Home
http://www.faz.net/-gqk-6m3sa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

6,5 Milliarden Euro Volkswagen verdreifacht seinen Gewinn

28.07.2011 ·  Der Automobilhersteller erwirtschaftet mehr Umsatz und Gewinn als je zuvor. Das Ergebnis nach Steuern stieg im ersten Halbjahr auf 6,5 Milliarden Euro. An der Börse wird der Titel aber abgestraft. Analysten finden die Zahlen sehr gut.

Von Christoph Schäfer, Hamburg
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Der Volkswagen-Konzern hat bereits im ersten Halbjahr fast so viel Geld verdient wie im gesamten Jahr 2010. Das Ergebnis nach Steuern stieg um 256 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Automobilhersteller aus Wolfsburg mit 7,2 Milliarden Euro lediglich 700 Millionen Euro mehr erwirtschaftet.

„Die anhaltend hohe Nachfrage in strategisch wichtigen Märkten gibt uns Rückenwind, und unsere zahlreichen neuen Modelle sorgen für zusätzlichen Schub“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Donnerstag anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen. 2,1 Milliarden Euro des Halbjahresüberschusses gehen allerdings auf das Finanzergebnis zurück. Darin stecken die Gewinne der Gemeinschaftsunternehmen in China sowie eine bessere Bewertung der Kaufoptionen, die VW auf Aktien des Sportwagenherstellers Porsche hält.

Wie gut die Geschäfte des Autobauers derzeit laufen, lässt sich auch am Umsatz und dem operativen Ergebnis des Konzerns ablesen. Von Januar bis Juni legte der Umsatz um ein Viertel auf 77,8 Milliarden Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (operatives Ergebnis) erhöhte sich um 114 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Angesichts der guten Zahlen formulierte der Vorstandsvorsitzende die Prognose für das Gesamtjahr optimistischer als bisher.

„Robust genug, um auf Überholspur zu bleiben“

Winterkorn erwartet nun, dass Umsatz und operatives Ergebnis in diesem Jahr die Werte des Vorjahres „deutlich übertreffen“. Gleichwohl verwies er auf Schwierigkeiten durch steigende Rohstoffpreise, das Ende von Förderprogrammen in vielen Ländern Westeuropas sowie auf Gefahren durch die angespannte Finanzlage einiger Euro-Länder. VW sei jedoch „robust genug, um auf der Überholspur zu bleiben“.

An der Börse kamen die Nachrichten aus Wolfsburg trotz der beachtlichen Steigerungen schlecht an. Der Kurs der VW-Vorzugsaktie fiel zwischenzeitlich um rund 6 Prozent und machte Volkswagen damit zu einem der schlechtesten Werte im Aktienindex Dax. Aktienhändler begründeten dies damit, dass die Erwartungen der Börse im Vorfeld enorm hoch gewesen seien.

Weil VW keine echte positive Überraschung habe bieten können, sei es zu Gewinnmitnahmen gekommen. Im Gegensatz zu den Anlegern gefielen Analysten die Zahlen aus Wolfsburg. „Die Zahlen sind sehr gut, der Volkswagen-Konzern zeigt der Konkurrenz die Rücklichter“, sagte Frank Schwope von der Nord LB. Das Analysehaus Bernstein Research bezeichnete die Ergebnisse des zweiten Quartals sogar als exzellent. VW sei „ein Kraftwerk“ und gut aufgestellt.

Sehr gute Geschäfte der Kernmarke

Das höhere operative Ergebnis des Konzerns geht vor allem auf die sehr guten Geschäfte der Kernmarke VW Pkw und der Ingolstädter Tochtergesellschaft Audi zurück. VW Pkw verdoppelte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im ersten Halbjahr auf 2,1 Milliarden Euro. Audi übertraf diese Marke sogar und machte einen operativen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro. Auch die meisten der weniger umsatzstarken Marken verbesserten sich. Die tschechische Tochtergesellschaft Skoda und VW Nutzfahrzeuge verdoppelten ihr operatives Ergebnis auf 412 Millionen Euro beziehungsweise 235 Millionen Euro. Die schwedische Lastwagen-Tochtergesellschaft Scania entwickelte sich ebenfalls positiv und legte um 27 Prozent auf 743 Millionen Euro zu.

Die Konzernmarken Seat und Bentley machten erwartungsgemäß Verlust, allerdings fielen die Fehlbeträge deutlich niedriger aus als ein Jahr zuvor. Seat reduzierte den Verlust von 157 auf 48 Millionen Euro, Bentley von 109 auf 17 Millionen Euro.

„Wir liegen voll im Zeitplan“

In einer Telefonkonferenz kam Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auch auf die jüngsten Unstimmigkeiten mit dem japanischen Autobauer Suzuki zu sprechen, an dem VW 19,9 Prozent der Anteile hält. „Die Kooperation wird derzeit nicht mit der gewünschten Intensität umgesetzt“, sagte er. VW sei „in eine Bewertung der Partnerschaft eingetreten, die noch nicht abgeschlossen ist“. Denkbar ist also, dass VW seine Anteile an Suzuki verkauft, unverändert lässt oder sogar erhöht. Pötsch sprach auch das weitere Zusammengehen mit dem Sportwagenbauer Porsche an. „Wir liegen voll im Zeitplan“, sagte er. Die Wahrscheinlichkeit, die Fusion noch in diesem Jahr endgültig festzuzurren, bezifferte er auf 50 Prozent.

VW hatte seine Absatzzahlen bereits vor zwei Wochen veröffentlicht. Insgesamt lieferten die Wolfsburger im ersten Halbjahr rund 4,1 Millionen Fahrzeuge aus - 14,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. VW übertraf damit den Branchenschnitt. Nach Angaben des Unternehmens stieg der weltweite Marktanteil von VW um 0,7 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 12 16