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F.A.Z.-Stellenreport Zu wenig Bewerber lassen sich von Stahl und Feuer locken

24.10.2011 ·  Ob in der Industrie, im Handwerk oder der Gastronomie - überall wachsen die Sorgen über den fehlenden Nachwuchs. Die Zahl der offenen Stellen steigt. Eine Ausnahme machen nur die Banken und die Pharmabranche.

Von Georg Giersberg
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Die junge Frau auf dem Umschlag der DVD sieht nicht schwächlich, aber auch nicht gerade nach einem Schmied aus. Dennoch wirbt sie für Schmiede - in ihrer moderneren Form. Deren Branche nennt sich, seit Metall aus Gründen der Energieersparnis zunehmend kalt umgeformt wird, Massivumformung. Aber immer noch geht es in ihr zu 80 Prozent um Stahl und andere Metalle, die unter Hitze und Feuer bearbeitet werden - eine Welt, die viele junge Menschen nur noch aus Historienfilmen kennen. Seit Jahren sinkt die Zahl der Bewerber, als Gegenmaßnahme hat der Industrieverband Massivumformung nun jene DVD aufgenommen, um die Branche vorzustellen.

Ausführliche Tabellen zum F.A.Z.-Stellenreport finden Sie hier.

Von 2012 an soll außerdem ein transportabler Schmiedeofen Schulen besuchen, die Schüler sollen Metall erhitzen und formen können - und erfahren, dass es sich dabei um eine durchaus zeitgemäße Technik handelt, mit der viele Gegenstände hergestellt werden. Damit sollen junge Menschen bewogen werden, die Berufe Zerspanungstechniker, Werkzeugbauer und Industriemechaniker zu erlernen. Gesucht werden aber auch Ingenieure der Fachrichtungen Umformtechnik und Maschinenbau.

Von den Jugendlichen links liegen gelassen

Das Schicksal, von den Jugendlichen links liegengelassen zu werden, teilen die 150 deutschen Industrieschmieden mit den vielen tausend Handwerkern und den gastronomischen Betrieben. Auch sie können zunehmend Stellen für Auszubildende und für Akademiker nicht besetzen. Aber auch in den Zukunftstechnologien ist die Nachfrage nach Mitarbeitern zurzeit höher als das Angebot. So steige im Zuge der Erfolge von iPhone und iPad die Nachfrage nach App-Entwicklern, berichtet Gunnar Berning, der Gründer und Geschäftsführer von Twago, einem Marktplatz für deutsche und internationale Freiberufler und Dienstleister in den Sparten Programmierung, Webdesign und Unternehmensservices.

Unter den großen Stellenschaffern in der deutschen Wirtschaft  haben Bosch und BMW ihr Angebot noch einmal um jeweils 1000 neu zu schaffende Stellen aufgestockt. Die Elektromobilität mit ihren ehrgeizigen Zielen sorgt hier für zahlreiche neue Arbeitsplätze. Der Autozulieferer Schaeffler ist mit 1600 Neueinstellungen erst im dritten Quartal neu in die Liste aufgerückt. Nicht nur in der Automobilbranche werden Kohlenstofffasern zu einem immer bedeutenderen Rohstoff. Um in der Region Augsburg auf sich aufmerksam zu machen, sponsert der Hersteller SGL Carbon die Arena des Bundesligaaufsteigers FC Augsburg. „Das hilft in der Region beim Volunteer-Branding“, sagt SGL-Vorstandsmitglied Armin Bruch.

Weniger Stellenstreichungen als im Vorjahr

Für die ersten neun Monate dieses Jahres stehen insgesamt 21.000 gestrichenen Stellen 74.000 neue Stellen gegenüber. Die Zahl der Stellenstreichungen liegt damit unter dem Wert des Vorjahres, während wesentlich mehr neue Stellen geschaffen wurden als die 47.000, die im Vorjahr gezählt wurden. In der Statistik, die vom Archiv dieser Zeitung geführt wird, werden nur solche öffentliche Ankündigungen berücksichtigt, von denen mehr als 100 Stellen betroffen sind.

Angesichts der Konjunktureintrübung hat sich der Stellenaufbau in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Monaten allerdings verlangsamt. Das Verhältnis von gestrichenen zu neuen Stellen ist mit 1 zu 3,5 schlechter als zu Beginn des Jahres; im ersten Quartal konnte ein entlassener Mitarbeiter theoretisch noch unter 14 freien Stellen wählen.

Diese Veränderung lässt sich auch daran ablesen, dass die Listen „Stellenabbau in Deutschland“ und „Stellenabbau weltweit“ länger geworden sind. Das liegt zum einen an der in einer Sondertabelle ausgewiesenen Entlassungswelle in den Banken. Die Finanzinstitute müssen künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Um trotzdem ihre Renditen auf das eingesetzte Eigenkapital zu erwirtschaften, wird gespart. Ein großer Teil der Stellenstreichungen ist also Rationalisierung. Ein Teil geht aber auch auf schleppendes Geschäft im Bereich Übernahmen und Börsengänge zurück und auf die vor allem in den Vereinigten Staaten schwächelnde Konjunktur. In der Branche dürften in diesem Jahr international etwa 100.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Aber auch der Energielieferant Eon streicht Stellen in größerem Umfang. Das ist weniger eine Folge des Kernenergieausstiegs der Bundesregierung, sondern vielmehr bisher unterlassenen Hausaufgaben des Unternehmens geschuldet. Denn es war seit langem klar, dass die Verwaltung seit der Fusion von Veba und Viag vor gut zehn Jahren überdimensioniert ist. Bei dem Zusammenschluss und den folgenden größeren Übernahmen wurden Arbeitsplatz- und Standortzugeständnisse gemacht. Solange die Geschäfte glänzend liefen, waren Personaleinschnitte tabu.

Entwicklung am Arbeitsmarkt weiterhin positiv

Nun drängen sich Korrekturen auf. Der Vorstand will mit dem Sparprogramm die Ertragskraft verbessern und einen größeren Freiraum für Investitionen (weg von der Kernkraft) schaffen. Dazu sollen bis 2015 die vom Unternehmen selbst beeinflussbaren Kosten um 1,5 Milliarden Euro auf 9,5 Milliarden Euro gesenkt werden, etwa die Hälfte davon entfällt auf die Personalkosten. Wenn man diesen Betrag von 750 Millionen Euro durch die durchschnittlichen Kosten für einen Beschäftigten teilt, kommt man auf ungefähr 10.000 Arbeitsplätze, die gestrichen werden müssten. Gegenwärtig sind im Konzern rund 15.000 Menschen mit administrativen Aufgaben befasst, in Deutschland etwa 11.000.

Neben den Banken und Einzelfällen wie Eon tut sich auch die Pharmabranche schwer, neue Stellen zu schaffen. Hier wird vor allem die Kostendämpfung im Gesundheitswesen als Hindernis betrachtet. Dennoch entwickelt sich der Arbeitsmarkt insgesamt weiterhin positiv. Die Zahl der Arbeitslosen lag Ende September mit knapp 2,8 Millionen auf dem niedrigsten Wert seit 1991. Die Zahl der offenen Ingenieurstellen erreichte im September mit 99.000 den höchsten jemals gezählten Wert.

Da die Zahl der arbeitslos gemeldeten Ingenieure zugleich unter den Wert von 20.000 gesunken ist, fehlen derzeit in Deutschland 80.000 Ingenieure - mit weiter wachsender Tendenz. „Insbesondere in Süddeutschland herrscht inzwischen ein massiver Ingenieurengpass. Wenn hier nicht bald gegengesteuert wird, muss mit spürbaren negativen Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands gerechnet werden“, kommentiert Willi Fuchs, der Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), die Entwicklung. Schon im Vorjahr habe bei wesentlich weniger offenen Stellen der Wertschöpfungsverlust aufgrund nicht besetzter Ingenieurstellen 3,3 Milliarden Euro betragen.

Auf eine bevorstehende Veränderung der Situation am Arbeitsmarkt weist nun die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group hin. Jeder vierte Arbeitnehmer hierzulande gehe in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand. Das bedeute, dass sich Unternehmen darauf einstellen müssen, ihre Wertschöpfung auch mit zunehmend älteren Mitarbeitern zu erbringen, was intern zu mancher Umorganisation führen dürfte. Der Arbeitsmarkt dürfte deshalb auch in konjunkturell schwächeren Phasen für die Arbeitssuchenden eher besser werden. Mehr Sorgen müssen sich die Unternehmen machen, wie man schon jetzt an den Schmieden sieht

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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