07.01.2012 · Die CES in Las Vegas ist über Amerika hinaus eine Leitmesse der Elektronik für alle. Viele Hersteller versuchen vergeblich, ihre Produkte auf dem Markt zu etablieren, bevor Apple 2012 zeigt, wie es geht.
Von Raymond WisemanDie Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ist über Amerika hinaus eine Leitmesse der Elektronik für alle. Von Dienstag an wird es wieder so sein, wie es schon Tradition hat: Apple ist da, und zwar indem man als das stilbildende Unternehmen der Branche durch demonstrative Abwesenheit glänzt.
Von Wolke sieben aus zuschauend, darf Steve Jobs zufrieden sein: Ob sie telefonieren wollen, rasch etwas nachschauen oder notieren müssen, die CES-Besucher zücken Geräte, auf denen das Logo mit dem angebissenen Apfel prangt. In Hallen und Gängen stapelt sich Zubehör für iPod, iPhone, iPad und Konsorten. Und wenn es nicht gar blanke Nachschöpfungen der Originale von Apple sind, wirkt so manches, was der Wettbewerb ausstellt, wie ein Lauern darauf, was aus Cupertino noch kommen mag.
Die Tablets der CES 2012 lassen sich als ein versuchter Vorgriff aufs iPad 3 verstehen. Die erste Attacke von Android und anderen auf das iPad 2 ist weitgehend gescheitert. Was kann das Feld der Verfolger bieten - mehr, als Apple liefern wird? Bislang ist der große Wurf, ein überzeugender Kontrapunkt nicht zu erkennen. Allenfalls in einzelnen Details konnte man auftrumpfen.
Gleichfalls inspiriert von Apple sind die flachen Mobilrechner. Nach wie vor am MacBook Air müssen sich die etwa fünfzig auf der CES erwarteten Geräte anderer Hersteller messen lassen. Sie werden als Ultrabook mit stromsparenden Prozessoren von Intel oder (unter anderer Bezeichnung) mit AMD-Chips präsentiert. Aber dünn sein allein genügt nicht. In dieser Geräteklasse muss sich die innovative Technik mit einem hohem Stilfaktor verbinden.
Funktion und Design bestimmen gemeinsam den Erfolg. Das hat sich bereits in der Entwicklung der Smartphones gezeigt. Dass da immer noch Entwicklungspotential vorhanden ist, zeigen auf der CES unter anderem Mobiltelefone mit Googles Android und mit Microsoft Windows Phone. Von Microsofts Betriebssystem wird erwartet, dass Nokia es im größeren Lumia 900 auf der CES vorstellt.
Smartphones und andere Computer ohne Tastatur sind immer noch unangefochten die Domäne der ARM-Prozessoren, die inzwischen als Chips mit vier Kernen auf den Markt kommen. Allerdings drängt Intel verstärkt mit seinem Atom-Prozessor Medfield in dieses Geschäftsfeld. Die CES wird Smartphones und Tablets mit dem Medfield-Prozessor zumindest als Studien sehen.
Andererseits erwarten Nvidia, Qualcomm und Samsung als Hersteller von Chips im ARM-Design, dass Windows 8 für ihre Dual-Core- und Quad-Core-Prozessoren neue Impulse bringt. Über allen Systemen aber schwebt die Wolke der Apps, die Software als Programmhäppchen auf den Bildschirm bringen - nicht nur in Computern aller Art, sondern genauso in der Unterhaltungselektronik daheim. Und wer hat's erfunden?
Von Apple wird in diesem Jahr ein Internet-Fernsehgerät erwartet. Die Konstellation ist günstig: Cupertino hat die Chance, abermals ein Thema zu besetzen. Und an diesem hier haben sich von Internetdiensten wie Yahoo über Hersteller wie LG bis zu den Spielekonsolen-Experten bei Microsoft so ziemlich alle erprobt.
Auf der CES 2012 wagen sie vielleicht noch einen Versuch, bevor Apple dann zeigt, wie es geht. Der Visionär auf Wolke sieben, der rechtzeitig vor seiner Verewigung die Gemeinde mit Andeutungen scharfgemacht hatte, mag sich die Hände reiben. Man wird sehen.
Kommentar oder Artikel?
Arnulf Haubold (statlerundwaldorf)
- 10.01.2012, 08:07 Uhr
Ultrabooks ...
Janosh Gnisleh (jangnisleh)
- 09.01.2012, 21:07 Uhr