22.09.2011 · Rund 300.000 Euro verdienen Chefs von Aufsichtsräten voraussichtlich im Jahr 2011, damit steigen ihre Bezüge um 9 Prozent. Vor allem die Sitzungsgelder nehmen zu.
Von Julia LöhrDie Chefkontrolleure der größten deutschen Konzerne steigern ihre Bezüge in diesem Jahr voraussichtlich um 9 Prozent. Ein Aufsichtsratschef eines Dax-Unternehmens dürfte damit auf eine Gesamtvergütung von durchschnittlich 297.800 Euro kommen. Das geht aus einer Berechnung der Unternehmensberatung Towers Watson hervor. Das Festgehalt macht mit rund 135.200 Euro weniger als die Hälfte der Gesamtsumme aus. Hinzu kommen erfolgsabhängige Jahrestantiemen, langfristige Vergütungsbestandteile, Geld für die Mitarbeit in den verschiedenen Ausschüssen und Sitzungsgelder.
Die Berater haben die Zahlen auf Grundlage der Unternehmenssatzungen und der Gewinnschätzungen von Analysten hochgerechnet. Die genannten Beträge wurden im Vorfeld mit den Konzernen abgestimmt. Die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr erklärt Towers Watson mit den gestiegenen Gewinnen der Unternehmen und dem höheren Arbeitsaufwand der Aufseher. Innerhalb der Dax-Konzerne vergüten Volkswagen, Siemens und BMW ihre Aufsichtsratsvorsitzenden am besten. VW-Chefkontrolleur Ferdinand Piëch erhält der Aufstellung zufolge 785.500 Euro, Gerhard Cromme bei Siemens 584.000 Euro und Joachim Milberg bei BMW 505.000 Euro.
Am unteren Ende der Bandbreite stehen die Deutsche Post, Fresenius Medical Care und Merck - dort sind es weniger als 150.000 Euro. Meist erhält der Aufsichtsratschef eine doppelt so hohe Vergütung wie gewöhnliche Mitglieder. In der Schweiz und in Großbritannien erhalten Aufsichtsratsvorsitzende gemäß der Studie umgerechnet 1,77 Millionen Euro beziehungsweise 432.000 Euro. Sie seien aber auch intensiver als ihre deutschen Kollegen in die Unternehmensführung eingebunden.
„Die Zahl der Sitzungen hat in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagte Olaf Lang, einer der Autoren der Studie. „Sitzungsgelder sind deshalb wieder stärker im Kommen.“ 2010 kamen die Kontrollgremien der Dax-Konzerne im Schnitt an 18 Tagen zusammen. Für eine Sitzung gibt es 500 bis 2000 Euro. Kritik äußerten die Berater an der hohen Bedeutung der Tantieme. Zwei Drittel der Unternehmen gewähren einen solchen Jahresbonus. Lang plädierte dafür, das Gewicht der Tantieme zugunsten langfristiger Erfolgskomponenten zu reduzieren - das passe besser zu den Aufgaben von Aufsichtsräten. Als Faustregel für den optimalen Vergütungsmix empfiehlt Towers Watson eine Drittelung: ein Drittel der Vergütung als Festgehalt, ein Drittel erfolgsabhängig und ein Drittel aufwandsbezogen.
Etliche Unternehmen haben der Studie zufolge in der diesjährigen Hauptversammlungssaison ihre Vergütungssysteme geändert. Beiersdorf und Fresenius Medical Care erhöhten die langfristigen Elemente. Allianz, Eon und Siemens verabschiedeten sich von erfolgsabhängigen Komponenten. Infineon und Beiersdorf führten Sitzungsgelder ein. Wenig getan hat sich im Hinblick auf die Vielfalt: Nur 14 Prozent der Aufsichtsratsposten haben Frauen inne, vor einem Jahr waren es 12 Prozent.