14.09.2011 · Auch Nissan soll nun Teil der vertieften deutsch-französischen Allianz zwischen Daimler und Renault werden. Die Japaner bekommen für Autos ihrer Nobelmarke Infiniti Hilfe von Daimler.
Von Christoph Ruhkamp, FrankfurtWas auf der politischen Ebene deutsch-französische Freundschaft heißt, kommt auch in der Automobilwelt voran. Eineinhalb Jahre nach dem Beginn ihrer Partnerschaft wollen Daimler und Renault ihre Allianz zugleich erweitern und vertiefen. Das haben die Vorstandsvorsitzenden beider Konzerne, Dieter Zetsche und Carlos Ghosn, am Mittwoch in Frankfurt am Rande der Automesse IAA angekündigt. Neben Kleinwagen, kleinen Motoren und Kleintransportern will Renault auch Batterien für Elektroautos von Daimler beziehen. Außerdem wird künftig auch Nissan in die Allianz einbezogen. Der japanische Partner von Renault, an dem die Franzosen mit 44 Prozent beteiligt sind, verfügt über die Nobelmarke Infiniti. Diese werde voraussichtlich einen Kompaktwagen auf Basis der neuen Kompaktwagenfamilie von Mercedes-Benz bauen, sagte Ghosn. Dem Renault-Nissan-Chef schwebt eine gemeinsame Plattform der großräumigen Renault-Modelle wie Espace oder Laguna mit Daimler vor.
Auch eine darüber hinaus gehende Vertiefung der Allianz ist nicht ausgeschlossen. „Es gibt keine Tabuthemen“, betonte Zetsche. Er kündigte an, dass neue Motoren, die auf Renault-Nissan-Konzepten basieren, ab 2014 auch im Kompaktwagen Mercedes B-Klasse mit so genanntem Reichweitenverlängerer (Range Extender) als Ergänzung zu einem Elektromotor eingesetzt werden. Weiterhin erhält Daimler Zugriff auf Motoren von Renault-Nissan. Die ersten Motoren aus der Kooperation, kleine Vierzylinder, sollen 2012 mit der Vorstellung der neuen A-Klasse auf den Markt kommen und für alle fünf geplanten Kompaktklasse-Modelle verfügbar sein.
Ein geplanter neuer Kompaktwagen von Infiniti soll auf der Architektur für Kompaktwagen von Daimler basieren. Auf der Automesse in Frankfurt zeigt Infiniti derzeit schon eine Fahrzeugstudie namens „Terra Concept“, auf deren Basis der Kompaktwagen entwickelt wird. „Das sollten sie sich anschauen, um einen ersten Eindruck davon zu erhalten, was wir planen“, sagte Ghosn. Ob der neue Infiniti-Kompaktwagen, der 2014 auf den Markt kommen soll, vielleicht sogar bei Daimler produziert werden könnte, steht noch nicht fest. Eine Produktion im neuen Werk in Ungarn schloss der Daimler-Chef aus. „Die dortigen Kapazitäten brauchen wir für unsere eigenen geplanten fünf Varianten“, sagte Zetsche. Daimler zeigt auf der IAA die neue B-Klasse, die noch zum Jahresende auf den Markt kommen soll. Im Frühjahr 2012 folgt die neue A-Klasse. Der Stuttgarter Konzern baut seine Palette an Kompaktwagen aus, um so den durchschnittlichen Kohlendioxidausstoß der Flotte zu senken und die Gesamtzahl der produzierten Autos aus Kostengründen zu senken. Bis 2016 will Daimler den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Flotte auf 125 Gramm pro Kilometer senken, wie von der EU gefordert. 2010 waren es noch 158 Gramm CO2.
Nach anfänglichen Trippelschritten jetzt schneller voran
Mit der engeren Zusammenarbeit folgen Daimler und Renault dem Beispiel vieler Konkurrenten, die die Kosten für die Entwicklung neuer Technik und neuer Automodelle teilen. BMW und Peugeot etwa arbeiten in einer ganz ähnlichen Allianz in der Entwicklung kleiner Motoren und in der Hybridtechnik zusammen. Audi dagegen ist durch den Verbund mit der Konzernmutter Volkswagen, mit der teilweise Komponenten geteilt werden, weniger stark auf Partnerschaften mit Konkurrenten angewiesen. VW selbst hat indessen Ärger mit seinem japanischen Partner Suzuki, der die Allianz der beiden lösen möchte.
In Frankfurt betonten die beiden Vorstandschefs von Daimler und Renault, wie reibungslos ihre Zusammenarbeit laufe – trotz der schlechten früheren Erfahrungen aus wieder aufgelösten Verbindungen wie Daimler-Chrysler oder Renault-Volvo. „Wir haben inzwischen eine gemeinsame Sprache gefunden. Jede Idee darf ohne irgendwelche Denkverbote geäußert und diskutiert werden – auch wenn manches wieder verworfen wird“, sagte Zetsche. Sein Partner Ghosn sagte, er habe schon am Führungskräftetreffen von Daimler in Istanbul teilgenommen. Umgekehrt werde „Dieter“ im Oktober zum Führungskräftetreffen von Renault nach Paris reisen. „Wir haben aus früheren Fehlern gelernt. Deshalb läuft es jetzt so gut“, sagte Ghosn. Zusammen hätten Daimler und Renault das größte Forschungsbudget in der Autoindustrie.
Tatsächlich geht es mit der vor zwei Jahren begonnenen Allianz nach anfänglichen Trippelschritten jetzt schneller voran: Neben der gemeinsamen Plattform für die Kleinwagen Smart und Twingo wird zusammen ein Elektroauto gebaut. Den Motor liefert Renault, die Batterie kommt von Daimler. Ein neuer Mercedes-Benz-City-Van wird im Renault-Werk Maubeuge in Frankreich gebaut. Es ist das erste Projekt, das die Partner konkret umsetzen. Der Van soll Ende 2012 auf den Markt kommen. Zu Beginn der Kooperation hatte Daimler jeweils etwas mehr als drei Prozent an Renault und Nissan übernommen und die französisch-japanische Allianz im Gegenzug den gleichen Anteil am deutschen Autobauer. Es gebe derzeit keine Pläne, diese Überkreuzbeteiligung auszubauen, bekräftigte Zetsche.
Warum bloss
Christian Roigk (Dubai1)
- 15.09.2011, 08:25 Uhr
BMW arbeitet mit Peugeot zusammen
Harald Sulzmann (hsulzmann)
- 15.09.2011, 00:28 Uhr
Tolle Vorstellung
Karl Meier (KarlMeier)
- 14.09.2011, 22:03 Uhr