18.06.2009 · Der Autozulieferkonzern Magna bekommt im Bieterwettbewerb um Opel nun doch noch ernsthafte Konkurrenz. Der staatliche chinesische Autohersteller Beijing Automotive Industry Corp. hat die Erlaubnis zur Prüfung der Bücher von Opel erhalten.
Von Christoph RuhkampDer Autozulieferkonzern Magna bekommt im Bieterwettbewerb um Opel nun doch noch ernsthafte Konkurrenz. Der staatliche chinesische Autohersteller Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC) aus Peking hat die Erlaubnis zur Prüfung der Bücher von Opel erhalten. Das wird aus Kreisen des insolventen einstigen Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) bestätigt. BAIC will schon in den kommenden Tagen mit der sogenannten "Due Diligence" im elektronischen Datenraum beginnen. Der nächste Schritt wäre eine verbindliche Offerte an die Bank Dresdner Kleinwort.
Darüber hinaus ist laut Unternehmenskreisen für die nächsten zwei Wochen der Besuch einer Delegation aus China geplant. BAIC-Chairman Xu Heyi wolle dann bei Betriebsräten, Gewerkschaften und Politikern um Vertrauen für seinen industriellen Plan werben. In einem ersten Grobkonzept von Ende Mai - das verspätet eingereicht wurde und nur zwei Seiten umfasste - hatten die Chinesen den Bedarf an staatlich garantierten Krediten für Opel auf 4 bis 5 Milliarden Euro beziffert. Sie würden zudem mehr als 500 Millionen Euro Eigenkapital für Investitionen einbringen und in den ersten zwei Jahren nach einer Übernahme in Deutschland kein Personal abbauen sowie langfristig alle vier Standorte hierzulande erhalten. Damit würde BAIC in allen relevanten Punkten etwas größere Zugeständnisse machen als der Rivale Magna.
Dass BAIC es ernst meint, zeigt der illustre Kreis der Verbündeten. Als technischen Berater hat das Unternehmen den Daimler-Konzern an seiner Seite, mit dem bereits ein Gemeinschaftsunternehmen in China besteht. Für die Abwicklung der Transaktion wurde die Deutsche Bank engagiert, und bei der Buchprüfung hilft PricewaterhouseCoopers.
Für die Bundesregierung und für GM ist der Einstieg der Chinesen in den Bieterprozess ein willkommenes Mittel, den Druck in den Verhandlungen mit Magna zu erhöhen. Magna-Chef Siegfried Wolf will bis Mitte Juli einen verbindlichen Vertrag über den Kauf von 55 Prozent an Opel unterzeichnen. Seit kurzem gehören 65 Prozent an Opel einer staatlich kontrollierten Treuhandgesellschaft in Deutschland, die mit dem Weiterverkauf binnen sechs Monaten betraut ist. Neben BAIC und Magna hat auch Fiat weiterhin Interesse bekundet.
Für den bisher wenig beachteten Bieter aus China wäre der Einstieg durchaus sinnvoll. BAIC, das von der Stadt Peking kontrolliert wird, ist aus Mangel an eigenen Markenprodukten bisher sehr von seinen Partnern Hyundai und Daimler abhängig. Bei Opel ginge es für BAIC um den Erwerb von Technik und Fachwissen sowie um die Marke.
Alternativen zu Sberbank Einstieg dringend erforderlich
Michael Krause (KanzleiKrause)
- 19.06.2009, 13:36 Uhr