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Bieterkampf Magna gerät bei Opel ins Hintertreffen

07.08.2009 ·  Die Gespräche von Magna mit General Motors stecken fest. Grund ist die Verquickung mit russischen Interessen. Der Bieter RHJ prüft nun eine neue Offerte - sagt RHJ-Manager Gerd Häusler.

Von Christoph Ruhkamp
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Die Verhandlungen zwischen dem Autozulieferkonzern Magna und General Motors (GM) über den Verkauf von Opel drohen in den kommenden Wochen vollständig zu scheitern. „Der Hauptgrund ist die Verquickung von Magna mit der staatlichen russischen Sberbank“, sagte eine mit den Gesprächen gut vertraute Person. Eine Wende zugunsten von Magna könne wohl nur noch auf politischer Ebene herbeigeführt werden – etwa indem Bundeskanzlerin Angela Merkel die amerikanische Regierung als Haupteigentümerin von GM direkt um den Zuschlag für den Investor Magna bitte, den der Bund präferiert.

Denn aus Sicht von GM enthält das Angebot von Magna drei unannehmbare Forderungen, die alle auf die Interessen des Magna-Finanzierungspartners Sberbank zurückzuführen sind. Erstens sollen nach dem Willen von Magna die 55 Prozent der Opel-Anteile, die Magna und Sberbank gemeinsam kaufen wollen, später an die russische Staatsbank VEB weitergereicht werden dürfen. Zweitens soll das gleiche für Nutzungsrechte von Opel auf GM-Patente gelten, die zum Teil von militärischem Nutzen sind. Drittens wollen Magna und Sberbank das GM-Russlandgeschäft inklusive der GM-Marke Chevrolet übernehmen. Befürchtet wird, dass Opel allein der Sanierung der technisch rückständigen russischen Autoindustrie dienen soll – zumal Magna keinen Einblick in seinen Konsortialvertrag mit der Sberbank gewähre.

GM lehnt alle drei Forderungen rundweg ab

GM lehnt alle drei Forderungen von Magna und der Sberbank rundweg ab. Mit den Verhandlungen vertraute Personen erwarten nun, dass GM noch ein bis drei Wochen mit Magna spricht. Lässt sich Russland nicht außen vor halten, werde GM wohl letztlich eine Empfehlung für den Bieterkonkurrenten RHJ abgeben. Erwartet wird darüber hinaus, dass sich dann auch der fünfköpfige Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft mehrheitlich für RHJ ausspricht.

Dann läge der „Schwarze Peter“ bei Bund und Ländern, die sich stark auf Magna festgelegt haben. Die Politik in Deutschland stünde dann kurz vor der Bundestagswahl vor einem Dilemma: Denn sie hat schon 1,5 Milliarden Euro Kredit an Opel ausgezahlt. Soll dieses Geld nicht im Zuge einer Insolvenz von Opel verloren gehen, müssten Bund und Länder noch einmal rund 1 Milliarde Euro nachschießen – und zwar an den ungeliebten Bieter RHJ. Zusätzlich müssten die anderen europäischen Länder mit Opel-Standorten ihren Beitrag von rund 2 Milliarden Euro leisten. Die amerikanische Regierung hat nach Angaben aus Kreisen abgelehnt, GM weitere Milliarden für die Sanierung von Opel zu geben.

RHJ geht in die Offensive

Da sich GM und Magna derzeit in einer Sackgasse befinden, geht der Finanzinvestor RHJ wieder in die Offensive. „Wir prüfen mit GM eine Verbesserung unseres Angebots“, sagte RHJ-Manager Gerd Häusler dieser Zeitung. Es sei möglich mit 200 Millionen Euro weniger Staatshilfe auszukommen als geplant; RHJ bräuchte dann nur noch 3,6 Milliarden Euro Staatskredit – im Unterschied zu 4,5 Milliarden Euro bei Magna. Voraussetzung dafür sei aber, dass GM bei den Lizenzgebühren RHJ die gleichen Konditionen wie Magna gewähre – also 3,5 Prozent vom Umsatz je verkauftem Auto. „Wir haben unterschriftsreife Verträge mit GM. Wenn die Politik eine schnelle Lösung für Opel will, sollte sie uns den Zuschlag geben“, sagt Häusler.

Nach Angaben des RHJ-Managers will der Finanzinvestor seine größten Anstrengungen darauf richten, Opel so schnell wie möglich in die Gewinnzone zurückzuführen. „Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn uns von Seiten der Politik immer wieder vorgeworfen wird, wir hätten kein industrielles Konzept“, sagte Häusler. Auch RHJ strebe an, den Absatz von Opel im Ausland, insbesondere in Schwellenländern, auszuweiten. Nur wolle RHJ dafür im ersten Schritt keine Steuergelder einsetzen, sondern sich zunächst auf die Heimatmärkte in Westeuropa von Opel konzentrieren. Daraus resultiere der geringere Bedarf an Staatskredit. Später solle dann eine Auslandsexpansion von Opel über den Kapitalmarkt finanziert werden.

Darüber hinaus wird RHJ von Seiten der Politik und der Opel-Betriebsräte abgelehnt, weil der Finanzinvestor in Deutschland 3900 Stellen abbauen will – und damit deutlich mehr als Magna mit 2500 Stellen. „Der Grund dafür ist, dass wir den Stellenabbau nach betriebswirtschaftlichen Kriterien über die europäischen Standorte verteilen“, sagte Häusler. RHJ würde – ebenso wie in Deutschland – auch kein Werk der britischen Opel-Schwestergesellschaft Vauxhall in Großbritannien schließen. Das erklärt Häusler damit, dass die Produktion im für das Unternehmen wichtigen Markt Großbritannien zugleich eine natürliche Absicherung gegen Wechselkursschwankungen ist. Opel habe schon viel Geld verloren, weil das Pfund stark an Wert gegenüber dem Euro einbüßte.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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