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Kathrin Hölzl Die Konkurrenz verneigt sich vor dem „lieben Madel“

 ·  Noch nie ein Weltcuprennen gewonnen und dann bei der WM Gold im Riesenslalom: Kathrin Hölzls Erfolg war eine Überraschung, aber keine Sensation. Ändern will sich der „Sturkopf“ nicht - ein guter Vorsatz aber ließ sich nicht durchhalten.

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So ganz geheuer schien Kathrin Hölzl diese Order des Cheftrainers nicht zu sein. „Auf in den TirolBerg“ hatte Mathias Berthold gesagt und musste danach erst einmal Überzeugungsarbeit leisten. Ob man sie dort, wo Österreich seine Skihelden zu feiern pflegt, tatsächlich willkommen heißen würde? Berthold duldete keinen Widerspruch, und seine Landsleute bewiesen Größe. Sie feierten die neue Weltmeisterin im Riesenslalom, als sei sie eine der ihren (siehe auch: Ski-WM: Kathrin Hölzls grandiose Vorstellung).

Die Skilegende Toni Sailer wollte ihr vorgestellt werden, und das passte zu diesem ungewöhnlichen Tag, an dem so viel auf Kathrin Hölzl eingeströmt war. Ihr Naturell wird ihr helfen, alles zu verarbeiten. „Ich bin eher der ruhige Typ“, hatte sie gesagt, und natürlich werde sich durch diesen WM-Titel nichts verändern. Sie werde weiter hart arbeiten, aber manchmal kann man nicht alle Vorsätze auch durchhalten. „Morgen früh um neun Uhr ist Slalomtraining“, hatte sie am frühen Abend noch voller Überzeugung gesagt, aber irgendwann hatte die Ausgelassenheit der Trainer, Betreuer und Serviceleute auch die anfänglich eher reservierte und schüchternde Weltmeisterin mitgerissen.

Dies war nicht die Nacht, um an Slalomtraining zu denken. Noch nie ein Weltcuprennen gewonnen - und dann ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft erstmals ganz oben auf dem Podest. Das sind Erfolgsgeschichten, die so schwer zu erklären sind, die nach Superlativen rufen. Wahnsinnig fanden das alle, und viele vor allem wahnsinnig erleichternd: 52 Rennen bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen waren vergangen, seit ein Athlet des Deutschen Ski-Verbandes zum letzten Male eine Medaille gewonnen hatte.

Das zerrt am Selbstbewusstsein, vor allem in einem Land, das im Winter von Erfolg zu Erfolg rodelt, langläuft oder skatet. Alpines Skifahren aber ist teuer, und die Erklärungsnöte nehmen zu, wenn eben immer die anderen die Medaillen holen. Und so feierte ein ganzes Team ausgelassen diesen Moment, auf den alle so lange gewartet hatten - und auch die interne Konkurrenz verneigte sich. Die Biathleten gratulierten per SMS von ihrer WM aus Südkorea.

Cheftrainer Berthold: „Die Kati ist so ein liebes Madel“

So einen Erfolg zu erklären ist unendlich schwer - und gleichzeitig ganz einfach. „Man darf sich nicht zuviel Druck machen und muss locker bleiben“, sagte Kathrin Hölzl, und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „Aber das sagt sich so leicht.“ Man muss genau zuhören, wenn sie spricht, weil sie die leisen Töne bevorzugt. „Die Kati ist so ein liebes Madel“, sagt Berthold, und wenn man sie so ansieht, mag man kaum glauben, dass dieses zurückhaltende und nur 1,63 Meter große und 59 Kilogramm schwere Persönchen sich dann so entschlossen solche Pisten herunterstürzt.

Die „Face de Bellevarde“ hatte bei dieser WM schließlich schon für viele Schlagzeilen gesorgt. Zu steil, zu eng, zu eisig - und doch wie gemacht für eine Skifahrerin wie Kathrin Hölzl. „Es gibt keine mit einer besseren Skitechnik“, hatte Berthold gesagt - schon lange vor dieser Weltmeisterschaft. Trotzdem hatte es gedauert, bis diese idealen Voraussetzungen zum großen Erfolg führten. Schon immer war sie im Training wie eine Weltmeisterin gefahren, hatte es aber im Rennen nicht umsetzen können.

Große Talente gehen schludrig mit der Begabung um

Ein Sturkopf sei sie gewesen, sagt Wolfgang Maier. Auch der Alpinchef kommt aus dem Berchtesgadener Land, kennt sie seit ihren Schülerzeiten. Manches sei ihr zu leicht gefallen, da habe man schon einmal dazwischen schlagen müssen, um sie in die richtige Spur zu bringen. Große Talente gehen manchmal eben etwas schludrig mit ihren Begabungen um. Vor drei Jahren versetzen die Trainer sie sogar in den Europacup, und diese Botschaft kam an. Seit ihrem sechsten Platz bei der WM 2007 in Are gehörte sie zu den besten Riesenslalom-Fahrerinnen der Welt.

Trotzdem ließ der große Durchbruch weiter auf sich warten. Ein privater Schicksalsschlag warf sie im vergangenen Jahr zurück, als ihr Vater an Krebs starb. Er war ihr Trainer und großer Förderer gewesen, und sie setzte ihre Karriere auch in seinem Sinne fort. Vor dieser Saison wagte sie einen vielleicht entscheidenden Schritt - sie testete erstmals eine andere Skimarke und stellte überrascht fest, auf Anhieb schneller zu fahren. Die nötige Abstimmung des neuen Materials aber brauchte seine Zeit und war vielleicht auch einer der Gründe, warum diese Saison ein stetiges Auf und Ab für sie gewesen war.

„Vergiss das Training, man wird nur dreimal Weltmeister“

In Maribor war sie auf den dritten Platz vorgefahren, feierte den zweiten Podiumsplatz ihrer Karriere - beim nächsten Rennen in Cortina d'Ampezzo hatte es aber gleich wieder einen Dämpfer gegeben. „Aber ich wusste, dass ich schnell fahren kann“, sagte Kathrin Hölzl, und das ist für eine Weltmeisterschaft keine schlechte Ausgangsposition. Sie gehörte nicht zu den Favoriten, und ihr Sieg war eine Überraschung, aber keine Sensation. Als einzige brachte sie zwei fehlerfreie Fahrten auf diesem schweren Berg hinunter und stand danach plötzlich auf völlig ungewohntem Terrain: im Mittelpunkt.

In der öffentlichen Wahrnehmung bestehen die deutschen Alpinen schließlich fast nur aus Maria Riesch und Felix Neureuther, und dementsprechend lastet auch aller Erwartungsdruck auf den Ikonen. Davon sind die beiden vor ihren Slalomrennen an diesem Wochenende befreit, dafür baut sich nun neuer bei Kathrin Hölzl auf. „Vergiss das Slalomtraining, man wird nur dreimal Weltmeister. Hier in Val d'Isère, dann in Garmisch und dann in Schladming“, hatte ihr Berthold gesagt. Aber nicht alles, was an diesem Abend geredet wurde, war bierernst gemeint. Ein paar Stunden später, pünktlich um neun Uhr, erschien Kathrin Hölzl zum Slalomtraining.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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