13.01.2012 · Jeder dritte Volkswagen wird in China verkauft. Damit wird der Konzern immer abhängiger vom Absatz in der Volksrepublik. Doch das Wachstum sinkt. Nun plant VW noch mehr Investitionen.
Von Christian Geinitz, PekingDer Volkswagen-Konzern wird immer abhängiger von China, seinem mit Abstand wichtigsten Markt. Dort schwächt sich das Wachstum allerdings ab. Wie die Volkswagen-Gruppe am Freitag in Peking mitteilte, stieg der Absatz in der Volksrepublik und Hongkong 2011 um 17,7 Prozent auf 2,26 Millionen Fahrzeuge. Das waren fast 28 Prozent der in aller Welt verkauften 8,16 Millionen Einheiten.
Erstmals war China nicht nur für die Marke VW das wichtigste Absatzgebiet, sondern auch für Audi und Skoda. Der Gruppenverkauf wuchs zwar dreimal so stark wie der gesamte chinesische Personenwagenmarkt, der um 5,2 Prozent zulegte. Der Anstieg war aber nicht halb so hoch wie 2010, als Volkswagen 37 Prozent mehr verkauft hatte.
Für das laufende Jahr wird mit einer weiteren Wachstumsabschwächung gerechnet. Landeschef Karl-Thomas Neumann sagte am Freitag: „Obgleich wir erwarten, dass auf die Autoindustrie härtere Bedingungen zukommen, wollen wir unsere Marktführerschaft in China beibehalten.“ Der Automobilverband CAAM rechnet für 2012 mit einem Absatzanstieg aller Kraftfahrzeugarten um 8 Prozent, VW möchte wiederum stärker wachsen als der Markt.
Dazu will man neue Käufer in den weniger entwickelten Westprovinzen Chinas gewinnen; bisher konzentriert sich der Konzern auf den industrialisierten Norden, Osten und neuerdings auch Süden des Landes. Neumann rief eine „Go-West-Strategie“ aus. Es gebe ein „großes Expansionspotential in Chinas ländlichen Gebieten“, sagte er. Der erste Schritt Richtung Westen sei im September die Eröffnung eines neuen Werks in Chengdu gewesen, der Hauptstadt der Provinz Sichuan.
Es werde weitere Investitionen geben, weshalb man das Ausgabenprogramm für China abermals erhöhe, kündigte Neumann an. Bisher wollten VW und seine staatlichen chinesischen Zwangspartner SAIC und FAW zwischen 2012 und 2016 rund 14 Milliarden Euro aus den in China erwirtschafteten Mitteln in neue Werke und Modelle stecken.
Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung denkt VW darüber nach, in Urumqi, der Hauptstadt der Nordwestprovinz Xinjiang, 2013 ein weiteres Werk zu eröffnen (F.A.Z. vom 7. Dezember). Nach Angaben des Planungsministeriums der Provinz wollen VW und SAIC dort 2 Milliarden Yuan (250 Millionen Euro) in den Aufbau einer jährlichen Kapazität von 50.000 Autos der so genannten Größe A stecken. Das könnten die Modelle Skoda-Octavia, VW-Polo oder VW-Lavida sein; Letzteren gibt es nur in China.
Am besten entwickelt sich die VW-Marke Audi, der erfolgreichste Premiumanbieter in China. Bei ihr nahmen die Verkäufe um 37 Prozent auf 313.000 Auslieferungen zu, so dass China 2011 erstmals Audis größter Markt war. Skoda, wo das ebenfalls gilt, steigerte den Verkauf um 22 Prozent auf 220.100 Einheiten.
Die Marke VW, die mehr als jedes dritte Fahrzeug im Reich der Mitte verkauft, wuchs unterdurchschnittlich um 13,8 Prozent auf 1,72 Millionen Fahrzeuge. Die Edelmarken Bentley und Lamborghini verkauften 1780 und 403 Einheiten. Seat liefert erst seit Jahresbeginn nach China. Das Sorgenkind der VW-Gruppe will hier 2012 etwa 3500 Neuwagen verkaufen.
Eine erfolgreiche Bilanz
Hermann Eichhorn (allace64)
- 13.01.2012, 11:13 Uhr
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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