15.09.2009 · Während Europa über die Lasten der Opel-Rettung streitet, hat sich VW-Patriarch Ferdinand Piech den designierten Opel-Eigentümer Magna vorgeknöpft. Er wittert einen neuen Rivalen und poltert, VW könne „locker“ andere Zulieferer finden. Auch BMW will seine Bestellungen überdenken.
Der Autozulieferer Magna gerät wegen der geplanten Übernahme von Opel immer stärker unter Druck - und zwar durch die eigenen Kunden. „Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferanten unsere Konkurrenten werden“, sagte Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am Montagabend vor Beginn der Automesse IAA in Frankfurt. „Das gilt wohl für die anderen Autohersteller genauso“, fügte Piëch hinzu. Er deutete an, dass VW die Geschäftsbeziehungen zu Magna einstellen und andere Lieferanten beauftragen könne.
Schon zuvor hatte VW-Chef Martin Winterkorn mit Auftragsentzug für Magna gedroht. BMW-Produktionschef Frank-Peter Arndt kündigte im Gespräch mit der F.A.Z. an, er müsse die Bestellungen für Magna überdenken. Und sein Vorstandskollege Friedrich Eichiner sagte: „Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert. Wir haben es jetzt mit einem Fahrzeughersteller zu tun.“ Lediglich bei Daimler wird das Opel-Engagement von Magna weniger kritisch gesehen.
Der Hintergrund: Magna fertigt neben Komponenten auch ganze Autos in kleineren Stückzahlen besonderer Modelle für Hersteller wie BMW und Daimler. Bisher hat der Zulieferer es immer geschafft, diese Produktionslinien streng voneinander zu trennen, damit keiner der Kunden befürchten muss, sein Fachwissen könnte in die Hände eines Wettbewerbers gelangen. Nun kommen Zweifel an diesem Modell auf. Denn durch die Mehrheitsübernahme bei Opel wird Magna selbst zum Autohersteller und damit zum direkten Wettbewerber der eigenen Kunden - ein offensichtlicher Interessenkonflikt droht gerade bei innovativen Produkten wie etwa elektronischen Komponenten. Dass Magna zum Autohersteller wird, ist sogar intern umstritten: Der Strategiewechsel soll der Grund für den Rückzug des früheren Daimler-Managers Klaus Mangold aus dem Magna-Aufsichtsrat sein.
Hauptkunde von Magna ist zwar mit einem Viertel vom Umsatz der Opel-Miteigentümer General Motors, der wohl kaum abspringen wird. Trotzdem hat das gefährdete Auftragsvolumen einen erheblichen Umfang: Allein die jährlichen Bestellungen von VW bei Magna haben einen Gegenwert von „ungefähr 1,5 Milliarden Euro“, wie VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh schätzt. Magna-Europachef Siegfried Wolf will dennoch keine größeren Probleme erkennen: „Keiner unserer Kunden droht uns“, sagte er noch am Montagnachmittag. Außerdem werde Magna Opel in einer streng vom übrigen Geschäft des Konzerns abgetrennten Holding führen. Letztlich werde ausschlaggebend sein, dass keiner der Kunden auf die guten Produkte von Magna verzichten wolle, sagte Wolf. Das war allerdings noch einige Stunden bevor VW-Aufsichtsratschef Piëch seine Warnungen ausstieß: „In der Zulieferbranche sind schon viele unter die Räder gekommen. Das ist ein hartes Pflaster“, sagte Piëch, nach den Erfolgschancen von Magna befragt. Auf der IAA versucht Opel unterdessen, die Diskussion um die Zukunft des Unternehmens außen vor zu halten. Im Zentrum sollen neue Produkte stehen: der Kompaktwagen Astra - von dem noch nicht einmal ganz klar ist, in welchen Werken er produziert wird - und das Elektroauto Ampera, das 2011 an den Markt kommen soll. Werbesprüche auf Großleinwänden geben die Richtung vor: „Jede Geschichte braucht einen Anfang und eine gute Fortsetzung. Und jede Geschichte hat eine gute Zukunft.“
Es ist schwer zu einzuschätzen, wer bei Opel derzeit das Sagen hat: In der ersten Reihe sitzt vor Beginn der Pressekonferenz neben Betriebsratschef Klaus Franz auch Opel-Chef Hans Demant; flankiert werden die beiden vom Opel-Treuhandchef, dem Frankfurter Rechtsanwalt Alfred Hagebusch. Doch auf der Bühne führt allein GM-Europachef Carl-Peter Forster das große Wort: „Wir freuen uns auf die Zukunft mit Magna und den anderen Partner“, sagt er. Kein Wort fällt über die vielen offenen Punkte: die Vorstandsposten für General Motors, die staatliche Finanzierung, der Lohnverzicht der Beschäftigten sowie den geplanten Abbau von 10 500 der 50 000 Arbeitsplätze in Europa, davon 4000 in Deutschland.
Die IG Metall hat am Dienstag zügige Verhandlungen mit Magna angekündigt. „Je früher es eine Lösung gibt, desto besser ist es für alle Beteiligten“, sagte Berthold Huber, der erste Vorsitzende der Gewerkschaft, dieser Zeitung. Ziel sei es, betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen zu verhindern. Er warnte davor, die Sanierungsgespräche nur unter Kostengesichtspunkten zu führen. „Entscheidend ist die Frage, welche Kapazitäten gebraucht werden, damit die Restrukturierung von Opel gelingt.“ Opel-Betriebsratschef Franz redete Klartext: „Wir werden gegen die Schließung des Werks in Antwerpen kämpfen.“
Na klar ist Stronach für alle Autobauer zum Fürchten!
Ewald Haberson (flyer50)
- 15.09.2009, 12:51 Uhr
Dann gleich auch Faurecia und Delphi kündigen, oder?
Sebastian Seyfert (sejose)
- 15.09.2009, 13:08 Uhr
Von Weltposse
Kay Schmelzer (weitererfazleser)
- 15.09.2009, 13:52 Uhr
Und immer wieder grüßt der Franz....
Peter Gaul (bocadillo70)
- 15.09.2009, 14:33 Uhr
Piech poltert
Matthias Hühn (matthiashuehn)
- 15.09.2009, 14:42 Uhr