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Autokrise Fiat will Opel ohne Geld kaufen

20.05.2009 ·  Fiat, Magna und der Finanzinvestor RHJ International wollen für Opel bieten. Sie müssen ihre detaillierten Konzepte an diesem Mittwoch dem Wirtschaftsministerium einreichen. Kurz vor dem Ende der Frist sickern erste Details aus den Konzepten durch.

Von Christoph Ruhkamp, Holger Appel und Henrike Roßbach
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Kurz vor dem Ende der Bieterfrist für Opel an diesem Mittwoch zeichnen sich einige Details aus den Konzepten der insgesamt drei konkurrierenden Kaufinteressenten Fiat, Magna und RHJI ab. Vertreter der Bundesregierung und deutscher Banken verständigten sich derweil auf ein Modell einer Brückenfinanzierung für Opel. Das bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Allerdings müsse nun noch die Investorenfrage geklärt werden.

Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte dem Fernsehsender Bloomberg, sein Unternehmen werde nicht mit Bargeld für Opel bezahlen, biete dafür aber die Einbringung von Unternehmenswerten an. Den Bedarf an Schuldenfinanzierung, der vom Staat abgesichert werden soll, hatte Marchionne schon früher auf 5 bis 7 Milliarden Euro beziffert. Laut Branchenkreisen wird das Konzept von Fiat stark dem Anfang April ausgearbeiteten Plan „Project Football“ ähneln (siehe auch Opel: Fiat plant im „Project Football“ zehn Werksschließungen). Dieser sieht die Schließung von zehn Werken bei Fiat und Opel mit etwa 18.000 Beschäftigten vor. Dazu zählen auch Motorenproduktionsstätten in Deutschland mit etwa 3600 Beschäftigten.

Zulieferer Magna plant Produktionsverbund

Auf Gewerkschaftsseite stoßen Marchionnes Pläne auf Skepsis. Der Manager sprach am Dienstag eineinhalb Stunden mit IG-Metall-Chef Berthold Huber in Frankfurt. Danach äußerte sich Huber zurückhaltend, betonte aber, er habe bei einem ersten Gespräch „nicht den großen Wurf“ erwartet. Ein Sprecher sagte, zusätzlich zum Erhalt der Standorte und Arbeitsplätze müsse Fiat auch Eigenkapital einbringen.

Auch über das Konzept von Magna sickerten aus Branchenkreisen erste Details durch. So will der kanadisch-österreichische Autozulieferkonzern gemeinsam mit Opel und dem russischen Hersteller GAZ einen offenen Produktionsverbund für mehrere Autoproduzenten schaffen, dem sich für einzelne Modellreihen mit kleineren Stückzahlen auch weitere Unternehmen als Auftraggeber anschließen könnten. Darüber werde mit Ford und Peugeot gesprochen.

Finanzinvestor RHJ International sagt Angebot zu

Als dritter Bieter wird der Finanzinvestor RHJ International eine Offerte bis zum Abgabetermin am Mittwoch um 18 Uhr vorlegen. Das verlautet zuverlässig aus Finanzkreisen. RHJI will Opel im Konzernverbund von General Motors belassen. Die Synergien seien erheblich, wenn man Opel und die britische Schwestergesellschaft Vauxhall weiter in Kooperation mit GM betreibe, heißt es in dem Konzept von RHJI. „Wir reißen nichts auseinander“. GM Europa (also Opel und Vauxhall) solle größere Selbständigkeit erhalten. Die Gesellschaft gibt allerdings keine Standortgarantien ab, weil sie derartige Zusagen für unredlich hält. Eine Restrukturierung von Opel sei unter jedem Bieter unumgänglich. RHJI kalkuliert die staatliche Mitfinanzierung ein. Eine Insolvenz der amerikanische GM-Gesellschaft scheint die Finanzinvestoren indes nicht zu schrecken. Unter dem amerikanischen Insolvenzverfahren Chapter 11 führe der Vorstand das Unternehmen unter richterlicher Aufsicht weiter, weshalb hier keine größeren Schwierigkeiten auftauchen sollten, heißt es.

Die voraussichtlich drei Bieter müssen ihre detaillierten Konzepte an diesem Mittwoch dem Bundeswirtschaftsministerium einreichen. Das hatte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zur Voraussetzung für eine staatlich abgesicherte Zwischenfinanzierung für Opel gemacht. Opel braucht angesichts einer leeren Kasse schon in den nächsten Wochen einen Kredit von etwa 1,5 Milliarden, den voraussichtlich die Staatsbank KfW und Hessens Landesbank Helaba vergeben sollen. Kommt es nicht zur Zwischenfinanzierung, dann droht Opel die Insolvenz. Mittelfristig wird der Kapitalbedarf auf mindestens 3,3 Milliarden Euro taxiert.

Erst wenn Konzepte der Investoren vorliegen, die Aussicht auf längerfristigen Erfolg haben und verbindlich sind, will die Bundesregierung ihre Bemühungen zur Abspaltung von Opel aus dem amerikanischen Mutterkonzern General Motors vorantreiben. Die Herauslösung gilt als notwendig, weil GM aller Voraussicht nach in den nächsten zwei Wochen Insolvenz anmelden muss, ein Verkauf von Opel aber mehrere Monate dauert. Zum Wochenende soll voraussichtlich eine Delegation mit Vertretern der Bundesregierung nach Washington reisen, um vom dortigen Finanzministerium grünes Licht für die Übertragung von Opel auf einen Treuhänder zu erhalten. Das Finanzministerium ist der Hauptgläubiger von GM und muss deshalb mit entscheiden.

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