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WM-Slalom der Damen Maria Rieschs Traumlauf zu Gold

14.02.2009 ·  Maria Riesch hält dem Druck stand, gewinnt bei der Alpinen Ski-WM in Val d'Isère Gold im Slalom und erweist sich als große Siegerin: „Wahnsinn, ich hätte es selber nicht mehr für möglich gehalten. Ich bin Weltmeisterin, das ist der Hammer.“

Von Peter Penders, Val d'Isère
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Als fast alles schon verloren schien, als diese WM für sie endgültig zur großen Enttäuschung zu werden drohte, da war plötzlich alles wieder da, was sie zur besten Slalomfahrerin des Winters hatte werden lassen. Das aber macht Siegertypen aus - dass sie das Beste aus sich herausholen können, wenn sie schon mit dem Rücken zur Wand stehen, wenn die Niederlage wahrscheinlicher ist als der Triumph.

Ob Maria Riesch aber diese Stärke besäße, das war angesichts des bisherigen Verlaufs dieser WM zweifelhaft, und vielleicht hatte sie selbst gezweifelt. Dies war der letzte Strohhalm, nach dem sie greifen konnte - doch wie diese Chance dann nutzte, das hätte ihr kaum noch jemand zugetraut. Sie fuhr Laufbestzeit genau in dem Moment, als sie eine solche Leistung benötigte, und sie holte sich damit doch noch das, wovon sie die ganze Zeit geträumt hatte und was schon so unendlich weit weg schien: den WM-Titel.

Es hatte Rückschläge gehagelt

Viel war auf Maria Riesch eingeprasselt in den vergangenen Wochen und vor allem bei diesen Titelkämpfen. Wann immer von realistischen Medaillenchancen für die Mannschaft des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) die Rede gewesen war, hatten die Gespräche automatisch zu der 24 Jahre alten Garmischerin geführt. Sie ist die Zweite in der Weltcup-Gesamtwertung, sie führt die Slalom-Wertung nach vier Saisonsiegen und je einem zweiten und dritten Platz überlegen an - wer also sonst sollte endlich die sieben deutschen Jahre medaillenloser Weltmeisterschaften oder Olympischen Spiele beenden?

WM-Slalom der Damen: Maria Rieschs Traumlauf zu Gold

Doch dann hatte es schon in der Vorbereitung auf Val d'Isère plötzlich Rückschläge gehagelt. Sie schied in der Kombination in Zauchensee aus, sie stürzte in Cortina d'Ampezzo gleich zweimal, und dahin war die Sicherheit, die sie vorher ausgezeichnet hatte. Beim vergangenen Weltcuprennen in ihrem Heimatort Garmisch-Partenkirchen belegte sie zwar im Slalom noch einmal den zweiten Platz, hatte aber von diversen Ausfällen vor ihr liegender Konkurrentinnen profitiert. Und auch die WM hatte alles andere als nach Wunsch begonnen. Sie stürzte im Abfahrtstraining, kam danach auch wegen ihrer Rückenprellungen und einer Bänderdehnung im Knie sowohl in der Abfahrt als auch im Superriesenslalom nicht richtig in Fahrt. Ein aussichtsreicher Außenseiter war sie in diesen beiden Disziplinen gewesen, aber auf einer Strecke, die ihr nicht liegt, hatte sie mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun gehabt.

Kathrin Hölzl hatte vorgemacht, wie es gehen kann

Dann war die Kombination gekommen, in der sie als passable Abfahrerin und herausragende Slalomfahrerin wie geschaffen schien für eine Medaille. Sie patzte aber, und sie hatte ausgerechnet in ihrer stärksten Disziplin gepatzt und mit einem völlig misslungenen Slalomlauf die Medaille aus den Händen gegeben. Danach war ihre Verunsicherung greifbar gewesen, und verstohlen hatte sie bei der Siegerehrung als undankbare Vierte hoch zu denen geblickt, die den Platz an der Sonne erhascht hatten.

Schon vor diesem abschließenden Slalom aber war der große Druck mit einem Schlag von der deutschen Mannschaft abgefallen. Kathrin Hölzl hatte im Riesenslalom das geschafft, wofür Maria Riesch vorgesehen war, und ihre Zimmerpartnerin war sogar über jedes Ziel hinausgeschossen. Dieser unerwartete WM-Titel, der erste deutsche Sieg seit dem Kombinationserfolg von Martina Ertl 2001 in St. Anton, hatte im Team zwar für unendliche Erleichterung gesorgt, und Maria Riesch hatte die neue Heldin auf den Schultern durch den Zielraum getragen. Nur an der eigenen Ausgangslage vor ihrem letzten Rennen hatte sich im Grunde nichts geändert. Sie war angesichts ihrer Saisonergebnisse die Favoritin schlechthin - und alles andere als wenigstens eine Medaille wäre eine riesige Enttäuschung für sie selbst gewesen.

„Man fährt drauflos und alles geht von alleine“

Platz sechs hatte sie nach dem ersten Durchgang belegt, und dieser Rang ließ alles offen - Triumph oder Desaster. Hinterher, wenn alles gutgegangen ist, lässt sich immer leicht erklären, warum es gutgegangen ist. „Ich wusste, dass ich voll angreifen muss, wenn ich noch eine Medaille haben will“, sagte Maria Riesch. Was sie nicht wissen konnte, war, plötzlich das schöne Gefühl zu haben, dass es nicht schiefgehen konnte, nicht in diesem Lauf. „Das kann man nicht erklären“, sagte sie, „man fährt drauflos und alles geht von alleine. Und in der Kombination bin ich losgefahren, und nichts ging, gar nichts.“

Diesmal ging alles, weil sie einen Lauf hinlegte, der Wolfgang Maier erst einmal sprachlos machte und den der Alpindirektor später mit „allerhöchster sportlicher Klasse“ würdigte. Die Fünfte nach dem ersten Durchgang, die Schwedin Frida Hansdotter, kam nicht heran und fiel zurück, die tschechische Titelverteidigerin Sarka Zahrobska war zu langsam, das führende Trio Sandrine Aubert, Lindsey Vonn und Manuela Mölgg hielt dem Druck nicht stand und fiel aus. Die Weltmeisterin hieß plötzlich Maria Riesch, 77 Hundertstelsekunden vor Sarka Zahrobska, 1,09 Sekunden vor der Finnin Tanja Poutiainen.

„Ich freue mich so für sie, weil sie es nach all den Rückschlägen so verdient hat“, sagte Cheftrainer Mathias Berthold, „dieser zweite Lauf war der absolute Wahnsinn.“ Es war der Moment einer großen Siegerin.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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