07.05.2009 · Täglich neue Details: Im neuen Plan „Project Phoenix“, der der F.A.Z. vorliegt, sind noch sechs Werksschließungen und drastische Kürzungen in weiteren sechs Fabriken bei Fiat und GM/Opel in Europa vorgesehen. 10.000 Mitarbeiter sind betroffen.
Von Christoph RuhkampFiat hat seine Übernahmepläne für Opel und die übrigen Europaaktivitäten des Mutterkonzerns General Motors seit April überarbeitet und abgemildert an die politischen Bedürfnisse in Deutschland angepasst. Ziel der Italiener ist die Zusage milliardenschwerer Kreditbürgschaften durch die Bundesregierung im Gegenzug für Standortgarantien. Im neuen Plan „Project Phoenix“, der der F.A.Z. vorliegt, sind noch sechs Werksschließungen und drastische Kürzungen in weiteren sechs Fabriken bei Fiat und GM/Opel in Europa vorgesehen. Im alten Plan „Project Football“ (FAZ vom 6. und 7. Mai) sollten noch zehn Fabriken dicht gemacht werden. Insgesamt sind nun laut Opel-Betriebsrat rund 10.000 der addiert 108.000 Beschäftigten betroffen – nach zuvor 18.000 Beschäftigten.
Obwohl Fiat-Chef Sergio Marchionne beteuert, alle vier deutschen Standorte zu erhalten, sind auch von dem abgemilderten „Project Phoenix“ drei Standorte in Deutschland substantiell betroffen – wenn auch nur die jeweiligen Motorenwerke, nicht die Endmontagefabriken. Das geht aus dem 46 Seiten umfassenden Dokument hervor: So soll das Motorenwerk in Kaiserslautern – im Unterschied zum ebenfalls dort angesiedelten Komponentenwerk – geschlossen werden. Betroffen wären davon in Kaiserslautern gut 1000 Beschäftigte.
Drastische Kürzungen in Bochum und Rüsselsheim
Darüber hinaus sind auch drastische Kürzungen – im Fachjargon „Downsizing“ – in den Motoren- und Getriebewerken in Bochum und Rüsselsheim geplant. Insgesamt arbeiten in den drei Motoren- und Getriebewerken von GM/Opel in Deutschland rund 3600 Beschäftigte. Grund für die Kürzungen hierzulande vor allem im Bereich der Antriebe ist, dass diese Autokomponenten in einem fusionierten Konzern Fiat-Opel künftig hauptsächlich von den Italienern erstellt werden sollen. Fiat hatte in den vergangenen Tagen stets abgestritten, einen der vier deutschen Standorte schließen zu wollen. Offenbar gilt diese Zusage aber eben nur für Standorte – und nicht für einzelne Werke wie die Getriebefertigung in Kaiserslautern. Diese Tatsache musste Fiat nach und nach einräumen.
Im Ausland steht auf der Liste für Schließungen bei GM/Opel laut „Project Phoenix“ vor allem die Autofabrik der britischen Opel-Schwestergesellschaft Vauxhall im englischen Luton mit 1850 Beschäftigten. Ebenfalls dicht gemacht werden soll das Endmontagewerk im österreichischen Graz. Starke Kürzungen sind im schwedischen Trollhätten, im belgischen Antwerpen und im spanischen Zaragoza vorgesehen.
Auf der Seite von Fiat sollen zwei Endmontagewerke in in S. Giorgio Canavese und in Termini Imerese ganz wegfallen. Starke Kürzungen sind für den Standort Pomigliano in Süditalien vorgesehen. Während Fiat bei Motoren vollständig verschont bleibt, soll auf GM/Opel-Seite zudem noch das Joint Venture Ispol in Polen gestrichen werden.
Möglichst gleichmäßig in Europa
Laut „Project Phoenix“ soll die Last der Werksschließungen und Kürzungen möglichst gleichmäßig über die Länder Europas verteilt werden. Ziel der Fusion von Fiat mit Chrysler und GM/Opel in Europa ist die Erschaffung des zweitgrößten Autoherstellers der Welt mit einer Jahresproduktion von 6,4 Millionen Autos – kleiner als Japans Toyota, aber größer als Volkswagen-Porsche. Neben Opel sollen von GM auch die Schwestermarken Vauxhall in England und Saab in Schweden übernommen werden sowie GM Südafrika. In Südamerika geht es um GM Mercosul, die in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay vertreten ist. Laut „Project Phoenix“ sollen künftig je Modellarchitektur mindestens 1 Million Stück produziert werden, um die Kosten zu senken. Bisher produzieren Fiat und GM/Opel an 23 Standorten in Europa 4 Millionen Autos.
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