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Ski-Kommentar Rechnen und Rennen

14.02.2009 ·  Das Gold von Kathrin Hölzl hatte viel Druck von Maria Riesch genommen. Im Slalom musste sie nur ihre eigenen hohen Ansprüche erfüllen. Ob es eine gute oder eine enttäuschende WM für die deutsche Vorzeigefahrerin wurde, entschied sich allein an diesem Samstag.

Von Peter Penders, Val d'Isère
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Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Die Erklärung für den überraschenden WM-Triumph von Kathrin Hölzl im Riesenslalom war schnell gefunden. Die Bischofswiesenerin habe völlig ohne Druck losfahren können, niemand habe eine Medaille von ihr erwartet (siehe auch: Kathrin Hölzl: Die Konkurrenz verneigt sich vor dem „lieben Madel“). Schließlich war Maria Riesch, die Zweite in der Weltcup-Gesamtwertung, auserkoren gewesen, die siebenjährige Erfolglosigkeit der Athleten des Deutschen Ski-Verbandes zu beenden. Weil sie es nicht tat, steht die Partenkirchenerin jetzt als eine da, die den Erwartungen nicht standhält.

Das überrascht bei genauerer Betrachtung, denn die Enttäuschung über das Abschneiden von Maria Riesch in den schnellen Disziplinen Abfahrt und Superriesenslalom müsste sich eigentlich in Grenzen halten. Nur ein einziges Mal hatte sie es in dieser Saison in diesen Disziplinen auf das Siegerpodium eines Weltcuprennens geschafft – als Dritte der ersten Abfahrt in Lake Louise. Im Superriesenslalom stand vor dieser Weltmeisterschaft ein fünfter Platz beim letzten Rennen vor den Titelkämpfen in Garmisch-Partenkirchen zu Buche. Medaillenfavoriten haben andere Bilanzen.

Gift für den Stil von Maria Riesch

Mit Kathrin Hölzl hatte dagegen niemand gerechnet, was auch daran liegt, dass sich die öffentliche Wahrnehmung allein auf Maria Riesch und Felix Neureuther konzentriert. Dass sie zu den besten Riesenslalomfahrerinnen der Welt gehört, war nur Fachleuten bekannt. Darum ist sie auch mit einem sponsorenfreien Helm im Weltcup unterwegs. Auch sie reiste in Val d’Isère mit einem Podiumsplatz in der bisherigen Weltcupsaison an, doch trotz ihres dritten Ranges in Maribor hatte sie niemand auf der Medaillenrechnung.

So unterschiedlich aber können die gleichen Ausgangslagen beurteilt werden, nicht einmal ein entscheidendes Kriterium schwächte die Prognosen ab: Der schwere, weil sehr steile Riesenslalomhang auf der Männerpiste „Face de Bellevarde“ passte extrem gut zur Fahrweise von Kathrin Hölzl, der sehr kurvige Abfahrts- und Superriesenslalomkurs auf dem Berg „Solaise“ hingegen war Gift für den Stil von Maria Riesch.

Viel Erwartungsdruck genommen

Deren wirkliche Bewährungsprobe bei dieser Weltmeisterschaft steht erst an diesem Samstag an (Start des ersten Laufs um 10.00 Uhr / Live im ZDF und bei Eurosport), wenn sie als Führende im Slalom-Weltcup zur weltmeisterlichen Zickzackfahrt antritt. Sie hat in dieser Saison viermal in dieser Disziplin gewonnen, dazu je einen zweiten und dritten Platz belegt und ist in sieben Rennen nur ein einziges Mal nicht auf das Podium gefahren. Ob dies eine gute oder eine enttäuschende WM für die Vorzeigefahrerin des Deutschen Ski-Verbandes wird, entscheidet sich einzig und allein an diesem Samstag.

Wie viel Erwartungsdruck Maria Riesch mit dem WM-Titel von Kathrin Hölzl genommen wurde, zeigte sich, als sie die Zimmerpartnerin nach deren Triumph vor Freude buchstäblich umrannte und danach auf den Schultern durch den Zielraum trug. Die Bilanz des Deutschen Ski-Verbandes muss sie nun nicht mehr alleine retten – die Medaille, die sich alle ersehnt haben, ist schon da, bevor sie nun den Berg hinunterwedelt. Maria Riesch muss nur noch ihre eigenen Ansprüche erfüllen, und die werden hoch genug sein. Das gilt am Sonntag auch für Felix Neureuther (Start des Slaloms um 10.00 Uhr / Live im ZDF und bei Eurosport). Auch er hat in dieser Saison erst einmal auf einem Siegerpodium gestanden – als Dritter. Daraus kann eine ganze Menge werden, wie das Beispiel Hölzl zeigt. Daraus muss aber nicht zwangsläufig etwas werden, wie das Beispiel Riesch beweist.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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