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Alpine Ski-WM Lara Gut überholt sich selbst

10.02.2009 ·  Die 17 Jahre alte Schweizerin verblüfft mit ihren zwei WM-Medaillen die Skiszene. Doch das Projekt „Gut“ ist nicht auf schnelle Erfolge, sondern auf Langfristigkeit angelegt.

Von Peter Penders, Val d'Isère
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Der Schweizer Cheftrainer ist voll des Lobes über sie. „Lara Gut hat eine unglaubliche Ski-Intelligenz“, sagt Hugues Ansermoz über seine Solo-Künstlerin, die mit einem eigenen Trainerteam unterwegs ist. Das erleichtert den Beruf der Skirennfahrerin zwar ungemein, aber auf die Dauer helfen andere Begabungen in jedem Fall auch weiter.

„Skifahren kann ich gut“, sagt der 17 Jahre alte neue Stern am Schweizer Skihimmel, was nach zwei zweiten Plätzen in der Kombination und in der Abfahrt bei ihrem Weltmeisterschafts-Debüt in Val d’Isère schon als kecke Untertreibung durchgehen könnte. Aber der Zusammenhang ist ja ganz anders gewählt: „In der Schule bin ich noch besser“, sagt sie.

Das Projekt „Gut“ ist auf Langfristigkeit ausgelegt

Da könnte was dran sein, denn selbst die Vielsprachigkeit der Schweiz hat ihr nicht ausgereicht. Also gibt das nur 1,60 Meter große Leichtgewicht Interviews nicht nur in Deutsch, Französisch und Italienisch, sondern auch noch in Englisch und in Spanisch. Vorbei könnten bald die Zeiten sein, als der Skirennsport mit seiner mitunter putzigen Vermarktung in einer alpinen Schockstarre verharrte und lauter Stars präsentierte, die außerhalb ihres Dialektraums kaum jemand verstand.

Zwar sieht es immer noch etwas albern aus, wenn Skirennfahrer nach ihrer Zielankunft in Sekundenschnelle zumindest einen Ski aus der Bindung lösen, um ihn in jede zur Verfügung stehende Kamera zu halten – oder wenn sie nach den Rennen ein extra bereitgestelltes Paar Ski von Interview zu Interview schleppen und später trotz in der Regel gut geheizter Presseräume die mit Sponsorenlogos verpflasterten Mützen aufbehalten. Aber neue Konzepte wie jenes rund um Lara Gut bringen offenbar Bewegung in die Szene.

Genügend Fachleute und Sponsoren im Team

Ihre Karriere, die nun in Val d’Isère einen Riesensprung nach vorne gemacht hat, ist gut geplant gewesen. Seit jeher hat sie mit ihrem Vater trainiert – und das eine Jahr, das sie im vergangenen Winter im Team des Schweizer Ski-Verbands mitmachte, gefiel Pauli Gut so wenig, das er mit der Erlaubnis von „Swiss Ski“ ein eigenes Team um die Tochter gründete.

Dieser talentierte Teenager war dem Verband schließlich ohne großes Zutun in den Schoß gefallen, doch dass da eine nachkommt, die das Zeug zu etwas ganz Großem hat, wurde schnell allen klar. Skistars aber braucht auch und vor allem die Schweiz, also stieß das Soloprojekt „Gut“ nicht auf taube Ohren bei der Verbandsführung.

„Lara hat sich unglaublich entwickelt“

So etwas ist schließlich teuer und wegen der allgegenwärtigen Verletzungsgefahr risikoreich genug: Zwischen 300.000 und 500.000 Franken betragen die Kosten für das sechsköpfige Betreuerteam und die Reisen um die ganze Welt. Pauli Gut aber fand nicht nur erstklassige Trainer wie seinen alten spanischen Jugendfreund Mauro Pini oder ausgewiesene Fachleute wie den Servicemann Barnaba Greppi, der einst auch den Ski der italienischen Asse Isolde Kostner und Deborah Compagnoni den nötigen Schliff verpasste. Er fand auch genügend Sponsoren, darunter auch den Europapark Rust in Deutschland, die mutig genug waren, in die Zukunft zu investieren.

Die hat nun schneller begonnen als erwartet. „Lara hat sich unglaublich entwickelt“, sagt Pini. Die Europapokal-Gesamtwertung hatte sie im letzten Winter gewonnen, dazu die Wertung in der Abfahrt und im Riesenslalom. Ihr Weltcup-Heimdebüt im vergangenen Jahr verlief so spektakulär, als sei es Teil eines gigantischen Werbekonzepts gewesen. Im Zielhang in St. Moritz stürzte sie, rutschte auf einem Ski durch die Zeitmessungsschranke – und wurde Abfahrtsdritte.

Zwei Sonnenkinder strahlen um die Wette

Nun, in ihrer ersten kompletten Saison im Weltcup, stand sie auch schon ganz oben auf dem Siegerpodium, und sie gewann ausgerechnet dort, wo der Sieg einer Schweizerin den höchsten Aufmerksamkeitsgrad in der Heimat hinterlässt: bei der Abfahrt in St. Moritz.

Großem Druck, sagt Pini, habe man sie vor dieser WM nicht ausgesetzt. Das Projekt „Gut“ ist auf Langfristigkeit ausgelegt, nicht auf diesen schnellen Erfolg, der die weitere Karriere nun aber womöglich entscheidend beflügelt. Während die Partenkirchnerin Maria Riesch nämlich schon darüber grübelt, dass sie mit ihren 24 Jahren auch wegen diverser Verletzungen überhaupt noch keine Medaille in ihrer Laufbahn gewonnen hat, ist ihre Schweizer Konkurrentin die ganze Geschichte ziemlich unbekümmert angegangen.

Dem Skisport hätte Schlimmeres passieren können

In der Kombination wollte sie als Außenseiterin einfach mal drauflos fahren, „denn wenn ich ausscheide, ist ja nichts passiert“. Heraus kam die erste Medaille, und bei der zweiten hielt sie auch dem gewachsenen Druck stand. Nach ihren Trainingsleistungen und dem Abfahrtsergebnis in der Kombination, in der sie den zweiten Platz hinter Lindsey Vonn belegt hatte, war sie vor der Spezialabfahrt zur großen Gegenspielerin der in diesem Winter überragenden Amerikanerin aufgestiegen.

Den Erwartungen wurde sie gerecht, wieder war nur Lindsey Vonn schneller. Auch die amerikanische Doppelweltmeisterin kann ihre Sprachfertigkeiten einsetzen – sie antwortet in fließendem Deutsch und wird dank ihrer beiden Titel nun endgültig zur Werbe-Ikone. Beide strahlen so in Val d’Isère bislang um die Wette, mehren nebenbei ihr Image als stets fröhliche und gutgelaunte Sonnenkinder dieses Sports. Und auch wenn dabei mehr Kalkül dahinterstecken könnte, als man sich wünschen würde – dem Skisport hätte Schlimmeres passieren können.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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