Der amerikanische Autokonzern General Motors (GM) und der französische Wettbewerber Peugeot haben ihre Allianz besiegelt. Die Amerikaner beteiligen sich mit 7 Prozent an PSA Peugeot Citron. Beide Unternehmen planen eine Kooperation in der Produktentwicklung, im Einkauf sowie in der Logistik. Das Engagement von GM ist Teil eines größeren Programms zur Kapitalbeschaffung bei den Franzosen, die im Zuge einer Kapitalerhöhung 1 Milliarde Euro einsammeln wollen. GM-Vorstandsvorsitzender Dan Akerson sagte am Mittwochabend, dass es sich nicht um einen Zusammenschluss handele. Der Anteil werde nicht aufgestockt.
Beide Unternehmen kündigten an, dass sie Fahrzeugarchitekturen, Komponenten und Module gemeinsam entwickeln und weltweit nutzen wollen. Zudem wird eine Einkaufsgemeinschaft gegründet. Das gemeinsame Einkaufsvolumen beziffern GM und Peugeot mit 125 Milliarden Dollar. Das erste Auto mit einer gemeinsamen Architektur soll 2016 auf den Markt kommen. Zugleich wollen sie weitere Felder einer Zusammenarbeit ausloten. Nach fünf Jahren erhoffen sich die Partner Kostensenkungen etwa über Mengeneffekte und niedrigere Einkaufspreise sowie zusätzliche Einnahmen (Synergien) von insgesamt 2 Milliarden Dollar.
Über den Einstieg von GM bei dem angeschlagenen französischen Unternehmen wird seit Tagen spekuliert (F.A.Z. vom 29. Februar). Der Anteil von 7 Prozent an PSA hat gemessen am jüngsten Aktienkurs einen Wert von 245 Millionen Euro. Der Betrag ist für GM angesichts seiner Barmittel von rund 37 Milliarden Dollar einfach zu finanzieren. GM begründete die Beteiligung mit dem Bekenntnis zu der Allianz sowie mit der finanziellen Unterstützung für Peugeot.
Die Allianz führt zwei Unternehmen zusammen, die mit gewaltigen Schwierigkeiten kämpfen. „Die Partnerschaft birgt enorme Chancen für unsere beiden Unternehmen“, sagte der GM-Chef. Die Amerikaner wie auch PSA betonten, dass die eigenen Restrukturierungsaufgaben von dem neuen Bündnis nicht betroffen seinen. Mit den anderen Plänen für eine Ergebnisverbesserung sei GM in Europa auf langfristige und nachhaltige Profitabilität ausgerichtet, sagte Akerson.
GM ist zwar nach seiner Radikalkur in einem Insolvenzverfahren vor wenigen Jahren heute wieder profitabel. Für 2011 meldete der Vorstand einen Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar. Das Europa-Geschäft mit Marken wie Opel und Vauxhall ist aber das Sorgenkind und war zuletzt hochdefizitär. Allein im Schlussquartal gab es im Europa-Geschäft einen Verlust von 562 Millionen Dollar. Bei PSA türmen sich die Verluste im Autogeschäft. Dank der Logistiksparte und anderer Tochtergesellschaften wies der Konzern zuletzt noch einen Gewinn aus.
Für Opel kann eine Allianz zwischen GM und Peugeot gravierende Folgen haben. Zwar besitzt die verlustreiche Tochtergesellschaft der Amerikaner am Stammsitz Rüsselsheim mit dem Designzentrum eine hohe Forschungs- und Entwicklungskompetenz. Die Franzosen aber werden eine solche Allianz kaum eingehen, wenn sie nicht erhebliche Vorteile aus einer Zusammenarbeit mit GM und damit auch mit Opel ziehen könnten. So sollen gemeinsame Plattformen für Klein- und Mittelklassewagen sowie für Mehrzweckautos entwickelt werden. PSA hat eine große Kompetenz bei Klein- und Kompaktautos und im Bau von kleinen Dieselmotoren, die es auch an BMW und Mini liefert. Opel ist für die Franzosen wegen des Mittelklasse-Modells Insignia interessant.
GM hat es Opel verwehrt, seine Autos in Asien oder Amerika zu verkaufen, während die Amerikaner in Europa die Marke Chevrolet ausgebaut haben. Da Peugeot einen Auftritt über Europa hinaus versäumte, könnten die Franzosen nun auch Hilfe von GM bei dem Marktauftritt auf anderen Kontinenten einfordern. Das würde die Erholungschancen für Opel schwächen. Bedeckt hielt sich Akerson bei der Frage, ob GM den Franzosen bei der Ausweitung des Auslandsgeschäftes über Europa hinaus helfen würde. GM verwies nur auf die bereits bestehenden Auslandsnetzwerke beider Konzerne. Im geplanten Lenkungsausschuss, der von GM und PSA paritätisch besetzt wird, sei Opel vertreten und würde seinen Einfluss ausüben können, sagte Akerson. Das europäische Arbeitnehmerforum von GM/Opel/Vauxhall reagierte angesichts der zu erwartenden Tragweite recht bedacht. Das Forum, hieß es am Abend, sehe in der Allianz Chancen und Risiken.
Wo liegen die wirklichen Chancen einer Kooperation?
Rolf Kreutzmann (Kreutzmann)
- 02.03.2012, 14:29 Uhr
Wird auf dieser Zusammenarbeit je ein Segen liegen?
Hermann Eichhorn (allace64)
- 01.03.2012, 10:05 Uhr