06.05.2009 · Fiat hat seinen Übernahmeplan für Opel und General Motors Europa überarbeitet. Das „Project Football“ vom April, das zehn Werksschließungen vorsah, liegt in Berlin nun in einer teils abgeschwächten Variante unter dem neuen Titel „Project Phoenix“ vor.
Von Christoph Ruhkamp und Gerald HospDer italienische Fiat-Konzern hat sein mit drastischen Einschnitten verbundenes Übernahmekonzept für Opel, zu dem zehn Werksschließungen gehören (Fiat und Opel: 10 Werke und 18 000 Mitarbeiter zu viel) abgeschwächt. Der Plan „Project Football“ wurde seit Anfang April nach Informationen dieser Zeitung überarbeitet und mit einigen Änderungen nun als „Project Phoenix“ der Bundesregierung vorgelegt. Dem neuen Plan zufolge, der 46 Seiten umfasst, sollen sechs Fabriken geschlossen werden, darunter das Motorenwerk in Kaiserslautern. Bei weiteren sechs Werken sind drastische Kürzungen geplant, darunter auch Bochum und Rüsselsheim. Laut Opel-Betriebsrat sind insgesamt 10.000 Stellen gefährdet. Im alten Plan waren 18.000 Stellen betroffen.
Im Ausland drohen nun dem englischen Werk in Luton, dem österreichischen Werk in Graz, den beiden italienischen Werken in Canavese und Termini Imerese sowie der Fabrik Ispol in Polen die Schließung. Von Kürzungen betroffen sollen im Ausland die Werke im schwedischen Trollhättan, im belgischen Antwerpen, im spanischen Zaragoza und im italienischen Pomigliano sein. Das geht aus dem neuen Plan hervor.
Magna lädt Russen zum Kauf von Opel ein
Unterdessen nimmt das mit Fiat konkurrierende Konsortium zur Übernahme von Opel Gestalt an. Der derzeit unter hohem Verlust leidende kanadisch-österreichische Zulieferkonzern Magna hat den hoch verschuldeten russischen Autohersteller GAZ zur Teilnahme an der Transaktion eingeladen. Das wird aus Konzernkreisen von Magna bestätigt. Weder GAZ noch dessen Mutterkonzern Basic Element wollten dies kommentieren.
An den Details des Konzepts und der Finanzierung wird nun auf Hochtouren gearbeitet. Laut Branchenkreisen könnte die staatliche russische Sberbank, die von der Regierung kontrolliert wird, Kredite geben. Dem Vernehmen nach halten sich in diesen Tagen Magna-Manager in Rüsselsheim auf, um ausführliche Gespräche mit Opel zu führen. Magna-Chef Siegfried Wolf, der zur Hauptversammlung in Kanada weilt, und Haupteigentümer Frank Stronach hatten ihre Pläne schon dem Bundeswirtschaftsministerium und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier dargelegt. Die Zeit drängt, weil die Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) schon in den nächsten drei Wochen Insolvenz anmelden könnte.
Marchionne trifft Koch
Fiat-Chef Sergio Marchionne verhandelt in diesen Tagen mit GM-Chef Frederick Henderson in Detroit über Opel. Am Freitag fliegt er nach Deutschland, um Hessens Ministerpräsident Roland Koch zu treffen, der dann von einer Reise nach Arabien zur Investorensuche zurückkehrt. Die IG Metall forderte erneut eine direkte Beteiligung des Staates an Opel. Neben Fiat und Magna interessieren sich zudem laut GM-Kreisen auch noch einige Finanzinvestoren für Opel.
Unterdessen wies Magna gestern für das erste Quartal wegen der Absatzkrise einen operativen Verlust von 200 Millionen Dollar aus - nach einem Gewinn von 207 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Umsatz brach um die Hälfte auf 3,6 Milliarden Dollar ein. Allerdings verfügt Magna über einen üppigen Bargeldbestand von 1,7 Milliarden Dollar.
Dem russischen Partner GAZ steht jedoch das Wasser bis zum Hals. GAZ hat rund 45 Milliarden Rubel (1 Milliarde Euro) Schulden, nach vorläufigen Schätzungen soll das Unternehmen 2008 rund 143 Milliarden Rubel (3,3 Milliarden Euro) umgesetzt und einen Gewinn von 5,2 Milliarden Rubel (118 Millionen Euro) erzielt haben. German Gref, Vorstandschef der Sberbank und ehemaliger Wirtschaftsminister, hatte aber im März gesagt, GAZ nicht in den Bankrott zu schicken. Ein Drittel der Verbindlichkeiten sollen die staatlich kontrollierten Finanzinstitute Sberbank, VTB und VEB halten. Sberbank hatte im März einer Restrukturierung der Schulden zugestimmt. Laut GAZ wurden bisher 80 Prozent der Schulden restrukturiert. Der Einfluss der Sberbank auf GAZ könnte gar höher als gedacht sein: Laut Medienberichten wurden GAZ-Aktien als Sicherheit bei der Sberbank für einen Kredit des Erdölkonzerns Russneft, den GAZ-Eigentümer Deripaska gekauft hat, hinterlegt.
Jetzt wird OPEL abgewrackt!
Falsche Hoffnung (FalscheHoffnung)
- 06.05.2009, 21:36 Uhr
Russen vetrauenswuerdiger als Italiener?
michael burkhart (u018815)
- 07.05.2009, 07:47 Uhr
Ich habe ein komisches Gefuehl
Christian Roigk (Dubai1)
- 07.05.2009, 09:16 Uhr
Immerhin ein Fortschritt bei der Berichterstattung,
Robert Hamacher (harohama)
- 07.05.2009, 12:42 Uhr