27.05.2009 · Mit einem klaren Vorzug für den Zulieferer Magna geht Hessens Ministerpräsident Koch (CDU) in die Opel-Runde im Kanzleramt. Derweil sieht der Gesamtbetriebsrat die Trennung des Rüsselsheimer Autobauers von General Motors als unterschriftsreif an.
Mit einem klaren Vorzug für den Zulieferer Magna geht Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in die Opel-Runde im Kanzleramt. Das Konzept zur Übernahme des Autoherstellers sei überschaubarer und klarer beurteilbar als bei der Konkurrenz, sagte der Ministerpräsident am Mittwoch in Frankfurt. Fiat sei für die Beteiligten eine „Black Box“, von der niemand genaue Zahlen gesehen habe.
Derweil mahnte sein Stellvertreter Jörg-Uwe Hahn (FDP), die Politik dürfe sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) hielt den beteiligten Ministerpräsidenten, darunter auch Koch, vor, sie liefen Gefahr, zu sehr als Autobauer aufzutreten. Die einzige bekannte Zahl sei ein negativer Cash-Flow von 3,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ohne nachhaltige Änderung würde sämtliche staatliche Hilfe für Opel innerhalb von zwei Jahren allein bei Fiat verschwinden. Er sei sehr dafür, dass kein europäisches Geld in die Vereinigten Staaten gehe, sagte Koch. „Ich will auch, dass kein Cent deutsches Geld nach Italien fließt.“
GM gibt Opel-Patente frei
Auch die Opel-Arbeitnehmervertreter sprechen sich für Magna aus. Wie auch der Finanzinvestor Ripplewood hatte der österreichisch-kanadische Autozulieferer sein Konzept am Dienstag den Betriebsräten vorgestellt, während Fiat dem Treffen fern geblieben war. Unmittelbar vor einem Spitzentreffen in Berlin am Mittwoch sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der deutschen Tochter von General Motors (GM), Klaus Franz, die Trennung der Unternehmen sei praktisch unterschriftsreif. Er habe das Dokument selbst gesehen, „das sieht sehr gut aus und läuft alles in die richtige Richtung“. Wichtig sei, dass die Hängepartie bei Opel beendet werde.
Ein Opel-Sprecher teilte dazu mit, die europäischen Werke, Patente und der Zugriff auf Technologien seien schuldenfrei auf die Adam Opel GmbH übertragen worden. Der Aufsichtsrat habe das zur Kenntnis genommen und beschlossen (Entscheidung über Investor verzögert sich).
Die Zeit drängt
Bei dem Treffen im Kanzleramt müsse eine Vorentscheidung für einen Investor fallen, verlangte Koch. Weitere Wochen der Prüfung brächten voraussichtlich keine neue Erkenntnisse. Der Staat müsse aus Verantwortung für die geplanten Bürgschaften die Perspektive des neuen Unternehmens kennen. „Wir sind darauf angewiesen zu wissen, wer es nachher macht.“ Die Zeit dränge, weil die staatliche Brückenfinanzierung viel Geld koste und nicht aufgeschoben werden könne. Mit der möglichen Insolvenz der Opel-Mutter General Motors (GM) in den Vereinigten Staaten fehle Opel sonst von einem Tag auf den anderen die Liquidität. Jeder Zulieferer sei in diesem Fall rechtlich gezwungen, für jede Schraube Vorkasse zu verlangen. Er gehe davon aus, dass die amerikanische Regierung dem Treuhandmodell zugestimmt hat, sagte Koch.
Die entscheidende Frage bei der Investorenwahl sei die nach dem eingebrachten Eigenkapital, meinte der Regierungschef des Bundeslandes mit den meisten Opel-Arbeitsplätzen. „Was ist das eigene Risiko, das einer trägt, wenn er dieses Investment beginnt?“ In dieser Hinsicht seien alle Angebote noch nicht ausreichend, es werde aber sicherlich im Laufe des Tages noch nachgelegt.
Die Haltung von Bund und Länder schätze er einheitlicher ein, als es in der Öffentlichkeit scheine, sagte Koch. Die am Mittwoch in einigen Zeitungen verbreitete Analyse sei die Meinung eines Investmentbankers und nicht die der Bundesregierung. Dass solche Papiere „durchgestochen“ würden, zeuge von der Intensität der „Bieterschlacht“. In dem Papier war insbesondere die geringe Eigenkapitalausstattung beim Magna-Modell kritisiert worden.
Koch redet wie TSG
Arwed Schmidt (SDT)
- 27.05.2009, 16:07 Uhr