27.07.2011 · Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche erwartet einen Konzernumsatz von deutlich über 100 Milliarden Euro und ein Ergebnis, das die bisherigen Erwartungen übertrifft. Die Börse begeistert das allerdings nicht.
Von Susanne Preuß, StuttgartDer Autobauer Mercedes-Benz kann derzeit die Nachfrage nicht befriedigen: „Ja, es stimmt, wir hätten den Absatz noch stärker steigern können“, bestätigte Konzern-Chef Dieter Zetsche gegenüber Journalisten. „Die Produktion läuft auf Hochtouren. Wir werden sowohl im Sommer als auch im Winter durchgehend produzieren“, sagte Zetsche. Er plane mit einem Absatz von voraussichtlich 1,35 Millionen Autos.
Auch für den gesamten Daimler-Konzern äußerte sich Zetsche zuversichtlich. Die hohe Nachfrage lasse einen Umsatz von deutlich mehr als 100 Milliarden Euro erwarten. Das operative Ergebnis (Ebit) werde sich erfreulicher entwickeln als bisher erwartet und „sehr deutlich über dem Niveau des Vorjahres“ liegen. Im Quartalsbericht schreibt der Vorstand, der Aufschwung sei zu Beginn des zweiten Halbjahrs noch intakt, die Aussichten hätten sich aber erkennbar eingetrübt.
An der Börse stieß der Quartalsbericht nicht auf Begeisterung. Der Kurs der Daimler-Aktie im Tagesverlauf notierte (wie der Gesamtmarkt) meist leicht unter dem Vortageswert. Aktienhändler verwiesen darauf, dass der Konkurrent BMW jüngst seine Prognosen schon angehoben hatte und Daimler insofern lediglich marktkonform sei. Außerdem wurde erwähnt, dass die Lastwagen-Sparte etwas schlechter abgeschnitten habe als erwartet.
„Wir versuchen den Abstand zu schließen“
Tatsächlich liegt die Sparte Daimler-Trucks mit einer Umsatzrendite von 7,1 Prozent unter dem Renditeziel von 8 Prozent. „Wir versuchen den Abstand zu schließen“, sagte Spartenchef Andreas Renschler mit Blick auf die deutlich bessere Rendite des Wettbewerbers Volvo. Dazu werde auch der neue Mercedes-Lastwagen Actros beitragen, in dem zehn Jahre Entwicklungsarbeit und 2 Milliarden Euro Investitionen steckten.
Im zweiten Quartal wirke sich die Atomkatastrophe von Fukushima auf die Truck-Sparte mit ihrer japanischen Lastwagenmarke Fuso aus, allerdings weniger schlimm als zunächst befürchtet. Wie die Truck-Sparte liegt auch die Bus-Sparte mit einer Umsatzrendite von 5,2 Prozent bei leicht rückläufigem Umsatz unter der Zielrendite.
Für die dominante Autosparte weist Daimler aber im ersten Halbjahr eine Umsatzrendite von 10 Prozent aus, im zweiten Quartal sogar 10,7 Prozent. Mit Mercedes-Benz Cars hat Zetsche daher sein Ziel erreicht und er stellt auch eine nachhaltig hohe Rentabilität in Aussicht. Zusätzliche Impulse im zweiten Halbjahr erwartet Mercedes von der neuen M-Klasse, die im Herbst auf den Markt kommt. Kämpferisch gibt sich Zetsche mit Blick auf die Markteinführung der neuen B-Klasse Ende des Jahres.
„Wir fahren noch nicht im höchsten Gang“
„Wir blasen zum Angriff aufs Kompaktsegment“, sagte er. Während bisher A- und B-Klasse verhältnismäßig ähnliche Autos gewesen seien, werde Mercedes künftig in dieser Klasse mit vier sehr unterschiedlichen Modellen mehr Kundengruppen ansprechen können. Deshalb verspreche er sich erhebliche Wachstumschancen. Für die neuen Kompaktwagen baut Mercedes im ungarischen Kecskemét ein neues Werk.
Ungeachtet der Schaffung dieser zusätzlichen Produktionskapazität arbeite Mercedes derzeit dran, einzelne Engpässe aufzubohren, sagte Zetsche. „Wir fahren noch nicht im höchsten Gang. Wir können noch mehr.“ Entsprechend sei auch bei den geplanten 10 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen (davon 4000 in Deutschland) eine Variabilität allenfalls nach oben gegeben. Zu einem der wichtigsten Märkte hat sich für Daimler längst China entwickelt. Dort hat der Stuttgarter Konzern im zweiten Quartal einen Umsatz von 2,95 Milliarden Euro Umsatz erzielt, also rund 11 Prozent.
„Das führt zu einer besseren Risikoverteilung“
Vom Mercedes-Umsatz stammen nach Zetsches Angaben mehr als 15 Prozent aus China. „Das ist unverändert eine Wachstumslokomotive.“ Daimler sei froh, dass sich neben Europa und Amerika weitere Säulen des Geschäfts entwickelt hätten, neben China auch noch andere starke Märkte wie Korea oder die Türkei: „Das führt zu einer besseren Risikoverteilung.“ In China hat Daimler abseits der Marke Mercedes-Benz den Plan, im Jahr 2013 ein Elektroauto auf den Markt zu bringen. Die Kooperation mit dem Batteriespezialisten BYD bringe „interessante Erfahrungen“, sagte Zetsche.
Daimler teilte weiter mit, der Vertrag von Personalvorstand Wilfried Porth sei vorzeitig bis zum Jahr 2017 verlängert worden. Während Daimler zeitweise die Vorstandsverträge nur um drei Jahre verlängert hat, soll nun mit dem Ziel größtmöglicher Kontinuität wieder die Verlängerung um fünf Jahre üblich sein.
mmh
Gerd Lehmann (Gerd_L)
- 27.07.2011, 22:59 Uhr
Und immer schön auf die Qualität achten!
Gerhard Gehringer (ggehringer)
- 27.07.2011, 19:42 Uhr