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Elektromobilität Jetzt aber!

27.05.2011 ·  Der Durchbruch in der Elektromobilität ist nicht mehr weit. Die Zukunftstechnik muss gefördert werden. Das haben Autoindustrie und Bundesregierung 2011 beschlossen. Oder war es 1976?

Von Holger Appel
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Einen Moment lang haben wir überlegt, ob wir den Artikel einfach abschreiben sollen, mit Ergänzungen an jenen Stellen, an denen die Enttarnung zu leicht gefallen wäre: also D-Mark durch Euro ersetzen, manche Jahreszahl weglassen. Herrn Müller, den Fachmann von der Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr, hätten wir vermutlich im Text belassen können, ohne aufzufliegen. Doch hier wird Ehrlichkeit noch großgeschrieben. Der Artikel mit der Überschrift „Das Elektroauto wartet noch auf die ideale Batterie“ stammt aus dem schon immer weitsichtigen Motor-Teil der F.A.Z. vom 8. September 1976. Welch ein Déjà-vu!

In der vergangenen Woche hat das Bundeskabinett ein „Regierungsprogramm Elektromobilität“ verabschiedet. Daraus lässt sich ein kleines Ratespiel anfertigen. „Hier wird die große Chance gesehen, die Abhängigkeit von der Primärenergie Mineralöl zu verringern. Nur Pessimisten fanden, dass sich beim Elektrofahrzeug die Entwicklung allzu langsam voranbewege.“ Lösung: 1976. Ohne staatliche Hilfe geht es nicht. „In dieser frühen Phase (man bemerke die Wortwahl. Später also doch?) geht es allerdings nicht um Subventionen für einzelne Unternehmen, sondern um branchenübergreifende Förderung zukunftsfähiger Technologien“, meint die Autoindustrie. Lösung: 2011. Könnte aber auch aus 1976 stammen, immerhin lernen wir in dem Artikel, dass Amerika 160 Millionen Dollar Fördermittel bereitstellt, Japan und England ihren Unternehmen helfen und Frankreich einen Interessenverband gegründet hat.

Weshalb der Bundesforschungsminister (damals Hans Matthöfer) dafür plädierte, auch in Deutschland umweltfreundliche Antriebssysteme zu fördern. 11 Millionen DM sind für die Batterieentwicklung bewilligt worden. So günstig kommt der deutsche Steuerzahler 2011 nicht mehr davon. Für die Erforschung vor allem der Batterietechnik wird bis 2013 eine Milliarde Euro zusätzlich bereitgestellt, was allerdings nur etwa die Hälfte der von der Branche gewünschten Summe ist.

Zweifellos sind Fortschritte erkennbar. An die Stelle der Natrium-Schwefel-Batterie sind Lithium-Ionen-Akkumulatoren getreten, die Zink-Luft-Zelle gilt noch immer als Geheimtipp, und die versammelte Autoindustrie forscht an neuer Technik. Doch am Energiespeicher, der bei erträglichem Gewicht ausreichenden Spielraum und akzeptable Ladezeit bietet, beißt sie sich bis heute die Zähne aus. Und an dessen Bezahlbarkeit. Die Bundesregierung hat trotzdem das Ziel ausgegeben, bis 2020 sollten eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Wie weit der Weg ist, zeigt die Statistik: Von den heute 42 Millionen angemeldeten Personenwagen fahren 2300 mit Elektromotor.

Übrigens geht es der Brennstoffzelle nicht besser. „Wahrscheinlich werden 1990 die Brennstoffzellen genügend ausgereift sein, um für den Fahrzeugantrieb eingesetzt zu werden“, hieß es. Das ist auch schon wieder zwanzig Jahre her.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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