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Automobilindustrie Opel-Chef treibt Abtrennung von GM voran

04.09.2009 ·  Während in der GM-Führung über den richtigen Investor für Opel noch gestritten wird, treibt Carl-Peter Forster im Tagesgeschäft die Abgrenzung von GM voran. Er bevorzugt - wie die Bundesregierung - Magna als Investor. Für diesen Fall plant er die Produktion eines neuen Kleinstwagens unterhalb des Corsa.

Von Christoph Ruhkamp
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Im Streit um Opel spricht sich das Management des deutschen Autoherstellers indirekt für eine Übernahme durch den kanadischen Autozulieferer Magna aus. "Ich will mich in die Frage, wer der neue Eigentümer von Opel wird, in der Öffentlichkeit nicht einmischen. Ich habe aber allerdings großes Verständnis für die Position der Bundesregierung in dieser Sache", sagte Carl-Peter Forster im Gespräch mit der F.A.Z. Forster ist Chef des Europa-Geschäfts von General Motors (GM) und leitet die Sanierung von Opel. Die Bundesregierung, mit der Forster konform geht, plädierte zuletzt stets für Magna und gegen den Finanzinvestor RHJI sowie gegen einen Verbleib von Opel beim ehemaligen Mutterkonzern GM.

Forster wagt keine Prognose, ob der Verwaltungsrat von GM nach seiner Sitzung am Dienstag und noch vor der Bundestagswahl eine Entscheidung trifft. Äußerst unwahrscheinlich sei jedoch, dass GM sich für eine Insolvenz von Opel entscheiden könnte. Denn Ziel eines Insolvenzverfahrens sei stets die Verringerung der Verbindlichkeiten. Opel habe aber neben dem Staatskredit von 1,5 Milliarden Euro praktisch nur noch die Pensionsverbindlichkeiten von 4,5 Milliarden Euro gegenüber den eigenen Beschäftigten. Zudem sei mit einer Insolvenz stets eine deutliche Verringerung des Absatzes verbunden, weil die Kunden verunsichert reagieren. Auch der Verbleib von Opel bei GM sei unwahrscheinlich, weil für diese Option der amerikanische Staat die Sanierung mit umgerechnet 3 Milliarden Euro finanzieren müsste, dies bisher aber stets abgelehnt habe. Während über den richtigen Investor für Opel in der Unternehmensspitze von GM noch gestritten wird, treibt Forster im Tagesgeschäft die Abgrenzung von GM voran. Startschuss dafür war Ende Mai die Bündelung des Europa-Geschäfts von GM bei Opel - mit Ausnahme der schwedischen Schwestermarke Saab. "Seitdem haben wir die größte Anstrengung darauf verwendet, Opel eigenständig aufzustellen", sagte Forster.

"Für die Eigenständigkeit von Opel wird die bisherige Konzernzentrale in Zürich aufgelöst und nach Rüsselsheim verlegt." Dies betreffe gut 100 Beschäftigte, für die neue Stellen im Konzern gefunden wurden. Darüber hinaus seien die Unternehmenseinheiten für Vertrieb und Entwicklung der GM-Marken Chevrolet und Saab von Opel abgetrennt worden. Es gebe weiter eine Zusammenarbeit in diesen Bereichen, aber nur in Form von gemeinsam beauftragten Dienstleistungsfirmen. Zudem wurde die Europa-Organisation von GM Powertrain aufgelöst und in die Adam Opel GmbH integriert, in die Sparte für die Getriebefertigung.

Geschäft mit Flottenkunden reduziert

Bei Opel steht derweil die Senkung der Kosten im Vordergrund: "Wir müssen mit dem Kredit von Bund und Ländern über 1,5 Milliarden Euro möglichst lange auskommen", sagte Forster. Deshalb würden bisher nur Maßnahmen zur Restrukturierung umgesetzt, die sich binnen sechs Monaten amortisieren und deshalb keine kurzfristige Belastung für die Liquidität darstellen. Mit dem notwendigen Personalabbau, der wegen der damit verbundenen Abfindungen teuer ist, soll erst nach der Entscheidung über einen neuen Eigentümer für Opel begonnen werden. Zumal zwar jeder der Kaufinteressenten rund 10 000 der 50 000 Stellen bei Opel in Europa abbauen würde, die Kürzungen aber je nach Investor unterschiedlich über die Länder verteilt sind.

Der Absatz von Opel wird sich im laufenden Jahr laut Forster voraussichtlich um rund 20 Prozent auf 1,25 Millionen Autos verringern. Nach Plänen des Opel-Managements, die der F.A.Z. vorliegen, wird 2009 auch der Umsatz um rund 20 Prozent auf etwa 16 Milliarden Euro sinken. Dank der staatlichen Abwrackprämien in mehreren Ländern und wegen eines gewissen Solidarisierungseffekts läuft das Geschäft mit Privatkunden gut. "Reduziert haben wir jedoch unser Geschäft mit Flottenkunden, weil wir dafür ein großes Lager vorhalten müssten. Um die Kosten zu senken, haben wir jedoch unser Lager seit Ende 2008 um die Hälfte reduziert", sagte Forster.

Wenn bereits im laufenden Jahr nach dem geplanten Eigentümerwechsel mit der Sanierung und dem wegen der Abfindungen teuren Stellenabbau begonnen werden kann, dann wird Opel laut internen Prognosen, die dieser Zeitung vorliegen, einen Verlust vor Zinsen und Steuern von etwa 2,4 Milliarden Euro einfahren. "Vom staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro, der noch bis Januar reicht, ist bisher rund die Hälfte verbraucht", sagte Forster. Das Geld wurde nach seinen Angaben vor allem für drei Zwecke eingesetzt: Erstens mussten im August - wenn während der Betriebsferien weniger Autos hergestellt und verkauft werden - die Lieferanten ausgezahlt werden. Zweitens wurde in die Werkzeuge für die Produktion des neuen und am meisten produzierten Kompaktmodells Astra europaweit investiert. Produziert wird das Auto im englischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice. Ob auch Bochum oder Rüsselsheim bedacht werden, steht noch nicht fest. Drittens erfolgten erste Investitionen in Werkzeuge für die Produktion des Kompaktvans Zafira in Bochum und des Minivans Meriva in Spanien.

Sollte Opel an den Autozulieferer Magna verkauft werden, den auch Bund und Länder als Investor bevorzugen, dann plant Forster die Produktion eines neuen Kleinstwagens unterhalb des Kleinwagens Corsa. Während GM diesen Plan ablehnte, habe Magna für diesen Zweck rund 250 Millionen Euro in seinen Geschäftsplan eingestellt. Von dem neuen Kleinstwagen könnte es auch eine Variante mit einem von Magna entwickelten Elektroantrieb geben. "Mit der Produktion des neuen Mini-Modells könnten wir 2012 starten", sagte Forster. Chancen erhofft er sich auch durch die Kooperation von Magna mit dem russischen Autohersteller GAZ. Dieser könnte von den Ingenieuren in Rüsselsheim ein eigenes Fahrzeug, ein sogenanntes Popular car, entwickeln lassen. Dabei gehe es nicht um Hochtechnologie für GAZ, sondern um ein einfaches, solides Auto, das in bestimmten Kriterien vielleicht dem Modell Logan der rumänischen Renault-Tochtergesellschaft Dacia ähneln könne und etwa 8000 Euro kosten würde.

Die Abtrennung von Saab werde mit dem Verkauf an die schwedische Sportwagenmanufaktur Koenigsegg vollendet. Dazu müsse nur der Kapitalbedarf von Koenigsegg für die Übernahme von 950 Millionen auf 650 Millionen Dollar verringert werden. Hier gebe es eine Liste von Maßnahmen, die das möglich machen könnten. Nach dem Verkauf soll die einst für Rüsselsheim vorgesehene Produktion des neuen Saab 9-5 nach Trollhättan bei Göteborg verlagert werden.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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