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Alpine Ski-WM Die Maßstäbe der Lindsey Vonn

03.02.2009 ·  Die Amerikanerin Lindsey Vonn siegte trotz der schlechtesten Bedingungen im ersten Rennen der alpinen Ski-WM. Ihre deutsche Freundin Maria Riesch traut sich nicht, im Superriesenslalom „gescheit zu attackieren“ und wird Achte.

Von Peter Penders, Val d'Isère
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Das Allerwichtigste bei so einer Weltmeisterschaft ist ja der Start. Wer gleich im ersten Rennen eine Medaille aufsammelt, der kann allem, was dann noch kommt, entspannt und gelassen, vor allem aber voller Selbstvertrauen entgegensehen. Der Ausgang des Superriesenslaloms der Frauen lässt bei den alpinen Titelkämpfen in Val d'Isère also noch so einiges erwarten, aus deutscher Sicht dummerweise aber für eine andere.

Lindsey Vonn, die Führende im Gesamt-Weltcup und große Gegenspielerin der deutschen Vorzeigefahrerin Maria Riesch, ließ sich zum WM-Auftakt in den Hochsavoyen weder von Wind noch Wetter, geschweige denn von den Konkurrentinnen aufhalten und raste zum ersten WM-Titel ihrer Laufbahn.

Maria Riesch „ein bisschen enttäuscht“

Als sich wieder einmal in dieser Disziplin ein Startnummernrennen abzeichnete und die Franzosen schon so langsam auf den Überraschungssieg ihrer als Zweite ins Rennen gegangenen Landsmännin Marie Marchand-Arvier hoffen durften, fuhr die Amerikanerin trotz schlechter Sicht zur überlegenen Bestzeit und siegte in 1:20,73 Minuten vor der Französin (0,34 Sekunden zurück) und der Österreicherin Andrea Fischbacher (0,40 Sekunden zurück).

Alpine Ski-WM: Die Maßstäbe der Lindsey Vonn

„Wenn Lindsey so einen Sonnenschein gehabt hätte wie die ersten zehn Starterinnen, wäre sie bestimmt mehr als eine Sekunde vor allen anderen“, sagte Maria Riesch zur Leistung ihrer Freundin. Mit Platz acht (1,71 Sekunden zurück) erfüllten sich ihre eigenen Hoffnungen nicht, allerdings liegt das Ergebnis im Rahmen ihrer bisherigen Darbietungen in dieser Disziplin im Weltcup. „Ich bin trotzdem ein bisschen enttäuscht und hatte mir mehr ausgerechnet“, sagte die Garmisch-Partenkirchenerin.

Die weitaus schlechtesten Bedingungen hatte Lindsey Vonn

Die Hoffnung im deutschen Lager auf einen Medaillengewinn durch die Fahrerin, die im vergangenen Jahr noch die Weltcupwertung im Superriesenslalom gewonnen hatte, war im Grunde schon vor ihrem Start dahin. Nach und nach hatte sich der Himmel zugezogen, und als Maria Riesch mit Startnummer 16 endlich ins Rennen gehen konnte, hatten die Wolken auch die letzten Sonnenstrahlen endgültig vertrieben.

„Wir wissen ja alle, dass Maria seit ihren Verletzungen erhebliche Probleme mit solch schlechtem Licht hat. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Sichtbedingungen bei diesem Rennen eine Rolle gespielt haben“, sagte Alpinchef Wolfgang Maier und nahm seine Athletin in Schutz. „Das ist für uns kein Weltuntergang.“ Seine aussichtsreichste Starterin gehört vor allem im Slalom und in der Kombination zu den großen Favoritinnen.

Diverse Tücken der Strecke führten zu diversen Ausfällen

Die weitaus schlechtesten Bedingungen von allen Medaillenkandidatinnen hatte allerdings die Siegerin, für die aber derzeit offenbar andere Maßstäbe gelten. Vor zwei Tagen hatte sie beim letzten Test vor dieser WM in Garmisch-Partenkirchen erstmals in dieser Saison einen Superriesenslalom gewonnen. „Lindsey ist im Moment in einer Superform und voller Selbstvertrauen. Die würde vermutlich sogar gewinnen, wenn sie rückwärts herunterfahren müsste“, sagte Maria Riesch. Das wohl eher nicht, aber die überragende Fahrt ihrer Freundin war trotzdem keine besondere Überraschung für sie. „Sie hatte noch nie Probleme, bei schlechten Bedingungen auf Angriff zu fahren, allerdings hat sie sich auch noch nie schwer verletzt.“

Der schwere Kurs auf dem Berg Solaise hatte, abgesehen von sich stetig verschlechternden Sichtbedingungen, auch ansonsten einige Tücken für die Fahrerinnen parat gehalten, was zu diversen Ausfällen führte. Die Österreicherin Renate Götschel schied so ebenso wie die schwedische Titelverteidigerin und Mitfavoritin Anja Pärson mit großem Zeitrückstand aus, auch die Deutsche Gina Stechert fuhr an einem Tor vorbei. Für eine Überraschung aus deutscher Sicht sorgte Viktoria Rebensburg. Mit 2,07 Sekunden Rückstand belegte die Kreutherin den zehnten Platz, vergab aber eine noch bessere Plazierung mit einem Fahrfehler im unteren Streckenteil und ärgerte sich dementsprechend.

„Auch bei diesen Bedingungen kann man schnell Ski fahren“

„Die Bedingungen waren unvorstellbar. Ich habe sehr viel Glück gehabt und bin sicher, dass Maria bei der Abfahrt ein Wörtchen mitreden wird. Ich habe unheimlich viel Glück gehabt“, sagte Lindsey Vonn nach ihrer unerschrockenen Fahrt und einer Leistung, vor der sich alle nur verneigen konnten. „Das war wirklich sensationell“, beurteilte Maier die Vorstellung der Amerikanerin, die nun der Auftakt einer ähnlichen Siegesserie sein könnte wie bei der Weltmeisterschaft 2007 in Are. Dort hatte die Schwedin Anja Pärson drei Einzeltitel (Abfahrt, Superriesenslalom und in der Kombination) gewonnen sowie den zweiten Platz mit der Mannschaft und den dritten Rang im Slalom belegt.

„Auch bei diesen Bedingungen kann man schnell Ski fahren, das hat Lindsey gezeigt“, sagte der deutsche Cheftrainer Mathias Berthold. Das könnte Maria Riesch noch sehr weiterhelfen, denn die Hochsavoyen sind für wechselhafte Sichtverhältnisse berüchtigt. Seit ihren Kreuzbandrissen zu Beginn des Jahres 2005 in Cortina d'Ampezzo und zum Ende desselben Jahres in Lake Louise aber fällt es ihr immer noch schwer, bei geringer Bodensicht volles Risiko einzugehen. „Über Funk kam die Anweisung, gescheit zu attackieren, aber das habe ich mich einfach nicht getraut“, gab sie zu. Verunsichern lassen will sie sich davon aus guten Gründen nicht: „Eine Medaille hätte vieles einfacher gemacht, aber ich habe ja noch ein paar Chancen.“ Und spätestens im Slalom sollte das Licht nicht die entscheidende Rolle spielen. Ihre große Gegnerin in ihrer Spezialdisziplin wird dann jetzt aber erst recht wieder Lindsey Vonn heißen.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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