16.06.2011 · Wegen der guten Konjunktur wird die Suche nach geeigneten Mitarbeitern in Zeitarbeitsfirmen immer schwieriger. Zeitarbeitsfirmen lehnen Aufträge bereits aufgrund von Mitarbeitermangel ab.
Von Sven AstheimerDas Wachstum in der deutschen Zeitarbeitsbranche stößt an Grenzen. Zwar ist die Zahl der Beschäftigten von März auf April um 1,5 Prozent auf rund 873.000 gestiegen, wie aus dem aktuellen Zeitarbeitsindex hervorgeht, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) berechnet. Dies entspricht dem Stand vom Februar dieses Jahres, heißt es in der Auswertung.
Wegen der guten Konjunktur wird die Suche nach geeigneten Mitarbeitern jedoch immer schwieriger. „Insbesondere in den Metall- und Elektro- sowie in den technischen Berufen scheint der Arbeitsmarkt an qualifizierten Mitarbeitern leergefegt zu sein“, sagt BAP-Präsident Volker Enkerts. Mehr als 80 Prozent der befragten Zeitarbeitsfirmen gaben an, dass die Zahl der Bewerber mit diesen Qualifikationen zuletzt abgenommen hat. Dagegen ist das Auftragsvolumen für solche Mitarbeiter bei mehr als jedem zweiten Anbieter gestiegen.
Beschäftigtenzahl zeitweise unter 600.000
Obwohl die Personalnachfrage aus den Kundenunternehmen also steigt, haben Zeitarbeitsfirmen im April deshalb zunehmend Aufträge abgelehnt, sagt Enkerts. „Wir könnten sofort 50.000 sozialversichungspflichtige Vollzeitstellen besetzen – quer durch alle Berufsgruppen.“ Nach Angaben des Verbandschefs sorgt neben dem Bewerberengpass noch ein weiterer Umstand dafür, dass die Beschäftigtenzahl seit Monaten trotz der guten Auftragslage unterhalb der Marke von 900.000 stagniert: „Die Zahl der Übernahmen unserer Mitarbeiter durch die Kundenunternehmen ist in letzter Zeit sehr deutlich gestiegen.“ Dazu lägen zwar keine gesicherten Daten vor. Die Aussagen von Vertretern der Mitgliedsunternehmen sprächen jedoch eine klare Sprache. Teilweise fänden etwa in der Industrie regelrechte Abwerbungswellen statt. Die Beschäftigtenzahl im Verarbeitenden Gewerbe hat im April die Marke von 5 Millionen genommen.
Der Zeitarbeitsindex basiert auf Befragungen in mehr als 2000 Niederlassungen von Zeitarbeitsunternehmen. Das IW schreibt damit die offiziellen Branchenzahlen der Bundesagentur für Arbeit weiter, die erst mit einer mehr als halbjährigen Verzögerung veröffentlicht werden. Die Zeitarbeit hatte die Folgen der Wirtschaft- und Finanzkrise in Deutschland deutlich zu spüren bekommen. Die Beschäftigtenzahl fiel zeitweise unter die Marke von 600.000. Schon 2009 setzte jedoch eine spürbare Erholung ein, so dass Beobachter damit rechneten, dass relativ bald die Marke von einer Million Zeitarbeitern überschritten wird. Mit solchen Prognosen hält sich der BAP angesichts der jüngsten Entwicklung nun zurück.
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Lars Rockstroh (larroc)
- 17.06.2011, 01:03 Uhr
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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