03.02.2009 · Die Internationale Biathlon-Union hat positive A-Proben während des Weltcups Anfang Dezember im schwedischen Östersund bestätigt. Die IBU nennt keine Namen. Nach russischen Berichten soll es sich um Blutmanipulationen bei russischen Skijägern handeln, angeblich war Epo im Spiel.
Von Claus DieterleZehn Tage vor Beginn der Biathlon-Weltmeisterschaften in Pyeongchang sind die Skijäger wieder ins Gerede gekommen. Wegen mehrerer positiver Dopingproben. Wie viele es sind, welcher Nationalität und welchem Geschlecht die Betroffenen angehören, darüber schweigt man bei der Internationalen Biathlon-Union (IBU). Das gilt auch für die Art des Vergehens. Es ist Usus im Verband, Identitäten erst preiszugeben, nachdem auch die B-Probe analysiert ist. „Aus rechtlichen Gründen“, wie IBU-Generalsekretärin Nicole Resch sagt.
Auch Anders Besseberg, der Präsident aus Norwegen, verrät nur: „Es ist mehr als eine.“ Sein deutscher Vize Alfons Hörmann zerstreut zumindest die ärgsten Befürchtungen hierzulande. „Es sind keine deutschen Athleten betroffen. Die deutschen Biathleten waren sauber, sind sauber und werden sauber bleiben“, sagt der Präsident des Deutschen Skiverbandes. Nach seinem Kenntnisstand seien auch keine Westeuropäer betroffen.
Angeblich Epo-Spuren
Die russische Nachrichtenagentur Allsport ist da unter Berufung auf fünf verschiedene Quellen schon sehr viel konkreter. Nach ihren Informationen handelt es sich bei den Ertappten um drei russische Spitzenathleten, zwei Frauen und einen Mann. Und die Tests, die am 5. Dezember 2008, also am Ruhetag des Biathlon-Weltcups in Östersund, vorgenommen worden sein sollen, weisen angeblich Spuren des Blutdopingmittels Erythropoietin (Epo) auf. Die Agentur zitiert zudem den früheren Biathleten Wladimir Dratschew, 1994 und 1998 Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen und heute der Vorsitzende der Biathlon-Föderation Nordwestrussland, mit den Worten: „Die B-Proben sind zwar noch nicht geöffnet, aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass sie negativ sein könnten. Das ist ein großer Schlag und ein erheblicher Schaden für das Image des russischen Biathlons.“
Dratschew spricht von schwerwiegenden Folgen im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2010 und macht die Brisanz der Funde mit einem Satz deutlich: „Ich kann bestätigen, dass es sich um führende Athleten der russischen Auswahl handelt.“ Sogar der russische Sportminister Witali Lutko hat laut Allsport angekündigt, dass sein Ministerium die Sache ernsthaft untersuchen werde: „Die Situation ist äußerst unangenehm.“
Die Betroffenen haben sieben Tage Zeit
Noch liegt nach den Regularien der IBU freilich kein Dopingfall vor. Die betroffenen Athleten haben sieben Tage Zeit, um die Öffnung der B-Probe zu veranlassen - oder die positive A-Probe anzuerkennen. „Wir gehen davon aus, dass die betroffenen Athleten uns schnell ihre Entscheidung mitteilen, ob sie die B-Probe untersuchen lassen wollen oder nicht“, sagt Nicole Resch.
Wenn die analysiert ist, muss die IBU innerhalb von sieben Tagen die endgültige Entscheidung über das Strafmaß fällen. Besseberg wäre es aus naheliegenden Gründen am liebsten, wenn die Fälle bis zum WM-Beginn am 13. Februar vom Tisch wären. Aber leise Zweifel hat er schon. „Die Analyse jeder B-Probe dauert drei Arbeitstage“, sagte der Präsident. Sollten sich die Athleten eines Dopingvergehens schuldig gemacht haben, droht ihnen eine Sperre von zwei Jahren samt der Streichung aller seit Entnahme der Dopingprobe erzielten Resultate. Ihre Prämien wären sie dann auch los.
Besseberg wertet die Proben als Ergebnis einer Zielfahndung
Besseberg wertet die positiven A-Proben als das Ergebnis interner Zielfahndung der IBU. Einiges spricht dafür. So wurden zum Beispiel im Januar beim Weltcup in Oberhof, wo der Russe Iwan Tscheresow zum zweiten Mal nach 2007 wegen eines zu hohen Hämoglobinwerts mit einer Schutzsperre belegt worden ist, Athleten zu mitternächtlicher Stunde zur Dopingkontrolle abgeholt. Darüber hatte sich der Russe Maxim Tschudow beschwert: „Ich finde Kontrollen richtig, aber nicht so unmenschlich mitten in der Nacht.“ Alfons Hörmann schien schon damals mehr zu wissen: „Gehen Sie davon aus, dass sich die ein oder andere Schlinge zuziehen wird“, hatte er kryptisch gesagt. Heute erschließt sich dieser Satz.