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Arbeitnehmerfreizügigkeit Austria sucht Fachkräfte

29.04.2011 ·  Studien zufolge könnten von Mai an bis zu 25.000 Menschen zusätzlich nach Österreich kommen. Die Österreicher sehen das positiv: Mehr als die Hälfte glaubt, dass der Wirtschaftsstandort auf Zuwanderung angewiesen ist.

Von Michaela Seiser
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Die Stimmung in der österreichischen Bevölkerung ist vor der Arbeitsmarktöffnung für Osteuropäer positiv. Mehr als die Hälfte der von einem Meinungsforschungsinstitut Befragten glaubte im März, dass der Wirtschaftsstandort auf Zuwanderung angewiesen ist.

Die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit betrifft genaugenommen nurmehr das letzte Drittel des Arbeitsmarktes. Denn Teile wurden schon liberalisiert: Saisonarbeiter in Landwirtschaft und Fremdenverkehr dürfen ebenso ins Land wie Pfleger, Metaller und Arbeiter für gut 60 weitere Mangelberufe. Im Durchschnitt des Jahres 2010 haben fast 100.000 Menschen aus den acht osteuropäischen Staaten in Österreich gearbeitet. Die größten Gruppen bilden Ungarn, Polen und Slowaken. Dazu kommen noch viele Rumänen.

25.000 Menschen könnten zusätzlich kommen

Studien zufolge könnten von Mai an bis zu 25.000 Menschen zusätzlich kommen. Mit einer Erwerbslosenquote etwas mehr als 4 Prozent dürfte der Arbeitsmarkt diesen Zuzug jedoch gut verkraften. Zudem habe Österreich einen eklatanten Fachkräftemangel, und schon in drei bis vier Jahren werde sich der Rückgang an jungen Menschen dramatisch auswirken, sagt der Präsident des Unternehmerverbandes Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl. Österreich habe daher kein Problem, wenn qualifizierte Arbeitskräfte kämen. Um Billiglöhne zu verhindern, wurde im Parlament ein Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping beschlossen: Ausländer dürfen nicht unter dem im in Österreich geltenden Tarifvertrag festgelegten Lohn bezahlt werden. Hält sich ein Unternehmen nicht an die Mindestlöhne, drohen bis zu 50 000 Euro Strafe.

Drei Viertel der Arbeitsmigranten aus Osteuropa werden gut qualifiziert (Abitur- oder Facharbeiterniveau) sein, erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). Der Zuzug werde aber nicht reichen, um den Facharbeitermangel auszugleichen, glauben Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Wifo-Leiter Karl Aiginger. Durch die späte Öffnung des Arbeitsmarktes habe Österreich "vielleicht ein paar Spezialisten versäumt", in Summe sei das lange Warten aber für den Arbeitsmarkt besser gewesen, sagt der Sozialminister. Der Großteil des Zustroms dürfte dem Wifo zufolge aus Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik kommen.

Wie aufgeschlossen Österreich für Zuwanderung ist, zeigt ein anderes Projekt: Denn mit dem Inkrafttreten der Rot-Weiß-Rot-Card im Juli 2011 soll der Zuzug von Bürgern aus Nicht-EU-Ländern nach einem Punktesystem gesteuert werden und nicht mehr über Quoten. Die Karte enthält das Recht auf Aufenthalt und auf Arbeitsmarktzugang. Entscheidend sind Kriterien wie berufliche Qualifikation, Sprachkenntnisse und Alter.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

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