02.02.2009 · Maria Riesch ist die größte deutsche Medaillenhoffnung bei der am Dienstag beginnenden WM in Val d'Isère. Die 24-Jährige im FAZ.NET-Gespräch über die „Golden Girls“ der 90er Jahre, ihren Umgang mit Druck und den Kitzel beim Skifahren.
Die 24 Jahre alte Skirennläuferin ist die größte deutsche Medaillenhoffnung bei der WM in Val d'Isère. An diesem Dienstag startet sie im Superriesenslalom. Maria Riesch im FAZ.NET-Gespräch.
Was würden Sie lieber gewinnen, wenn Sie es sich aussuchen könnten: den Gesamtweltcup oder einen WM-Titel?
Sportlich ist sicher der Gesamtweltcup höher einzuordnen, denn die WM sind im Prinzip ja nur mehrere Weltcuprennen. Aber weil es Medaillen gibt, ist die WM für die Öffentlichkeit wichtiger. Eine Medaille wird ganz anders wahrgenommen und in den Medien ganz anders präsentiert als ein Platz auf dem Podest bei einem Weltcuprennen.
Wie sehen Sie Ihre Chancen beim WM-Auftakt im Superriesenslalom?
Mir hat im Superriesenslalom zuletzt etwas die Sicherheit gefehlt, aber in Garmisch habe ich jetzt das Podest nur um acht Hundertstelsekunden verpasst. Ich gehöre sicher nicht zu den Favoriten, aber wenn ich einen Superlauf erwische, ist einiges möglich.
Sie sind zum dritten Mal bei einer WM dabei, erstmals aber treten Sie als Medaillenfavoritin an. Spüren Sie einen Unterschied zu 2003 und 2007?
Es ist schon ein Unterschied. Ich versuche, mich einfach nicht zu sehr unter Druck zu setzen, das Ganze locker anzugehen.
Was ist höher: der eigene Leistungsdruck oder der von außen?
In erster Linie fahre ich natürlich für mich, will für mich eine gute Leistung bringen. Vielleicht ist es aber auch dieser Druck von allen Seiten, der mich zu Höchstleistungen antreibt. Das gehört dazu, auch wenn es dich in gewissen Situationen ein bisschen nervöser macht. Wenn ich aber am Start stehe, denke ich an so etwas nicht.
Bei Großereignissen gibt es immer wieder mal Überraschungssieger. Diejenigen, die im Weltcup dominiert haben, gehen manchmal leer aus. Denkt man daran, wenn man zur WM reist?
Bei einer WM kann man sowieso nichts planen. Eben weil es nur ein Rennen gibt, hat es das schon oft gegeben, dass die Favoriten ein bisschen schwächeln und andere vorne sind. Aber ich mache mir keine Gedanken, ich konzentriere mich auf das, was ich zu machen habe und hoffe, dass es gut geht.
Bereitet man sich anders vor auf eine WM als auf ein Weltcupwochenende?
Das geht eigentlich gar nicht, vor allem als Allrounder, außerdem sind wir nach den Rennen in Garmisch ja erst am späten Sonntagabend in Val d’Isère angekommen. Aber ich werde mich hier schon noch gezielt auf den Slalom vorbereiten können.
Muss man sich mehr abschotten?
Natürlich muss man schauen, dass es nicht zu viel wird, dass man sich auf den Sport, auf das Training konzentriert und man zum Verschnaufen kommt. Man muss sich schon Ruhe gönnen und darf sich vom ganzen Trubel nicht verrückt machen lassen. Weil ich alle Disziplinen bestreite, habe ich aber auch gar nicht so viel Zeit für andere Dinge.
Die Alpinen stehen seit Jahren im Schatten der Biathleten und auch der Skispringer, obwohl deren beste Zeiten längst vorbei sind. Ärgert Sie das?
Man kann nur versuchen, weiterhin gute Leistungen zu bringen. Ich denke schon, dass sich das mit der Zeit wieder ändert. Ende der neunziger Jahre, als die „Golden Girls“ Seizinger, Ertl und Gerg so erfolgreich waren, war das Interesse ja auch groß.
Die Skispringer haben länger von ihren Erfolgen gezehrt. Haben Sie eine Erklärung für den Hype?
Für mich gibt es keine Erklärung. Ich weiß auch nicht, was so faszinierend ist am Skispringen. Ich finde es zwar auch ganz spannend anzuschauen, aber beim Skifahren ist doch viel mehr Action, viel mehr Kitzel dabei.
Spüren Sie eine Veränderung nach den Erfolgen in dieser Saison?
Die Medienpräsenz ist gestiegen, ich bekomme auch mehr Fanpost als in den vergangenen Jahren. Die Aufmerksamkeit ist schon größer geworden, aber ob es beim Skisport je diesen Boom geben wird wie beim Biathlon oder beim Skispringen, bezweifle ich.