29.09.2011 · So wenige Menschen ohne Arbeitsplatz gab es zuletzt 1991. Trotz trüber Konjunkturaussichten fürchtet die Bundesagentur vorerst keine Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt.
Von Sven Astheimer und Kerstin SchwennDer deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich von der Euro-Krise und den Konjunktursorgen unbeeindruckt. Im September sank die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen auf 2,796 Millionen, den niedrigsten Wert seit 1991. Im Vergleich zum August ergibt sich ein Rückgang um 149 000, der sich auch mit dem Ende der Sommerpause und dem Beginn von Ausbildung und Studium erklären lässt. Doch auch um diese saisonalen Effekte bereinigt, bleibt noch ein Minus von 26 000. Die Arbeitslosenquote sank um 0,4 Punkte auf 6,6 Prozent.
Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), erwartet auch in den nächsten Monaten keine Wende. Zwar rechneten die Wirtschaftsforscher mit einer Eintrübung der Konjunktur. „Aber wir erwarten keinen Einbruch. Der Arbeitsmarkt bleibt stabil“, sagte Weise am Donnerstag in Nürnberg. An diesem Freitag wird die BA ihre Schätzung zur Arbeitslosigkeit 2012 abgeben. Dieses Jahr werden im Durchschnitt 2,9 Millionen erwartet.
Ungeachtet dieser Zahlen warnte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor wachsenden Risiken. „Der gute deutsche Arbeitsmarkt ist kein Selbstläufer, der sich auf Dauer abkoppeln kann von der Weltkonjunktur“, sagte sie in Berlin. Der Optimismus werde durch die Turbulenzen an den Aktienmärkten, die Unsicherheiten um den Euro und die Indikatoren der Forschungsinstitute gebremst. „Wir müssen die Risiken ernst nehmen und weiter hart daran arbeiten, was wir im Inland beeinflussen können.“ Die hohe Arbeitskräftenachfrage müsse genutzt werden. Es sei nötig, die Effizienz der Vermittlung zu verbessern und in Weiterbildung zu investieren.
Der SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sagte, die gute Entwicklung basiere vor allem auf den richtigen Entscheidungen der Vergangenheit. Jetzt sei eine neue Ordnung der Arbeit nötig, „die Vollbeschäftigung und anständige Arbeitsbedingungen für alle miteinander verbindet“. Grünen-Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer warnte, das Problem des Fachkräftemangels verschärfe sich trotz einer vergleichsweise hohen Zahl von Arbeitslosen. Die Bundesregierung nehme diese paradoxe Lage billigend in Kauf. Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann kritisierte, die Zahlen lenkten von der sich verfestigenden Langzeitarbeitslosigkeit ab. „Über 940 000 Menschen haben hierzulande seit mehr als einem Jahr keine Arbeit.“ Deutschland liege mit dem Anteil deutlich höher als der EU-Durchschnitt.
Die wichtigen Indikatoren haben sich derweil weiter positiv entwickelt. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im August nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 41,2 Millionen, eine halbe Million mehr als ein Jahr zuvor. Die größte Teilgruppe der sozialversichert Beschäftigten legte nach BA-Berechnungen im Juli um 672 000 auf 28,36 Millionen zu. Der Großteil des Zuwachses entfiel dabei auf Vollzeitstellen. Während die Erholung in der Industrie sich fortsetzte, sank die Beschäftigung in den Dienstleistungsbranchen. Auffallend ist dabei das Minus von fast 10 Prozent in der Zeitarbeit. Der BA-Vorstand will darin aber noch kein Signal für einen Abschwung erkennen. Vielmehr könne dahinter auch eine zunehmende Neigung der Arbeitgeber zur Übernahme von Zeitarbeitern stehen.
Erstmals ist die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger unter die Marke von 2 Millionen gesunken. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt führte dies auch darauf zurück, dass die Vollbeschäftigung in einigen Regionen die Chancen benachteiligter Gruppen verbessert habe. „Es gibt aber immer noch genügend Potential“, sagte Alt. Deshalb wolle man in den nächsten Wochen bei Arbeitgebern mehr für die Beschäftigung von Alleinerziehenden und Schwerbehinderten werben.
Die gute Lage am Arbeitsmarkt entlastet auch die Finanzen der Arbeitsverwaltung. Nach neun Monaten verbucht die BA 1,25 Milliarden Euro Überschuss. Gerechnet hatte man mit einem Defizit von 2,3 Milliarden Euro. Dennoch erwartet die Bundesagentur am Jahresende ein Minus, das durch einen Kredit des Bundes gedeckt werden müsste. IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte in dieser Zeitung gefordert, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 3 auf 3,2 oder 3,3 Prozent anzuheben, um ein Polster für schwierige Zeiten anzulegen.
Vom Gefuehl her
Hiep Van Tran (WatersToronto)
- 30.09.2011, 08:26 Uhr
und die Presse macht mit
harald morun (h.morun)
- 30.09.2011, 01:34 Uhr
Wers glaubt wird selig.
bernd ullrich (demokrat2)
- 30.09.2011, 20:05 Uhr
Hurra!
Hartmut Jacques (GeoffBTate)
- 29.09.2011, 20:02 Uhr
immer wieder erfrischend
Silvia Oscewski (kleenelady)
- 29.09.2011, 16:56 Uhr
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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