26.05.2009 · Anfangs hieß es, unter den Bietern für Opel sei Magna der Favorit, nicht Fiat. Doch eine regierungsinterne Bewertung beider Konzepte, die der F.A.Z. vorliegen, zeigt nun: Magna wäre womöglich nach der Übernahme von Opel sofort überschuldet.
Von Andreas Mihm, BerlinIn der Bundesregierung gibt es Vorbehalte gegen das Konzept des österreichisch-kanadischen Investors Magna zur Übernahme des Autoherstellers Opel. Auch gegen den Plan des italienischen Konzerns Fiat bestehen Bedenken. Beide Unternehmen hatten am Dienstag vor der Regierung und vor der Belegschaft für ihre Konzepte geworben.
Die Regierung will am Mittwochabend darüber entscheiden, welches Konzept sie mit Bürgschaften unterstützen will. Dabei hat Magna die schlechteren Karten. Bei einer Übernahme durch den Autozulieferer wäre die neue Opel-Gesellschaft schon mit Schulden in Milliardenhöhe belastet, weil Magna anders als Fiat nicht bereit sei, eigenes Kapital zu investieren, heißt es in einer regierungsinternen Bewertung der beiden Konzepte, die der F.A.Z. vorliegen. „Das nach den Plänen von Magna entstehende Unternehmen New Opel wäre somit vom ersten Tag seines Bestehens an überschuldet“, heißt es in dem Dokument. In der Bilanz ergäbe sich ein „negatives Eigenkapital“ von 3,8 Milliarden Euro.
Kein „echtes Eigenkapital“
Magna sei nicht bereit, „echtes Eigenkapital“ in die neue Gesellschaft einzubringen. Der Investor wolle nur ein Wandeldarlehen von 500 Millionen Euro zuschießen. Das soll erstrangig besichert werden. Das heißt, dass im Fall einer Insolvenz die Forderungen Magnas zuerst bedient würden. Die vor allem vom Bund und den Ländern erwarteten Staatsbürgschaften von 5 Milliarden Euro stünden in diesem Fall hintan.
Auch die von Magna versprochene Rückzahlung der Kredite wird in dem Regierungspapier bezweifelt, denn sie basierten „auf einer erheblichen Verbesserung der Umsatz- und Gewinnsituation“. Zusammenfassend heißt es: „Die bisherige Weigerung von Magna, echtes Eigenkapital zu riskieren, spricht nicht dafür, dass das Unternehmen selbst an ein Gelingen dieses Planes glaubt.“ Das Risiko, dass Magna den staatlich verbürgten Ausfallkredit in Anspruch nehmen werde, wird in der Regierung auf „weit über 50 Prozent“ veranschlagt. Unter normalen Umständen wäre allein das ein Ausschlusskriterium, denn die Regierung darf Bürgschaften nur ausgeben, wenn sie davon ausgeht, dass sie nicht fällig werden. In dem Papier wird ein weiteres Risiko beleuchtet: „Bei weiterem Zuschussbedarf droht eine vollständige Übernahme des Risikos in Form einer Verstaatlichung.“ Die aber wollen die Unionsparteien auf jeden Fall verhindern.
Fiat kommt im Vergleich besser weg
Das Konzept von Fiat kommt im Vergleich besser weg. Das liegt vor allem daran, dass Fiat bereit ist, seine gesamte Autosparte in das neue Unternehmen einzubringen. Der Buchwert, das Eigenkapital, wird auf 6,8 Milliarden Euro beziffert. Zwar würde das neue Unternehmen mit Opel und anderen Tochtergesellschaften von General Motors (GM) schuldenfrei beginnen, doch wäre der Hauptaktionär Fiat durch Milliardenschulden belastet. Fiat benötigt 6 Milliarden Euro Staatsbürgschaften, eine Milliarde Euro mehr als Magna. Kritisch wird in dem Papier auch angemerkt, Fiat sei „derzeit nur bedingt bereit, sich an der Überbrückungsfinanzierung für eine staatliche Treuhandlösung zu beteiligen“. Beide Konzepte setzen darauf, dass GM sich mit 3,5 Milliarden Euro an der Restrukturierung beteiligt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich am Dienstag zu einem gut einstündigen Gespräch mit Fiat-Chef Sergio Marchionne. Die beiden anderen Übernahmeinteressenten, Magna und der Finanzinvestor RHJI, haben sich mit dem Opel-Betriebsrat in Rüsselsheim getroffen. Die Opel-Arbeitnehmer favorisieren Magna. An diesem Mittwochabend will Merkel alle Beteiligten zusammenbringen. Neben den Interessenten sind dies Vertreter von GM und des europäischen Zweigs des Konzerns. Beteiligt sind auch das amerikanische Finanzministerium, vier Bundesminister und die Ministerpräsidenten der vier Länder mit Opel-Standorten.
Auch Chinesen bieten für Opel
Unterdessen ist nach Informationen der F.A.Z. ein vierter Bieter für Opel auf den Plan getreten. Wie zu hören ist, hat die Beijing Automotive Industry Holding Corp. (BAIC) schon vor einiger Zeit ein Angebot für Opel und GM Europe vorgelegt, das den Erhalt der deutschen Opel-Standorte, Arbeitsplatzgarantien für „mindestens zwei Jahre“ und einen finanziellen Eigenbeitrag der Chinesen beinhaltet. Dieses Gebot sei bisher aber nicht berücksichtigt worden.
Inzwischen hat BAIC wohl auch eine große deutsche Bank mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt, um - trotz des Ablaufs bisheriger Bieterfristen - noch berücksichtigt zu werden. BAIC ist schon heute ein Partner des deutschen Autokonzerns Daimler. Unter chinesischer Führung soll Opel zu einer global auftretenden Marke werden; es gebe keine Produktüberschneidungen. BAIC wünscht sich nach Informationen dieser Zeitung 4 Milliarden Euro an Kreditgarantien. Das Gebot findet die Unterstützung des alleinigen Aktionärs, der Stadt Peking.
Ab dafür!
Werner Schmiedel (WernerSch)
- 26.05.2009, 20:53 Uhr
Dies zeigt einmal mehr, dass Opel keine Überlebenschance hat
Closed via SSO (victor-d)
- 26.05.2009, 21:10 Uhr
Transparenz der Bieter..warum erst jetzt? Wir verschwenden, unsere Kinder zahlen
Michael Meier (never1)
- 26.05.2009, 22:07 Uhr
Opel in Ruhe sterben lassen. Und dann daraus Neues schaffen.
Alphonse Diable (lediable)
- 26.05.2009, 22:42 Uhr
Zahlen statt Blauäugigkeit
Gerhard Rinker (GerdR)
- 26.05.2009, 23:38 Uhr