Marchionne als auch Magna-Chef Siegfried Wolf legten mittlerweile bei Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ihre Grobkonzepte für eine Fusion oder einen Einstieg bei Opel vor. Schließlich soll die Bundesregierung das neue Konzept für Opel mit einer Kreditbürgschaft von rund 3 Milliarden Euro unterstützen. Weitere Voraussetzung für die Transaktion ist, dass GM der Tochtergesellschaft Opel eine größere Unabhängigkeit gewährt und das deutsche Unternehmen von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umwandelt. Dies soll bereits in den nächsten Tagen geschehen.
Schon allein in der Anbahnung unterscheiden sich die beiden möglichen Allianzen Fiat/Opel und Opel/Magna deutlich voneinander: Aus der Branche wird berichtet, der Kontakt zum kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna sei vor allem über SPD-Politiker geknüpft worden – darunter auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der seine Verbindung zum österreichischen Ex-Kanzler Franz Vranitzky nutzte. Fiat dagegen wurde vom Unternehmensberater Roland Berger ins Spiel gebracht, der im Aufsichtsrat der Italiener sitzt. Wirtschaftsminister zu Guttenberg hatte Roland Berger als „Opel-Koordinator“ engagiert. Vor diesem Hintergrund gilt Fiat als der erwünschte Unionskandidat und Magna als der SPD-Kandidat. Von den Arbeitnehmervertretern von Opel wird Fiat rundheraus abgelehnt.
Welche der beiden Allianzen für die Autoindustrie und für Opel die bessere Variante wäre, ist in der Branche indes stark umstritten. „Es handelt sich in jedem Fall um zwei völlig unterschiedliche Lösungen“, sagte Christoph Stürmer von dem in der Autobranche renommierten Analysehaus Global Insight der F.A.Z. Während bei Fiat/Opel die Überschneidungen im Produktportfolio für Kleinwagen dominieren, würden bei Magna/Opel vor allem die Ergänzungen hervorstechen.
Schwierige Zusammenführung der Marken
„Aus Sicht der Gesamtindustrie würde bei einem Zusammenschluss von Fiat und Opel gleichsam ein Wettbewerber vom Markt verschwinden. Es wäre die harte Variante der ohnehin erwarteten Konsolidierung durch das Ausscheiden eines Konkurrenten“, sagte Stürmer. Das würde einen Teil des Wettbewerbsdrucks in Europa beseitigen und sei aus Sicht der Konkurrenten zu begrüßen. Fiat/Opel hätte laut Stürmer eine andere Logik als der ebenfalls große Volkswagen-Konzern. Während sich die VW-Produktpalette über alle Produkt- und Preisklassen differenziere, seien sowohl Fiat als auch Opel beide im Kleinwagensegment stark.
Schwierig sei zudem die Zusammenführung der Marken Fiat und Opel: „Fiat steht vor allem für schickes Design, Opel für hohe Qualität. Traditionelle Fiat-Käufer würden befürchten, künftig zu viel zu bezahlen; traditionelle Opel-Käufer würden befürchten, schlechtere Qualität zu erhalten“, sagte Stürmer.
Expansion als Ziel
Ein völlig anderes Ziel als die von Fiat-Chef Marchionne angestrebten Größenvorteile hätte dagegen die Verbindung von Opel mit Magna und eventuell zusätzlich dem russischen Autohersteller GAZ, da Magna hauptsächlich Komponenten zuliefert und nur eine kleine Anzahl Autos selbst in Lizenz für andere Hersteller fertigt. „Die Kombination Opel/Magna würde eine Verschärfung des Wettbewerbs bedeuten“, sagt Stürmer.
Ziel wäre die Expansion der Absatzmärkte für Opel nach Russland und Amerika. „Damit würde sich erstmals ein Zulieferer einen Hersteller zulegen.“ In den Jahren zuvor ging der Trend stets in die andere Richtung: Die Autohersteller lagerten einen immer größeren Teil der Wertschöpfung an die Zulieferer aus und beschränkten sich abgesehen von wenigen Kernkompetenzen beim Antrieb auf die Endmontage. „Magna/Opel wäre eine sehr spannende Umkehrung dieses Trends“, sagt Stürmer. Während Fiat auf eine Konsolidierung abziele und den Kostendruck auf die Zulieferer verlagern wolle, würde Opel/Magna zu einer „Offensive der Zulieferer“.
„Opel wäre nach einer Fiat-Übernahme keineswegs sicherer“
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg betonte indes die Gefahren, die eine Übernahme von Opel durch Fiat mit sich brächte. „Opel wäre nach einer Fiat-Übernahme keineswegs sicherer, sondern einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt“, sagte Dudenhöffer. Eine Fiat-Chrysler-Opel-Gruppe sei zwar weltweit mit hohen Verkaufszahlen im Markt, aber die dünne Eigenkapitaldecke des Fiat-Konzerns und der neuen Gruppe ermöglichten es kaum, in wichtige Zukunftstechnologien zu investieren.
Zusätzlich überlappten sich die Hersteller deutlich in ihren Absatzmärkten und verstärkten eher die Kannibalisierung der Marken, statt neue Marktpotentiale zu eröffnen. Neben diesen Gesetzen der Industrie-Logik seien es zusätzlich sogenannte weiche Faktoren, die gegen die Übernahme sprächen. Die Kulturen lägen sehr weit voneinander entfernt. Die 2004 gescheiterte Allianz und die negativen Erfahrungen seien eine zusätzliche Belastung für eine gemeinsame Unternehmenskultur. Zusätzlich sei die neue Gruppe aufgrund der hohen Verschuldung mit einem Finanzrisiko konfrontiert. Das Risiko, dass Steuergelder, die dann an Opel gegeben würden, gefährdet seien, erscheine nicht unerheblich.
FIAT & OPEL
harald rusch (SABATI)
- 04.05.2009, 21:42 Uhr
noch mehr?
EroY Cibil (Lysandus)
- 05.05.2009, 10:47 Uhr
Magna ist strategisch schlüssigere Konzept
Karsten Krug (kkrug)
- 05.05.2009, 11:08 Uhr
praktizierter Staatssozialismus....
Michael Meier (never1)
- 05.05.2009, 11:10 Uhr
da gibt es noch mehr bedeutungen für FIAT...
Sören Möller (siggo99)
- 05.05.2009, 11:33 Uhr