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Chronik der Opel-Rettung Stationen einer langen Geschichte

10.09.2009 ·  Anfangs war Fiat im Rennen und auch die Chinesen. Zeitweise erwägte gar die Solarfirma Solarworld bei Opel einzusteigen: Gerüchte, Verhandlungen und das ewige Hin und Her zur Zukunft von Opel - wir haben die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

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Anfangs war Fiat im Rennen und auch die Chinesen. Zeitweise erwägte gar die Solarfirma Solarworld bei Opel einzusteigen: Gerüchte, Verhandlungen und das ewige Hin und Her zur Zukunft von Opel - wir haben die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

2008
Die Opel Muttergesellschaft General Motors leidet besonders unter der Automobilkrise. Nach Verlusten von 30 Milliarden Dollar und um eine drohende Insolvenz abzuwenden, braucht GM dringend Milliardenhilfen vom Staat.

14. November
Nach Absatzeinbruch und Verlusten bittet Opel die Bundesregierung und die Bundesländer um eine Staatsbürgschaft über eine Gesamtsumme von rund 1 Milliarde Euro. Die Ministerpräsidenten Koch und Beck sagen ihre Unterstützung zu.

17. November
Die geschäftsführende Landesregierung in Hessen billigt einen Gesetzentwurf über eine Bürgschaft von bis zu 500 Millionen Euro für die Opel und für Zulieferbetriebe der Automobilindustrie. Auch die Bundesregierung signalisiert grundsätzliche Bereitschaft zu einer Milliardenbürgschaft. Die Rufe, Opel von der Mutter GM loszulösen, werden lauter.

18. November
Opel beantragt eine staatliche Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro.

19. November
Der Bonner Solartechnikkonzern Solarworld AG will Opel übernehmen und zu einem Spezialisten für emissionsarme Fahrzeuge entwickeln. Der Antrag stößt auf Kopfschütteln und Ablehnung.

19. Dezember
Die amerikanische Regierung gewährt dem angeschlagenen Autobauer GM einen Notkredit von 13,4 Milliarden Dollar.

2009

16. Februar
Der europäische Betriebsrat von GM spricht sich dafür aus, Opel und das britische Schwesterunternehmen Vauxhall aus dem angeschlagenen Konzern auszugliedern und die schwedische Marke Saab zu verkaufen.

18. Februar
General Motors will 47.000 Stellen streichen. Opel erwägt, um Werksschließungen und Entlassungen abzuwenden, nun auch Allianzen mit Konkurrenten.

27. Februar
Opel-Aufsichtsratschef Forster, der auch das Europageschäft von GM leitet, legt einen Plan für eine Zukunft Opels als eigenständiges Unternehmen vor. Demnach hat GM Opel eine Abspaltung als eigenständiges europäisches Unternehmen in einer schriftlichen Erklärung zugesichert. Zur Schaffung des neuen Unternehmens sollen bis zu 50 Prozent der Kapitalanteile an neue Miteigentümer abgegeben werden. Zur Finanzierung künftiger Investitionen will man Bund und Länder um Kreditbürgschaften über 3,3 Milliarden Euro bitten.

4. März
Die Bundesregierung steht einer durch den Steuerzahler getragenen Rettung des Autoherstellers Opel skeptisch gegenüber. „Opel stellt kein systemisches Risiko dar“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Unionsfraktion in Berlin.

6. März
Die Bundesregierung hat noch nicht über Staatshilfen für Opel entschieden. „Wir brauchen Zeit, um eine sachgerechte Entscheidung zu treffen“, sagt Wirtschaftsminister zu Guttenberg nach einem Treffen mit Managern von Opel und GM im Bundeskanzleramt.

30. März
Der amerikanische Präsident Obama weist die Sanierungspläne von GM als ungenügend zurück. Er setzt GM eine Frist von 60 Tagen und erzwingt den Rücktritt von Konzernchef Rick Wagoner. Dessen Nachfolger wird Fritz Henderson.

23. April
Sowohl der italienische Fiat-Konzern als auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna erwägen eine Beteiligung an Opel. Der Betriebsrat fürchtet im Falle von Fiat einen höheren Stellenabbau und favorisiert Magna.

28. April
Magna legt ein erstes „interessantes Grobkonzert“ (zu Guttenberg) vor. Gemeinsam mit dem russischen Autobauer GAZ und der Sberbank plant Magna sogar eine Mehrheitsübernahme.

12. Mai
Neben Fiat und Magna gibt es einen dritten Interessenten für Opel. Der amerikanischen Finanzinvestor Ripplewood will sich über seine in Brüssel ansässige Tochtergesellschaft RJH International beteiligen.

14. Mai
Die Bundesregierung plant, den Autohersteller über ein Treuhandmodell zu retten. Demnach soll GM als Voraussetzung für staatliche Hilfen für Opel Aktien von Opel an einen Treuhänder übereignen.

26. Mai
Die Chinesische Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC) will in das Bieterrennen um Opel einsteigen

27. Mai
GM bündelt kurz vor der erwarteten eigenen Insolvenz das europäische Geschäft bei Opel, um die Übername durch einen möglichen Investor zu ermöglichen. Das Gezerre zwischen den vier Kaufinteressenten verschärft sich. Die drei offiziellen Bieter wollen alle vier Standorte in Deutschland erhalten. Fiat, Magna und RHJ planen aber jeweils den Abbau von rund 10.000 der 50.000 Arbeitsplätze bei General Motors (GM) Europa sowie von etwa 2500 der 25.000 Stellen in Deutschland.

30. Mai
Einigung auf ein Konzept zwischen Bund, Ländern, GM, Magna und dem amerikanischen Finanzministerium, um Opel vor der Insolvenz zu retten: Opel wird aus dem GM-Verbund herausgelöst und an einen Treuhänder übergeben. Das Unternehmen erhält einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro. Magna sichert zu, die vier deutschen Opel-Standorte erhalten zu wollen. Eine Absichtserklärung wird unterzeichnet. Das Papier ist nicht bindend.

1. Juni
GM stellt in New York einen Insolvenzantrag nach Kapitel 11 des amerikanischen Konkursrechtes. Die Regierung erhält 61 Prozent der Anteile und gibt für die „neue“ GM noch einmal 30 Milliarden Dollar. Opel ist von der Insolvenz nicht mehr betroffen, da 65 Prozent der Anteile bei der Staats-Treuhand liegen.

2. Juni
Opel Treuhandchef Alfred Hagebusch will Opel bis Ende des Jahres an einen Investor verkaufen. Als staatlich garantierte Finanzierung erhält Opel 4,5 Milliarden Euro. Davon kommen 1,4 Milliarden Euro aus Belgien, Österreich, Polen und Spanien.

18. Juni
Der chinesische Bieter hat weiterhin Interesse und erhält die Erlaubnis zur Prüfung der Bücher.

22. Juni
GM will gegen den Willen von Magna eine Rückkaufoption für Opel erhalten.

28. Juni
Ein Angebot der europäischen Opelhändler, sich mit 10 bis 20 Prozent an Opel zu beteiligen, ist mangels Interesse von GM und Magna vom Tisch.

10. Juli
Nach nur 40 Tagen ist GM aus der Insolvenz entlassen. GM steht, nun mehrheitlich im Staatsbesitz.

16. Juli
RHJ meldet mit einem verbesserten Angebot wieder verstärktes Interesse an Opel an. Der Finanzinvestor will in einem ersten Schritt 175 Millionen einbringen und dafür 50, 1 Prozent übernehmen.

20. Juli
GM erhält drei Kaufangebote für Opel. BAIC, Magna und RHJ reichen Vertragsentwürfe ein.

31. Juli
Dank der Abwrackprämie steigert Opel seinen Fahrzeugabsatz in Deutschland um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr.

7. August
Nachdem Magna im Bieterwettbewerb schon wie der sichere Sieger ausgesehen hat, gerät es nun ins Hintertreffen. Die Gespräche mit GM, das RHJ favorisiert, geraten ins Stocken.

12. August
RHJ bietet eine Offerte für Opel, die mit 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe weniger auskommen soll als das Angebot von Magna.

13. August
Magna kommt in den Verhandlungen mit GM seinem Ziel näher, hat aber noch nicht den Zuschlag für Opel erhalten.

19. August
Deutschland ebnet Magna den Weg. Bund und Länder wollen den staatlich garantierten Kredit für Magna von 4,5 Milliarden Euro zunächst vollständig allein stemmen – also ohne Beteiligung anderer europäischer Länder, wie es bislang vorgesehen ist.

21. August
Der Verwaltungsrat von GM vertagt erneut eine Entscheidung zu Opel.

24. August
Die Bundesregierung will mehr Druck auf GM machen und plant weitere Gespräche mit GM. Der Betriebsrat plant Proteste der Opelmitarbeiter in Berlin für, um einen Verkauf an Magna zu unterstützen.

25. August
Der Verwaltungsrat von GM erwägt die Option, dass das aus der Insolvenz gestärkt hervorgegangen Unternehmen Opel nicht verkauft, sondern selbst behält.

1. September
RHJ bessert sein Kaufangebot für Opel nach. Man will jetzt mit 3,2 Milliarden Euro Staatskredit auskommen – statt wie zunächst geplant mit 3,8 Milliarden Euro. Die Bundesregierung bevorzugt weiterhin Magna.

5. September
Medien berichten, dass GM die Tochter Opel behalten will. Die endgültige Entscheidung soll in einer Verwaltungsratssitzung am 9. September getroffen werden.

9. September
Finanzminister Steinbrück macht den Verkauf an Magna zur Bedingung für Staatskredite. Zudem müsste GM im Falle eines Nichtverkaufs gut 4,1 Milliarden Euro aufbringen.

F.A.Z.-Archiv Hans-Josef Susenburger

Quelle: F.A.Z.
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